Bad Russian

Eine weise und zugegebenermaßen manchmal angsteinflößende Frau und Dozentin sagte uns einst: normative Titel und Thesen sind okay, solange frau sich dieser bewusst ist und sie auch als solche markant reflektiert.
Reflexion ist das Zauberwort der Gender Studies. Und auch ich liebe es, tagein tagaus vor mich hin zu reflektieren. Niemals hätte ich in der 4. Klasse beim Radfahrunterricht und der dazugehörigen Sachkunde-Theorie gedacht, dass ich einmal zum menschlichen Reflektor mutieren würde.
Aber Spaß und ironische Prise bei Seite: es geht um etwas Ernstes – um Russ_innen. Wahrscheinlich müsste ich sogar auf jegliche Gendergerechtigkeit verzichten und „Russen“ sagen. So ernst ist es.
Zwei Situationen in den letzten zehn Tagen haben mich wütend, traurig und ganz besonders schrecklich: beschämt gestimmt. Es ist offiziell: ich schäme mich für meine Landsleute.
Nicht für alle natürlich, nur für die „Bad Russians“. Achtung! Normativität! Vorsicht! Wertung!
Wer schlecht und wer gut ist, darf und soll jede_r selbst gern entscheiden, es leben, es träumen und naja, klar, auch mal darüber reden. Schlecht finde ich dagegen, wenn so Kinder erzogen werden, wenn neue „Bad’s“ rekrutiert und akquiriert werden. Wenn Propaganda zur Norm wird. Zur Heteronorm.
Denn dann ist es nicht mehr dieses „Man wird das ja wohl noch sagen dürfen!“. Es ist Ausschluss. Es ist Diskriminierung. Und es ist Folter.
Ein wirklich bewundernswerter Verein „Quarteere e.V.“, der sich gegen Homophobie und für Menschenrechte einsetzt initiierte mit Amnesty International eine kleine Uni-Film-Session. Wir sahen „They hate me in vain“ von Yulia Matsiy. Sie – eine russische Aktivistin, die in Italien lebt (notgedrungen, so schätze ich) und 2013 diese Dokumentation über junge, russische LGBTIQ*-Christ_innen gedreht hat. Es gab keine Triggerwarnung und mein Gendergespür sagte mir, dass die nach dem Film dringend von einigen eingefordert wird. Der Inhalt ist hart. Nichts für zarte traditionelle Gemüter und besonders schwer für Betroffene. Mich überrollten Wellen von glühender Scham, von Hass aufs eigene Volk, dann wieder Scham und dann irgendwann setzte die Taubheit ein. Als meine Begleitung und ich den Hörsaal verließen, waren wir stumm. Zwei Russ_innen, zwei Deutsche, zwei In-Betweens. Wir liefen nebeneinander her und wussten nicht, wie wir anfangen sollten. Womit und warum?
Dann brach es aus uns heraus. Ich begann. Ich sagte: „Ich schäme mich so für mein Land“. Aber natürlich meinte ich die „Bad Russians“. Heute – nach knapp einer Woche – knabbere ich immer noch an diesem Gefühlstsunami. Ich liebe Mütterchen Russland. Ich kann nicht anders, wirklich. Wenn ich russische Folklore sehe/höre/spüre/schmecke, singt meine russische Seele. So ist es! Ich bin längst keine Russin mehr, ich bin auch keine Deutsche. Das übliche Spiel in uns, die wir hierzulande aufwachsen und (!!!) dieses Privileg hoch und heilig sprechen.

Es kommt nicht oft vor, dass ich universitär Landsmenschen über den Weg laufe. In den Gender Studies sind sie an höchstens zwei Händen abzuzählen. Bedauerlich, ja. Das zeigt aber auch mein Dilemma: ich will etwas tun! Denn es bestätigt sich in der russischsprachigen Diaspora genau dieses Bild: Gender Studies – nein danke! Ideologie! Homo-Angriff! Zerstörung der Familienwerte! So ähnlich, wie die besorgten Eltern in BaWü, nur aggressiver und – a la russe – siegessicher!
Es ist das Dilemma meines Lebens. Ich kann es nicht verstehen, wie Menschen andere Menschen dafür hassen können, dass sie anders leben. Und: warum sie sie bestrafen wollen. Bekehren oder heilen. Wenn sie doch gar nicht davon betroffen sind?
Die Gesetze gegen homosexuelle Propaganda (die bei öffentlichem Händchenhalten von gleichgeschlechtlichen Paaren beginnt) sind allen sicherlich ein Begriff. Sie sind auch der Grund, warum „They hate me in vain“ nicht in Russland gezeigt werden darf. Verstoß gegen das Gesetz. Auch Amnesty muss sich zurückziehen – wegen Gefährdung der Verfassung.
Im Film sind Demütigungen des Alltags zu sehen: 13-jährige Jungs, die von größeren geschlagen werden, die T-Shirts mit brutalen Outing-Parolen angezogen bekommen und damit durch die Straßen gejagt werden, junge Männer, die auf offener Straße lächerlich gemacht werden – auf die menschenunwürdigste Weise… Diese Privataufnahmen sind im russischen „Facebook“-Abklatsch vk.com allen zugänglich. Sie sollen bekehren und abschrecken. Es sind selbsternannte „Schwulenheiler“ oder „Retter“, die glauben, etwas Gutes zu tun. Manche sogar im Namen Gottes. (Als wenn in ihrem_seinen Namen nicht schon genug Unheil über die Welt gebracht wird)
Und da gibt es natürlich die Aktivist_innen, die heimlich aber sicher LGBTIQ*-Gottesdienste abhalten, an denen ALLE teilnehmen dürfen. Mütter, die zusammen eine Tochter aufziehen. Transindente Menschen, die sich offen im Café zeigen und sehr, sehr viele Demonstrant_innen. Sie verdienen Anerkennung. Klar! Aber sie sind so wenige und sie leben so gefährlich. Zum Hass auf Schwule und Lesben, auf „Abweichler_innen“ und „Kranke“, kommt der Fremdenhass, der Rassismus. Gnade der_dem, die für sich zwei der verhassten Kategorien beanspruchen…
Da waren gerade mal drei Tage vergangen, die Taubheit war noch deutlich spürbar: was tun? Was liegt in meiner Macht? Russland gilt als sicheres Land und Asyl aufgrund der sexuellen Orientierung in Deutschland zu bekommen ist fast aussichtslos. Einfacher sei es in Spanien und Kanada, meinen die Expert_innen bei der Filmsession…
…drei Tage also, und die nächste Gesichts-Klatsche. Ein junges befreundetes Paar, er etwa 30, sie um die 22, schwanger im etwa 4. Monat. Er seit etwa 13 Jahren hier, sie kürzlich eingeflogen. Aus Russland. Verheiratet. Selbstständige Unternehmer_innen. Tüchtig. Talentiert. Intolerant. Bei einem wunderbaren Fest, das den ersten Geburtstag eines kleinen Sonnenscheins würdigt, dessen Begehren noch auf Mama und Papa beschränkt ist, haben sich die beiden Tüchtig-Intoleranten geoutet. Als schwerst homophob.
Ich möchte nicht wörtlich reproduzieren, was BEIDE zu schwul lebenden Menschen sagten, wie sie sie bezeichneten. Was ich aber sagen werde, ist deren „Hauptsache er (auf den Bauch zeigend) wird keine Schwuchtel“. Autsch. Krank wäre das. Gegen die Natur. Menschen sind da, um sich zu vermehren. Noch autscher.
„Gehet hin und mehret euch“ übrigens verweist weder auf eine Ehe, noch auf eine monogame Partnerschaft, noch auf Mutter- und Vaterrollenbestimmungen. Und: es verweist erst recht nicht auf Sexualität. Vermehren kann ich mich auch wenn ich Frauen liebe. Punkt.
Von moderner Wissenschaft, Reproduktionsmedizin und so weiter fange ich gar nicht erst an. Die ist doch gottgewollt? Von der Natur? Weil: Mensch -> Gehirn -> Entwicklung -> Neuentdeckung?
Ich bin übrigens auch im Aus gelandet bei diesen Tüchtigen: ich will keine Kinder – GEGEN DIE NATUR! Peitsch.
Was mich am meisten ärgert, ist dass diese beiden hier leben und arbeiten. Ihre Kundschaft, ihre Käufer_innen leben geschätzt zu mindestens 50% nicht traditionell. Es geht um Hipster-Lifestyle und den leben nicht immer nur die Erzkonservativen. Oder? Ich erlaube mir auch hier ein bisschen Wertung und Spekulation und bitte mir nicht zuzustimmen, wenn es nicht einleuchtend erscheint. Für das Paar ist es egal, wer kauft, solange das Geld fließt. Mit Homosexualität konfrontiert zu werden – ein No-Go!
Als diese Szenerie vor sich ging, schweifte ich plötzlich ab. Ich sah ihr Kind, das immer nur Homo-Hass mitbekommt. Falsch sei es und unmöglich für sie/ihn! Wenn gerade dieses Kind sich doch anders fühlt,anders ist als seine Eltern, wird es dann zu ihnen kommen damit? Wo holt es sich Rat? Wo Beistand? Wie kann dieses Kind sich „richtig“ und „gut“ fühlen, wenn seine Eltern doch solche „Bad Russians“ sind?…

❤ KF

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Visuell, materiell – vom Sehen und (nicht) anfassen Wollen

Als ich gestern meine gewohnte und kurze Straßenbahnstrecke zur Uni fuhr, kam mir ein Gedanke, den ich schon häufig hatte aber nie zu Papier brachte. Das heißt, ich denke seit vielen Jahren immer wieder daran. Und das wiederum heißt, dass es lange vor Blogzeiten zu dieser Art Denken kam: nämlich der Wahrnehmung von Menschen. Noch genauer von der Wirkung und Bewertung ihrer Körper. Auch von dem meinen. Und auch von denjenigen, die ich liebte, die ich begehrte, die ich aber auch schrecklich oder abschreckend fand. Weil es mir kaum gelingt, mich davon im Rush Hour Verkehr Berlins abzuhalten, andere Menschen anzuschauen, komme ich nicht um solche Gedanken herum. Obschon ich lange aufgehört habe, post-pubertär Vergleiche zu ziehen oder das täglich „othering“ zu betreiben, in dem ich möglichst gut wegzukommen versuchte.

Heute sehe ich Menschen in ihrer Vielfältigkeit an. Es gibt Körper, die attraktiv auf mich wirken. Weibliche, männliche, nicht-weibliche, weiblich-männliche, männlich-weibliche und die, welche nicht in die binäre Struktur passen (wollen und müssen).
– – –
…eine kleine Abschweifung, bevor ich fortfahre: ich gehe davon aus, dass die meisten von uns irdischen Wesen der westlichen Welt (und vielleicht auch die anderer Himmelsrichtungen) ziemlich oft materiell ausgerichtet sind. Es wird Gutes wie weniger Gutes materiell ausgelegt und untermauert. Materialismus – das ist nicht abwertend gemeint. Natürlich wäre ich immer dazu geneigt, eine Kapitalismuskritik an den Tag zu legen, mich über die überbewerteten materialistischen Statussymbole alle Klassen und Schichten auszulassen oder mich für die stärkere Hinwendung zu „höheren“ weil „geistigen“ Werten einzusetzen. Das tue ich jetzt nicht. Denn dieser Exkurs ist nur so etwas wie eine Prämisse, um das Nachfolgende besser verstehen zu können. Ich meine zumindest, dass es dafür dienen könnte.
Bei dem Einwand, es wäre anders und Familie, Freunde, Vertrauen, Humor, Sicherheit etc. wären unser wertvollstes „Gut“ (diese Ironie sei mir verziehen), sage ich: Klar! Aber denkt frau und man etwas tiefer hinein, ist leicht festzustellen, dass diesen „Gütern“ ihr eigener Materialismus inhärent ist. Bei Diskussionen um Freunde und Familie rutschen wird schnell in Themengebiete, wie „Wer erbst was von wem? Und vor allem: wie viel davon?“ oder „Ich habe aber mehr ausgegeben bei ihrem/seinen Geburtstagsgeschenk!“ oder „Letztens geizten die doch auch!“ oder „Die läuft jetzt wie eine Kopie von mir/ihm/ihr rum!“ … Alles Reden und Denken um Prunk und Pracht, um Definitionsmerkmale einer/eines Jeder/Jeden machen für mich ihre materielle Un-Freiheit aus. Bei den bekannten „inneren Werten“ von Menschen, denen wir vertrauen, deren Humor wir schätzen oder bei denen wir uns in Sicherheit wägen. Ja auch hier finde ich den Materialitätsbezug offensichtlich. Denn prahlen wir nicht auch mal mit dem lustigen Freund, mit dem es immer Spaß macht, unterwegs zu sein – ein menschliches Statussymbol, dessen Schein uns mitnimmt und von der Seite anleuchtet? Oder das Vertrauen: wir „gewinnen“ es mit Taten, wir „verlieren“ es durch Handlungen, wir „nutzen“ es oder „bauen es auf“… ähm, ja. Hallo, Bruder Materialismus!
Na und wie verhält es sich mit Sicherheit? Safer Sex – ein Paradebeispiel, wo „Inneres“ und „Äußeres“ einander begegnen. Sicherheit spielt im Alltag beinahe ÜBERALL eine Rolle. Und niemand wird sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, dass Sicherheit ein rein geistiges, immaterielles Etwas ist, was nur im Reich der Gefühle herumspukt? Widersprüche sind willkommen.
– – –
Aber das soll, NOCHMAL, keine Materialismuskritik werden. Ganz im Gegenteil. Ich möchte meine Sicht der DINGE mit euch teilen:

Ich liebe Menschenkörper. Solche, die ICH als ästhetisch empfinde. Vor allem sind das Frauenkörper, die wohlproportioniert und vielleicht ein bisschen in den Mainstream der DaVinci-Maße passen. Ich bin mir dessen bewusst, dass es ein Ausgrenzungsprozess ist, der manche einschließt und manche eben aus. Aber ich bin auch nur ein Mensch und ich bin im Stande, diese Aussagen meinerseits zu reflektieren und habe damit auch nichts „Böses“ vor. Es ist nun mal so: mir gefallen Körper, die in ihren Proportionen „stimmig“ sind. Für MICH. Und Ende. Wir alle haben sicherlich unseren Geschmack. Das heißt aber nicht, dass die anderen weniger Wert haben. Sie sind nur eben auf der Attraktivitätsskala nicht an derselben Stelle. Zumal ich ohnehin ziemlich heterosexuell ausgerichtet bin – ohne auch hier zu exklusiv werden zu wollen ;).
Okay, zurück zum Wesentlichen: die Körper, an denen mein Blick haften bleibt. Nicht nur Frauenkörper schaffen das. Männer, die zugegebenermaßen ein bisschen „feminin“ sind, sprechen mich ebenso an. Nicht in ihrer Statur, sondern was z.B. ihre Körperbehaarung angeht, ihren Ausdruck, ihren Geruch und so weiter. Feminin ganz klar in ANFÜHRUNGZEICHEN! Denn ich empfinde sie nicht als „weiblich“ oder „fraulich“ oder oder… Das tut die Gesellschaft und leider bin ich hier und jetzt auf unsere geliebt-gehasste Sprache zurückzugreifen, die nun mal ein beschränktes Vokabular bietet. Bitte verzeiht! Liebe Männer, liebe Frauen, liebe * und liebe _! Bitte, bitte!

Diese Körper, eure und unsere, die ich schön finde, haben allerdings für mich ein großes Manko. Sie sind meist real. Und mit real meine ich materiell. Und mit materiell meine ich, sie sind meistens da, sie stehen neben mir in der Bahn, sie laufen vorbei oder sitzen an einem Tisch mit mir. Im schlimmsten Fall schweifen sie mich, berühren meinen Arm oder quetschen mich in der U-Bahn zwischen sich ein. Meine Alarmglocken läuten dann so laut in meinem Kopf, dass ich häufig schweißgebadet und mit pochendem Kopf hinausrenne und versuche, mich von dem Körperkontakt freizuschütteln.
Krank? Psycho? Wer weiß das schon. Es ist meine Erfahrung.
Nichtsdestotrotz liebe ich Körper. Ein Dilemma? Ich kann Körper wunderschön, berauschend, explosiv und überwältigend finden. Sie in meiner Nähe zu spüren, löst in mir dennoch Unbehagen aus.
Ich finde mich in dem Zwiespalt wieder, der sich am besten mit dem Visuellen darstellen lässt. Auf Fotos, auf Bildern finde ich Körper genau so, wie ich es beschrieben habe. Manchmal kann ich ein solches Bild minutenlang anstarren und jedes Detail immer wieder neu analysieren. Wie die Fingen sich in der Halbfaust biegen, wie sich die Sehnen am Hals zeigen, wenn sie zur Seite blickt, wie der Hosenbund gerade noch so fest geschnallt ist, damit nichts rutscht aber auch nichts einengt… Und solche Details, die nicht durch Worte zu erfassen sind: Härchen, Wimpern, Strähnchen, Nägel, Sichtbares und Angedeutetes… Körper sind wunderbar!
Wunderbar auf Papier. In Zeitschriften, online in s/w oder Farbe, inszeniert oder lebensecht, zielorientiert oder der freien Interpretation überlassen…
Ich sehe mir diese Bilder an und denke dabei oft das kurze Wörtchen WOW! Ich bin begeistert und angetan. Manchmal emotionale aufgewühlt, weil bestimmte Posen und Haltungen, Gesten und Mimiken etwas in mir auslösen. Aber live? No way!
Ich finde zum Beispiel Haare per se schrecklich. Haare, vor allem lange, sind eher abstoßend für mich. Nicht umsonst habe ich selbst mich bewusst für eine kürzere Version entschlossen. Denn dieser Ekel erstreckt sich auch auf meine – wenn auch dünnen, hellen – eigenen Haupthaare.
Haare auf Beinen, Brust oder an sonstigen Körperregionen machen mir Angst. Diese Ablehnung der materiellen (ergo: „anfassbaren“) Haare verfolgt mich bereits seit früher Kindheit und ist nachweislich kein Mitt-Zwanziger-Tick :P.

Soo, Haare sind bei weitem nicht die einzige Eigenschaft von lebenden Körpern, die mich eher abstößt, denn anzieht: Körperfunktionen, wie Eigengeruch, wie Nägelwachstum, wie Klamotten, die immer nicht ganz so frisch zu sein scheinen, wie Fotos es suggerieren. Oder die Haut mit ihrer Talgproduktion, die Schuhe, bei denen ich mich fragen muss, was sich drin befindet? Uff, wenn ich das jetzt aufzähle, finde ich mich ja selbst nicht mehr ganz knusper…
Aber ich hoffe, das zeigt worauf ich hinaus will: die ENORME Differenz zwischen der visuellen Darstellung und Ästhetik von Körpern und deren materieller Präsenz.
Genau solche Gedanken überkommen mich in den unterschiedlichsten Situationen. Am krassesten ist wohl das bekannte Beispiel, wenn ein geliebter Körper plötzlich anfängt zur Routine zu werden. Es wird zur täglichen Normalität und offenbart mit jedem heranbrechenden Tag mehr und mehr seiner normalen Eigenschaften. Das, was vorher ganz in Ordnung war und zu übersehen war, wird deutlich. Und deutlich heißt für mich nicht einfach akzeptabel oder tolerierbar. Ganz im Gegenteil: es wird abstoßend und ich würde diesen Körper am liebsten auf ein Bild verbannen, wo er konserviert wird und mich nicht mehr mit seinem Funktionieren belastet.
Sich kräuselnde Beinhaare – ahhh!! Schweißperlen auf der Stirn, die sich an die meine lehnt – hilfeee!!!

So geht es dann weiter und weiter. Naja, eigentlich geht es nicht weiter. Denn dann – und SPÄTESTENS DANN – ist alle Liebe vorbei. Sie ist es im Grunde vorher, denn wenn sich meine Augen dafür für aufnahmefähig erweisen, ist das ein sicheres Zeichen, dass der Hormoncocktail nachlässt.

Das ist nicht fair, ich weiß das. Und wenn sich jemand fragt, wie es sich mit meinem eigenen Körper verhält, der/dem sage ich: ähnlich! Nur ist unser Körper zu aller erst dafür da, um uns Bewegung und Aktion zu ermöglichen, wofür ich meinen vordergründig nutze. Und meine Vorliebe für Körperästhetik oder besser gesagt für ästhetische Körper, bezieht sich nicht auf Körper, die dem meinen ähneln. Es ist fast umgekehrt. Doch dazu vielleicht in einem der kommenden Posts mehr.

Das Ganze abrunden lässt sich durch den Ursprungstitel dieses Beitrags: vom Sehen und (nicht) anfassen Wollen. Ist das ein Widerspruch? Vielleicht. Ist er real möglich, JA! Ist er legitim? Wer weiß.

You shall decide on your own.

❤ KF