Heiße Höschen, hohe Taillen und jede Menge Sommerschäden

Besser etwas zu spät, als gar nicht. Ich melde mich mit DEEEEM feministischen Aufreger-Thema des Sommers. Ein Dauerbrenner. Und doch: die Netzfeminist*innen toben. Seit Wochen. Gerade als das Thermometer die 40-Grad-Marke brach, brannten auch ein paar Sicherungen durch. Bei Schulleiter*innen im ganzen Land. Der Blitz hatte mal wieder die Mädchen getroffen.

HOTPANTS-VERBOT!

Wer in zu kurzen Höschen zum Unterricht kommt, bekommt zur Strafe ein übergroßes T-Shirt(Kleid) übergestülpt. Jetzt, wo seit ein paar Tagen Schmuddelwetter und eher herbstliche Temperaturen herrschen, ist auch die Debatte ein bisschen ruhiger geworden. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass Ferien sind und die Lehrenden sich diese „Kurz-Geschichten“ nicht länger ansehen müssen. Puh…
Ich will dieses hitzige Ping-Pong-Spiel nicht noch mehr befeuern. Es wurde so viel gesagt und mit so viel – sorry – Mist um sich geschmissen, dass ihn hier (auch ironisch) zu reproduzieren, daneben greifen würde.
Mädchen schon in d er Grundschule zum Sex-Objekt zu stilisieren, sie wissen zu lassen: hey, ihr verführt (mit 7,8,9 oder 10 Jahren) schon eure Umgebung. Nehmt Rücksicht! Sonst…ja was sonst?
Ein T-Shirt zu tragen, was hässlich und groß ist. Who cares? Manche machten sich das sogar zum Wettbewerb. Hätte ich auch so gemacht. In der Schule hatte ich manchmal gar nichts an. Hotpants und bauchfrei. Mancher Lehrer ließ ab und an mal einen Kommentar raus. Guckte auch mal in den Ausschnitt. Diese schwarzen Schafe…ich weiß. Selbst das war damals nicht okay!! Oder eher: das ist es heute. Damals probierten wir viel aus, reizten Grenzen und übertraten sie. Aber meine Klamotten sind doch nicht ich?!

Aber zurück zu meinem eigentlichen Plan: Euch etwas themennahes und –verwandtes zu erzählen.
Zum einen muss ich es kurz loswerden:
DEUTSCHE BEZEICHNUNGEN FÜR KLEIDUNGSSTÜCKE SIND MANCHMAL ECHT DA-NE-BEN!

Warum? Na weil HOTPANTS doch schon sehr viel intendieren. Im Russischen haben wir nur Shorts. Shorts sind kurze Hosen. Oder nicht? Also: Jeansshorts, Boxershorts oder Badeshorts. Also wenn kurze Hosen schon mit dem Adjektiv „hot“ sprich „heiß“ versehen werden, weißt das nicht unbedingt auf das heiße Sommerwetter hin, bei dem frau oder man sich dieses Kleidungsstücks bedient.
Vielleicht sind Kylie Minogues Gold-Pantys so ein Zwischenfall, sexy und aufreizend. Aber auch dabei gilt: jeder ihre eigene Wahl! Ob Gold oder Glitzer, Pailletten oder Leder. Kurze Hosen sind super!
Seit es die kurzen Hosenschwestern regulär zu kaufen gibt – und frau sie sich nicht selber basteln muss, stieß ich genauso regulär Freudenschreie aus. Endlich nicht den Tücken der Miniröcke ausgesetzt sein! Ich lieb(t)e kurze Röckchen und Kleidchen, seeehr kurze waren mir am liebsten. Aber ich merkte auch schnell diesen Druck. Immer musst du aufpassen. Immer richtig sitzen um bloß nicht die Gemüter erregen. Ich habe hier schon von meinen traumatischen Erfahrungen berichtet, wie ich in U- und S-Bahn unangenehmst „überrascht“ wurde, indem mir unbekannte Mitfahrer ihre Hände unter meine kurzen Röcke steckten…
Nun, und damit sind Shorts natürlich ein Segen! Es ist luftig und frisch und verhindert doch das Hand-unter-Rock-Intermezzo. Ich LIEBE kurze Hosen.
Und mal ehrlich: als es in der letzten Woche weder tags- noch nachtsüber unter 25 Grad kalt wurde, war es mir SCHNURZ, ob meine „HOT PANTS“ jemand ins Auge hüpfen. Hauptsache ich konnte mir die Hitze ein wenig erträglicher machen.
Unangenehme Situationen hatte ich lange nicht mehr. Vielleicht liegt das am Thema Nummer zwei, das ich heute niederschreiben möchte: eine Russisch-Amerikanische-Seximus-Freundschaft.
Wer von euch meinte, Russ*innen und US-Amerikaner*innen hätten nur Beef und keinerlei Gemeinsamkeiten, täuscht sich SEHR!
Auch für mich war das ein bisschen seltsam und verstörend. Denn wie auch die Mädchen, waren Frauen hier die Leidtragenden. Naja, manche Frau* hat auch da mitgemischt, wobei die sicherlich den Schrägstrich-Troll verdient hat.
Freundes-Freunde posteten diese Woche über Facebook einen Link einer russichen Pop-Kultur-Forum-Seite, wo ein Autor sich über die ach so grässlichen, Augenkrebs-auslösenden High Waist Shorts an den Pranger stellt. Eigentlich ist es weniger die kurze Klamotte selbst, es sind ihre Trägerinnen.
Während die Seite auf Russisch ist, verweist der Autor dauernd auf ein US-Äquivalent, postet Instagram-Bilder von jungen Frauen oder Katalogfotos von asos und Co. Auf ihnen sind immer wieder hübsche, cis-Fashion-Girls zu sehen, Models, Taylor Swift. Allen gemein sind die High Waist Shorts, die sie draußen und auf der Bühne tragen. Dazu gibt’s ein paar Zitate von US-Hatern, die sich mit dem Diss des russischen „Mode-Kritikers“ verflechten.
Die Frauen, die die kurzen Hosen mit hoher Taille tragen werden beleidigt. Schlicht und direkt. „Wie könnt ihr euch nur so verunstalten, Mädels?“, heißt es da.
Da werden Gespräche zitiert, wo „schöne Frauen“ vorbeilaufen, mit langen Beinen und und und…und dann diese SHORTS! Wie könnt ihr euch das nur antun? Warum? Schlimm anzusehen.
Das Highlight, wodurch es dieses Armutszeugnis von Fashion-Blogs in meine kleine ironische Feminismus-Ecke geschafft hat ist aber folgende Aussage: die High Waist Shorts würden der perfekt Schutz sein gegen Vergewaltiger! Wenn frau die tragen würde, bräuchte sie auch keine Angst mehr zu haben, auf der Straße belästigt zu werden. Niemand würde eine solche Modesünde erregend finden…
WHAT THE FUCKING FUCK?!
Das heißt, wenn ich auf der Straße mit diesen Händen unter dem Rock zu kämpfen habe, sollte ich es schätzen und dankbar sein? Danke, dass ihr meine Weiblichkeit gebührend anerkennt. Danke, dass ihr meinen Körper feiert. Gütige Göttin…
Tja, und so schließen sich zahlreiche Anhänger*innen diesem US-Russ-Textchen an, posten JA’s und AMEN’s. Fügen hinzu: und die langen Hosen mit hoher Taille sind auch Sch****! Dann kommen Frauen, die Röcke mit hohem Bund posten und liebäugelnd fragen: und was ist mit denen? Worauf die nettgemeinten Triebtäter zustimmend nicken: die sind okay (was wohl heißt: in dem könntest du nachts im Park zum Opfer werden! Freu dich!). . .
Bitte verzeiht mir meinen Zynismus. Ich finde sexuelle Gewalt NICHT und UNTER KEINEN UMSTÄNDEN hinnehmbar. Es gibt keine ENTSCHULDIGUNG. Kein JA-ABER und erst recht nicht das VICTIM BLAMING! Wenn aber selbst das nicht mehr reicht, sondern Frauen (und natürlich, verzeiht, liebe alle-Sternchen-wirklich-alle*) auch noch die belästigungs-fördernden Klamotten raussuchen sollen, um sich das „okay“ der Perversen und zutiefst Gestörten einzuholen…das sprengt meinen Ironieradar in 1000 Stücke.

Weniger dramatisch aber auch ein bisschen traurig ist das nächste Sommerthema: der BH.
Ich habe den Dingern abgeschworen. Mit 12 und 13 konnte ich es kaum erwarten, meinen ersten, schönen, spitzenbesetzen BH anzulegen. Ich habe lange gewartet: in der sechsten Klasse waren meine Brüste so sichtbar, dass selbst die 11-jährigen Jungs danach langten. Über ein B-Körbchen kam ich niemals hinaus, aber die Neugier und das — was sonst — gängige Schönheitsideal, die sich räkelnden Schönheiten in reizenden Dessous. Ja, ich wollte auch mal so sein. Weil ich dachte, ich muss.
Meine Mutter war nie die Sorte Frau, die viel Wert auf exklusive Unterwäsche legte. Und darum dauerte es ECHT lange, bis ich mich traute, welche für mich einzufordern.
Ab der 7. bis zum Abi war mein Schrank voll von ihnen: in pink, in gepunktet, mit und ohne Träger. Es schien, nicht mehr möglich, ohne einen BH rauszugehen. Ich habe mich nie gefragt: kommst du nicht auch ohne zurecht? Denn, meine lieben C, D, E-Körbchen und vor allem alle darüber hinaus: mit A oder B war es zumindest für mich jederzeit möglich, BH-los rauf und runter zu springen, ohne dass meine Brust schneller oben oder unten wäre.
Klar, BHs können schön formen und dem manchen so unangenehmen Nippelalarm vorbeugen. Jede darf das selbst entscheiden. Ein besseres Tragegefühl, Sicherheit und was es noch so für Gründe geben kann.
Die meisten nehmen dabei den Trägersalat besonders im Sommer wohlwollend hin. Oder stellen sich die oft hoffnungslose Frage: welchen BH krieg ich unter dieses Kleid? Sieht man in diesem Ausschnitt meinen Balconette? Hab ich auch mal. Dabei lag die Antwort doch barbusig auf der Hand: geh einfach ohne!
Jetzt bin ich seit etwa 3 Jahren ohne BH unterwegs. Mal im Top, mal im Bandeau. Ich möchte keiner Frau*, selbst mit AA oder AAA Körbchen, nicht das Tragen eines BHs absprechen. Ich bin für Chancengleichheit. Aber ich spreche mich ausdrücklich für die Befreiung des Geistes aus. Denn neulich traf ich mich mit meiner guten Freundin. Sie liegt irgendwo zwischen den ersten Buchstaben des Brust-Alphabets. Ohne einen BH sah ich sie noch nie. Sie erzählte mir ihre Geschichte der 40-Grad-Tage: zu Hause war’s unerträglich, draußen – noch schlimmer. Drinnen quengelte das Kind, und der Mann drängte zum Einkauf. Weil auch 5-minütiges Duschen nichts half, hoffte die Familie auf ein laues Lüftchen und verließ ihre Wohnung im Berliner Norden. Weil die Hitze sie träge gemacht hatte, oder weil die Erinnerung a la Festplatte angeschmolzen war, vergaß meine Freundin ihren BH. Naja, so halb: sie merkte es, hätte die Chance eines Nachtrags, und ließ es bleiben.
So, wie die junge Mutter mir das erzählte, klang die Geschichte nach einer Heldinnen-Story: die Überwindung der BeHerrschung. Ihr Mann bemerkte den Fehler – pardon – das Fehlen erst auf der Straße. Er war überrascht. Und er fragte nach: oha! Und: Gott sei Dank. Er lobte! Guter Mann!
Beim Zuhören freute ich mich irgendwie mit, obwohl ich mir auch bescheuert vorkam. Ich hätte sie schütteln sollen und sagen: Liebchen! Du bist super in Form! Es sind 40 Grad! Lass die beiden frei! Atme durch! Entkomme dem Zwang! Warum denn auch nicht?
Aber sie war wohl auch seit Halb-Kinder-Tagen so fixiert auf das weibliche Muss, die BH-Pflicht. Und schließen möchte ich mit einem Zitat, das am schwarzen Brett der Erziehungswissenschaften das Zettelmeer ziert:
SOLLTE ES NICHT WAHLFREIHEIT UND NICHT WALHPFLICHT HEIßEN?

❤ KF

„Dear society,…

…please change!“ Zum Equal Pay Day heute ein kleines Stoßgebet an die Göttin des gleichen Lohns. Und um ganz effizient zu sein, ist mir heute nach einem kleinen Themenüberschlag. Ihnen gemein ist (abgesehen vom allgemeinen feminismusfeindlichen Gezeter) ihr Appell an die Gesetzgeberin.

Dialog von heute Morgen. MoMa-Moderator Mitri Sirin fragt Manuela Schwesig nach dem Sinn ihres Bestrebens nach gleichem Lohn für Frauen und Männer. Es sei schließlich die Gesellschaft, die sich ändern sollte. Soll den Menschen tatsächlich noch mehr Zwang zugemutet werden? Nützt ein Gesetz top-down irgendjemand irgendetwas. Frau Schwesig lächelt, lobt den Mindestlohn und die Frauenquote und sagt: Das schaffen wir auch noch.

Das ist kein Bekenntnis für oder gegen unsere Frau Familienministerin. Und Herrn Sirin will ich auch nicht verteufeln. Vor ihm gab es einen wesentlich publikumsabschreckenderen Kollegen.
ABER mich stört dieser Dialog in seiner Substanz. Immer und immer wieder ertönt dieser Schuldspruch gegenüber der Gesellschaft. Entweder zu liberal, zu beengt, zu stur, zu facebook, zu FDP…
DA DRIN sollte sich was tun! SIE soll sich nicht so haben. IHRE Normen haben sich zu wandeln. Und niemand scheint sich darin zu verorten, wenn sie oder er von DER Gesellschaft spricht. Schon mal dran gedacht: YOU’RE PART OF IT.

Dennoch ist die Frage auch für mich legitim und nicht leicht zu lösen: brauchen wir mehr Gesetze? Solche, um der Gesellschaft etwas auf die Sprünge zu helfen…vielleicht ihr in den Hintern zu treten (und mit ihr gemeinsam auch ein paar ganz bestimmten Akteur_innen auf ihrer Bühne).

Eine gewisse Zeit-Redakteurin Frau H. schrieb letzte Woche von der „wahnsinnigen Sensibilität“ in Bezug auf die sexuelle Belästigungsdebatte, der nach jede_r Zweite am Arbeitsplatz schon mal belästigt wurde. Gern hätte ich hier mein Allheilmittels-Argument hingeworfen, kein Wunder, es schreibt ein Mann! Aber bei der Zeit werden jetzt öfter frauenkritische Artikel von ebensolchen verfasst. Ich sage: ihr habt mich zur teils entschärft ;).
Aber (anzüglichen) Witz beiseite: Frau H. hat es echt noch nicht gerafft und äußert sich auf arrogante und ignorante Weise. Diese vermeintlichen Opfer sexualisierter Gewalt seien mittlerweile zu sensibel. Sie sollten sich doch einfach wehren und sagen „Hey, Stopp!“ oder auch mal „Hände weg!“. Die Landesantidiskriminierungsstelle ist für sie eine große Peace&Love-Party, die Frieden für alle will. Frau H. sagt dazu: „Aber rätselhaft bleibt doch, was die Minderheitenprobleme trans- und intersexueller Personen mit der angeblich massenweisen Belästigung am Arbeitsplatz zu tun haben“. Wenn man nämlich findet, alle Menschen seien zwar vor dem Gesetz gleich, von Gleichberechtigung aber keine Rede sein kann, wo ist da der Zusammenhang? Noch mehr schöne Phrasen sind z.B. „klinisch verzagt“ klingender Begriff intersexuell und mein Favorit auf Platz eins:
„DIESE GENDERUTOPISCH AUFGEMOTZTE PROSA“ der Antidiskriminierungsstelle. Für Frau A. unverständlich, was „Gleiches Recht – jedes Geschlecht“ mit trans*, inter* und allen anderen zu tun haben könnte… Vielleicht sollte sie bei o.g. Stelle vorbeigehen und sich mit den Mitarbeiter_innen dort über Geschlechtergerechtigkeit unterhalten?
Es geht in diesem Artikel, neben der Hypersensibilität unserer Gesellschaft, um das scheinbare Verlangen nach mehr Regeln. Grusel-Endpunkt: sie zieht Foucault ein, der sich wohl im Grabe umdrehen dürfte bei ihren leicht §$%&*-phoben Bemerkungen (bitte Beliebiges einsetzen). Die Öffentlichkeit soll sensibilisiert werden statt das souveräne selbstbestimmte Rechtssubjekt hervortreten zu lassen. Statt zu kämpfen (für das Recht), wird gesäuselt. Ein bisschen Feministin ist sie vielleicht, denn ein nostalgischer Seufzer findet sich inmitten des Beschuldigungschaos: die Emanzipationsjahre der 60er hätten ideologisch was zu bieten gehabt.
Sie meint „Jeder Einzelne – jede Einzelne“ könne sich einfach hinstellen und verkünden: „Ich will. – Ich will nicht.“ Uff… Schön, dass es bei Ihnen klappt, liebe Frau H.
Die Gefahr einer sexuellen Belästigung sei heraufbeschworen und Menschen würden nur dazu angeregt werden, sich zu beschweren. Und zum Schluss, wie durch Zauberhand, kommen plötzlich illegal Arbeitende Frauen und Männer als die eigentlichen Opfer zur Sprache. Was genau uns die Autorin mitteilen wollte, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Eins ist aber gewiss: Frau H.s Blick ist nun mal nicht der einzige. Wenn sie eine der glücklichen Frauen ist, die niemals mit diesen Problemen zusammenstieß, schön. Das wünsche ich allen. Ob Frau* oder Mann*.
Allerdings kann sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz (und sonst wo) nicht als ein eingebildetes, übertriebenes und fast schon ausgedachtes Phänomen abgetan werden. Natürlich liegen dem tieferführende Faktoren zugrunde. Und hierarchiefrei wird kein utopisches Großraumbüro sein. Ach ja, und wer sagt, welche Menschen von welchen wann belästigt werden? Frau H. scheint zu wissen, dass trans* und inter* Personen gar nicht zu den Betroffenen gehören. Was für ein Schwachsinn.

Und hier wären wir wieder, bei den Gesetzen und den Regeln. Frau H. meint, noch mehr Regeln sind schlichtweg der falscheste Weg von allen. Alle sollten selber denken. Selbstkontrolle.

Ich sage: Regeln, die für eine geschlechtergerechte, gleichberechtigte Gesellschaft sprechen, die IHR im Wandel helfen und IHRE Partizipient_innen unterstützen, tun gut. Ob gleicher Lohn für gleiche Arbeit – ohne Kompromisse und ohne Schuldzuweisung an die Frauen („Jaja, wählen die doch selbst diese Billig-Care-Berufe!“) oder eine besser etablierte Regulierung bzgl. sexualisierter Gewalt (die übrigens nicht immer nur das Busen-Anstarren oder Po-Antatschen, Witzereißen oder Porno-Bildchen umfassen, sondern Sexismus in all seinen intersektionalen Formen beinhalten kann).

Ein „Liebe Gesellschaft, bitte wandle dich!“ reicht nun mal nicht immer. Lasst uns ihr die Hand reichen und wenn wir schon mal dabei sind, auch einander (in genderutopischer Prosa oder Rosa :P)!


KF

Politisch (UN)KORREKT und RECHT(S) bedenklich

Ach ja, das neue Jahr fängt gut an: die FDP setzt auf pinke Ergüsse (Verzeihung, es ist Magenta) und die Junge Alternative versucht sich im „Gender Marketing“ (auch hier, biggest sorry, es ist Sexismus on it’s best)…

Als zwar auch junge, aber eher links stehende und laufende und denkende Frau, mit einem Migrationshintergrund, mit zwei Pässen und hey!, sogar mit auch mal zwei Persönlichkeiten*, gibt’s schon in der ersten vollen Januarwoche viel zu bemängeln.

(*Kürzlich las ich eine pop-psycho-Studie, die behauptet, dass Menschen, die von Kindesbeinen an zwei Sprachen sprechen und bilingual aufwachsen, auch zwischen Persönlichkeiten switchen. Nun, ich bestätige das einfach mal halb, mit der deutschen Hälfte meiner Person ;D.)

Worum es mir hier geht sind zwei Plakate aus den aktuellen Werbekampagnen der Parteien, die gern den „Volk“ dienen möchten. Bitte korrigiert mich, wenn ich das in den falschen feministischen Hals bekommen habe, aber Parteien wollen Wähler_innen (naja, bei den beiden Süßen würde ich doch eher von Wählern (Punkt, ohne IN, ohne GAP, ohne STERNCHEN, un-un-un-inklusiv sozusagen). Je mehr, desto besser. Während bei der Europawahl die Aufregung nicht sooo riesig war und CDU mit Angela Merkel warb, obwohl die gar nicht zur Wahl stand oder die NPD-Plakate von sämtlichen Satire-Shows lächerlich gemacht wurden, gibt es hier mehr zu sagen.

1. Die FDP will raus aus ihrem Tief. Erst gestern versuchte sie sich selbst zu feiern nach dem Motto „die FDP sei nun statt FDH (friss die Hälfte) FDPur (whatever)“.  Und neben der „frischen Farbe“ (die von der Telekom entliehen wurde), gab es ein paar neue Frauen an der Spitze. Zwei.
Das Provokante : ein Werbeplakat von Katja Suding mit wehendem Haar und straight forward Blick schreit: „UNSER MANN FÜR HAMBURG“.
Unser Mann? Das ist schon zu blöd um eine konstruktive Gleichberechtigungsdebatte loszutreten. Dass von der FDP keine fortschrittlichen emanzipatorischen Marketing-Kicks zu erwarten sind, war mir auch vorher schon klar. Vielleicht ist schlechte PR besser als keine. Wobei gerade diese Partei nicht nur einen Vogel abgeschossen hat, wenn’s um das eigene Image geht (zum Dirndl-Debakel sag ich jetzt aber nichts mehr). Was Frau Suding selbst von ihrer nicht mehr als ironisch einzustufenden Plakatierung hält, weiß ich nicht. Ich könnte mir sogar denken, dass sie dazu steht. Oder sie versucht das auf die neo-liberale Art (???) auszulegen? Vielleicht sogar positiv – a la – „ich kann das mindestens so gut wie einer unserer Männer!“
Fakt ist: es ist FDPurer Rückschritt. Männliche Attribute eine Frau in Führungsposition zuzuschreiben, ist ein längst ausgelutschter Drops. Als harte, berechnende, entweiblichte Maneaterin wurden die meisten Damen schon bezeichnet. Die gläserne Decke zu durchbrechen und nicht zurückzufallen geht nur durch den Verlust der Feminität oder aber durch deren Überspitzung: dem „Einsatz der weiblichen Reize“ (ohne das Hochschlafen-Klischee komme ich leider nicht aus).
Wie wär’s denn zur Abwechslung mal mit der tatsächlichen Akquise von neuen Wähler_innen-Gruppen? Wie wär’s mit einer Kampagne, die mit Aktualität glänzt, statt mit verstaubten und durch und durch unkreativen Stereotypen?

Aber was sag ich, es geht auch schlimmer:

2. Der faulende Stern am Politikhimmel ist ja die AfD, die nun mit ihrer Jugend Minus-Presse-Punkte sammelt. „Junge Alternative“ nennen sich die Menschen, die anscheinend noch nicht wirklich begriffen haben, wie die Welt funktioniert. Frauen lassen sich da gern mit „Ich bin keine Feministin, weil…“-Schildern ablichten. Jede Frau könne doch selbst entscheiden, ob sie Hausfrau wird. Wow! Dass das so ist sehen diese Mädels wohl als Naturgabe oder Alleinverdienst ihrer Herren.
Jetzt haben diese jungen Wild-Alternativen den Höhlenmenschen schlechthin in sich entdeckt und veröffentlichten noch vieeeeel „bessere“ Plakate als die „Puren“ der FDP:
Fünf Frauen, von hinten, im String, alle mit langer Wallemähne (immerhin, die Vielfalt liegt in den vielen Haarfarben und -formen) vor einer Strand-und-Meer-Kulisse. Drüber der Slogan:
„Gleichberechtigung statt Gleichmacherei“
Hoooooolyyyyy sh*t?!?! Was bitte meinen diese Alternativisten damit? Für mich stehen die Anhänger der AfD ohnehin in der rechten Ecke, vielleicht auch an deren linkem Rand – und dennoch. In Zeiten von Bergida und „dem Gefühl einer Überfremdung Deutschlands“, passt die AfD gut ins Bild und scheint Menschen anzusprechen. Auch wenn es eine Minderheit ist – es gibt sie, die Luckes der Nation. Und dann SO ein Werbeplakat?
Was soll das bedeuten? Gleichberechtigung – wissen die was das ist? Wer spricht von Gleichmacherei? Und: was ist in deren Augen der Unterschied? Aus Frauen Männer machen? Wieder dieses alte, dumme Halbwissen? Es scheint, als hätten die sich gegen den Feminismus gewandt, ohne zu wissen, was dieser ist. Und wenn einer (betont ein-ER) doch schon vom Feminismus gehört hat, schweigt er sich lieber aus, statt die Plakat-Designer_innen aufzuklären. Gähn…
Ein männliches Äquivalent gibt es auch: 4 Muskelprotze oben ohne, getarnt als Bauarbeiter sagen „Schluss mit Kuscheljustiz. Kriminalität härter angehen. Harte Arbeit wartet.“ Was uns das sagen soll? Wer arbeitet da wann hart? Und wer soll härter bestraft werden?… Gähn hoch zwei.

Ich unterlasse es ganz bewusst diese netten Bildchen auf meiner so gar nicht rechts-positiven Seite  zu platzieren. Fragt die Suchmaschine Eures Vertrauens und versucht Euch an der Interpretation. Vielleicht kommt die „Massege“ bei Euch an ;)?!

Aufgeregt, wie ich bin, frage ich mich mit rotem Kopf, ob so eine billige Verkaufsmasche für Parteien okay ist? Klar, die NDP macht gern Statements, die mit Bärten, ausländisch klingenden Namen und persönlichen Empfehlungen, Menschen „nach Hause“ zu schicken spielen. Weil hier die politische Gesinnung für die Meisten klar ersichtlich ist, weiß frau und man, woran sie und er ist.

Bei den anderen, oben erwähnten ist es anders: zum einen grenzen die sich regelmäßig und vehement  von Rechts ab und zum anderen, ist Politik eine Verkaufsveranstaltung geworden? Wenn ein Automobilkonzern, eine Uhrmarke oder ein Modelabel mit sexistischen Inhalten und frauenverachtenden Bildgut wirbt, ist es nicht schön anzusehen, kritikwürdig aber letzten Endes DEREN Marketingstrategie. Sie verkaufen ihr Produkt. Sie machen Profit. Sie können gewinnen oder verlieren. Dabei ist niemand der Entscheider_innen dort von MIR gewählt oder nicht gewählt. Das ist Kapitalismus.
Eine Partei hat den Status eines Vereins, von Bürger_innen organisiert. Demokratie ist auch mal dreckig. Aber hier finde ich persönlich geht PR zu weit. Klar, Meinungsfreiheit zählt für alle. Aber wen will diese freie Meinungsäußerung anlocken? Machos? Sexisten? Patriarchen? Und am schlimmsten: Rechte Machos, Sexisten, Patriarchen?

Die feministische Hoffnung stirbt nie! Wie Susie Orbach kürzlich sagte: Feminismus ist wie jede politische Bewegung wellenartig, mal flacht er ab und jetzt folgt wieder ein Hoch!

In dem Sinne: ein HOCH auch den frischen, 2015-Feminismus


KF

Weltmeisterschaftliche Rückansichten

Da philosophiert frau sich den Mund fusselig und schreibt sich die Finger wund – und braucht doch nur wieder den Fernsehen einzuschalten, um die gewohnte Ladung dualistischer Geschlechterklischees in ihrer „natürlichsten“ Form zu bekommen…

Warum ich mich so aufrege? Das sei doch alles längst bekannt und wer‘s nicht sehen will, soll gefälligst weg vom Mainstream-TV kommen… Ja, ja, ja das weiß ich alles. Meine Rage gilt auch nicht dem Alteingesessenen Sexismus in Telenovela, Nachmittags-Talk und Promi-Gerüchteküche. Nein, es sind noch weniger die netten Musikvideos unserer lieben vor sich hin rappenden Genossen B. oder S., M., oder 50-paar-Zerquetschte-Punkt!

Meine heutige Empörung widme ich voll und ganz den unschuldigsten aller TV-Reportagen: den ach so neutral-meinenden Berichten aus aller Welt. Und da wir uns derzeit in einer schrecklich-sportlichen Zeit befinden, kommen besonders viele dieser Filmchen aus dem Gastgeber(innen)land Brasilien: Sonne, Strand, Meer…Land der Schönheits-OPs, Land der Samba, Land der schönen Reichen und der Armen, Land der Extreme…und Land der Pos?!
Das sind einige der Klischeevorstellungen, die auch ohne der bewegten Live-Streams bei sämtlichen Zuschauenden bereits angelegt zu sein scheinen.
Die hohe Kunst des Fernsehjournalismus reiht sich da einfach ein, statt diesem stereotypischen Gewusel einen Riegel vorzusetzen oder hey, noch besserer Vorschlag: ein neues Bild zu erzeugen, das weniger engstirnig und rassistisch-anmutend ist?

Nun ja, da dies nicht geschieht, führe ich kurz an, was ich meine: gestern (am Tag, an dem mir endgültig der Kragen platzte) sah ich ganze 3! Solcher netten Berichte. Ob öffentlich rechtlich oder privat: als hätten sich alle ReporterInnen dieses Landes verschworen.
Das Fatale an der Sache ist, dass alle diese Brasilien-Aufnahmen als harmlose Urlaubsempfehlungen daherkommen und meist Phrasen in sich bergen, die nach „Paradies“ oder „endlosen Landschaften, wunderbaren Welten und purer Erholung“  klingen. Von Cocktails am Strand, Shoppingtour durch die romantischen Gassen oder nächtlichen Tanzleidenschaftauslebungen ist die Rede. Wir werden scheinbar nur eingeladen, dieses Traumland zu erkunden. Darum bedarf es HIER einer ernsthaften INTERVENTION! Denn die Bilder, die einhergehen mit diesem dumpfen und dennoch betörenden Gequatsche, sind alles andere als „neutral-natürlich“. Meine kleine Liste hilft EUCH vielleicht, selbst das zu sehen, was ich sehe – wenn es nicht lange vor mir schon passiert ist:

1. Der binäre Gendercode ist stets präsent: Frauen und Männer werden meist – im Interview oder „von der Seite“ getrennt gezeigt. Da sind die sich räkelnden Mädels, die sportlich aktiven Jungs. Die Brüste, die Bizepse (ist das die Mehrzahl?). Die Schenkel, die Waden…
Wogegen so manche/r FeminstIn seit Jahrzehnten versucht anzukommen, wird hier einmal mehr als die NATUR dargestellt. JA – DAR-GE-STELLT!! Denn wir wissen doch alle: GESCHLECHERKLISCHEES entsprangen nicht Mütterchen Natur, sondern unserem Köpfchen…ach nein, nicht unbedingt UNSEREM, eher ihrem – dem der männlichen Konstrukteure!

2. GANZ GANZ GRENZWERTIG sind die Naturaufnahmen, bei denen die Kamera von den Bergen über zum Meer schwingt, dann am Strand ankommt und SCHWUPP!!! …landet der Fokus wie durch Geisterhand – ganz NATÜRLICH – bei der Hinteransicht von zwei oder drei jungen Frauen. Und als wäre das nicht schon Klischee genug, umfängt der Ausschnitt LEDIGLICH den PO dieser Damen. Wer braucht schon den Kopf, wenn er/sie diesen TRAUMA**** haben kann??
Diese in meinen tränenden feministischen Augen äußerst prekäre Darstellung lässt die ewig-und-drei-Tage-alte Diskussion über Natur vs. Kultur, Weiblichkeit vs. Männlichkeit, Emotion vs. Power auferstehen. Die Gleichsetzung des weiblichen Körpers mit der natürlichen Landschaft führt zum Ergebnis, welches zu gern von den bürgerlichen Intellektuellen des 19. Jahrhunderts postuliert wurde: die Frau bedarf der Domestizierung seitens des Mannes, denn sie ist es, welche die fruchtbare Erde VERKÖRPERT und GEPFLÜGT und BEACKERT werden muss…
Dreimal dürft ihr raten, wer den Pflug in der Hose(ntasche) hat?

3. Aus den vorhergehenden Punkten folgend sollten die Interviews kritischer beäugt werden. Die Fragen, welche meist darum kreisen „Welche Frauen sind die schönsten?“ oder „Was tut ihr um euch fit und schön zu halten?“ sind ja wohl keine random-Fälle!? Zumindest müssen die Frauen, die hier befragt werden inklusive ihres Gesichts gezeigt werden…
Deswegen sind die Antworten nicht weniger dichotom oder rassistisch, nicht weniger durchtränkt von Sexismus.
Wem RAPE-CULTURE nichts sagt, sollte einmal kurz googlen. Der Missbrauchs-Diskurs, der sich mit den sexuellen Übergriffen auf meist weibliche Opfer befasst, hat es in sich. Er ist höchstbrisant in den USA vertreten, aber auch in Deutschland wird nach und nach dazu debattiert. Darin heißt es oft, dass Frauen selbst schuld seien, dass sie verführen würden und sich gefälligst nicht so aufreizend kleiden sollten, wenn sie nicht auf Belästigung aus wären…
Ich weiß, das ist traurig, dumm und menschenunwürdig. But still… es ist heute oft so, dass Täter* genau das behaupten, wenn es um das WARUM? geht.
Genau da lehnen sich viele der Berichte an, wenn brasilianische Frauen als Reinkarnation der reinsten Lustobjekte beschrieben werden oder sich selbst beschreiben müssen. Sexy hin oder her, aber was ist mit Sextourismus? Was ist mit Minderjährigen? Ach ja, ich vergaß – alles was zählt, ist ja die Äußerlichkeit, da es immer warm ist und viel nackte Haut gezeigt wird…

Es ist zum verzweifeln, aber ich bin nicht bereit es aufzugeben – also bitte merken:

GENDER-KLISCHEES sind KEINE NATÜRLICH GEWACHSENE TATSACHE!

FRAUEN bestehen nicht nur aus den Einzelteilen ihres Körpers (Männer übrigens auch).

NATUR VERSUS KULTUR ist lange hinfällig! Denn 1. Dichotomie reicht nicht aus, um so komplexe Wesen(heiten) wie uns Menschen zu beschreiben. Und 2. F*** PATRIARCHY ;)!

❤ KF