Du siehst gar nicht so aus…

…wie eine, die sich mit Frauenförderung und Gleichstellungsfragen beschäftigt!

Es ist einer dieser Tage. Einer dieser Fälle. Einer dieser Männer.

Erfolgreich, selbstbewusst und migrationsfrei.

Ich habe es allein meiner Dating-Neugier und wissenschaftlichen Reflexions-Gelüsten zu verdanken, dass ich Sätze, wie oben, zu hören bekomme. Denn eigentlich und im tiefsten Abgrund meines Herzens habe ich überhaupt kein Interesse an einer Beziehungsanbahnung. Und für beziehungslose, ungezogene Kurzbindungen brauche ich nicht die Mühe der Konversation. Das geht auch anders.

Da ich aber ein Herz für klischeebehaftete, sich gern mal selbst überschätzende Typen habe, erlebe ich diese unfeministischen Situationen. Für mich amüsant, für die Jungs ziemlich verstörend. Oder: überraschend!

Mittlerweise bin ich mir dessen bewusst – und sicherlich auch viele von EUCH – dass mein Äußeres zum Unterschätzen anregt. Besonders wenn es ums männliche Klientel geht, das ein paar Jährchen mehr auf dem Lebenskonto hat. Motto: „Die süße Blonde“. Tja, diese süße Blonde macht sich gern den Widerspiegelungs-Spaß und sagt zu. Wenn ihr fragt, kommt sie gern. Sie ist höflich und nett. Sie lässt es zu, dass ihr mit Sätzen, wie oben, an sie herantretet. Und dann: BÄM! Leider falsch geschätzt!

Ich habe es oft geschrieben, gesagt und gepredigt: ich will nicht bekehren! Ich begebe mich lediglich gern in Situationen, wo ich auf genau dieses berühmte Überraschungsmoment setzen kann. Mit Menschen, von denen ich vorher schon zu 99% weiß, dass sie nicht viel mit Feminismus und Frauenpower am Hut haben. Und weil ich nicht gern sofort auf stur schalte, sondern das Interesse und die Sympathie mir gegenüber anvisiere und sie hinterher nutze – zugunsten der Emanzipation und geistigen Spektrum-Erweiterung.

Dieses Mal sammelte ich die imaginären flirty „Pluspunkte“ im offenen Smalltalk. Keine Heuchelei, keine unnötigen Geheimnisse. Ich setze nicht gerne auf die femme-fatale-Karte. Ich bin einfach nur freundlich. Warum auch nicht? Schließlich gibt’s nicht gleich Grund fürs teasing und negging. Und irgendwann kommt der Moment, an dem sich mein Gegenüber so sicher fühlt, dass er diesen berühmten Fassungslos-Look anlegt: „Du bist Feministin? Das sieht man dir überhaupt nicht an. So wie du hier dasitzt und sprichst.“
Was genau ihn zum detektivischen Profi macht, der anhand von meinem Lachen, Erzählen, meinem casual Look, meiner Gestik (??) genau zu erkennen meint, dass ich „nicht feministisch“ aussehe – ich weiß es nicht.

Es steht wohl außer Frage, dass das „feministische Bild“ im Kopf dieses Manns ein völlig abstruses, von mir abweichendes sein muss. Und auch, dass mein „Outing“ nicht in dieses Bild passt. Und genau dieser Bruch ist mein Ziel. Eine Strategie. Nicht zum Täuschen oder Betrügen. Nein, ich möchte am köpfischen Klischeebild rütteln. Jetzt weiß ich: ich kann das! Ihr könnt das! Alle!! Es sind kleine Nuancen. Nutzt sie! Es gibt Menschen, die (so vorurteilsvoll die erst auch sein mögen) Sympathien für Euch hegen. Klar, kann man mit dem Vorschlaghammer durch die misogyne Wand. Oder, wir kehren es um. Wir setzen unsere Stärken ein, die uns als Frauen* ohnehin schon zugeschrieben werden. Natürlich nicht nur als Frauen – als die Person, die wir zu sein scheinen und als die wir gesehen und bewertet werden.

Ich kann nicht sagen, ob ich mich mit meiner scheinbar harmlosen Ausstrahlung abgefunden habe. Vielleicht färb ich mir einst meine Haare dunkler und spiele mit stilistischen Images. Des Experimentes wegen.
Vorerst nutze ich meine vermeintliche „kleine, süße“ Schwäche FÜR mich, FÜR Feminismus und FÜR die Intervention.

Ja, ich habe so viel Zeit und ja, ich will das und denke auch darüber nach. Es ist nicht nur Friede und Freude – es ist meine tiefgründigste Überzeugung, für die ich hier einstehe. Und nebenbei teile ich meine Gedanken mit Menschen, die sonst am Stammtisch am lautesten schreien (über die eine, die man sich klar gemacht hat oder die andere, die so klammert…). Heterosexuelle Matrix – what else?!

Ob mein Feminismus-Geständnis für eine schlagartige Flucht sorgte? Nein! Ganz im Gegenteil – es droht vielleicht sogar Fortsetzung :). Er weiß (mit all seinem büropausenpsychologischen Wissen) einfach noch nicht, dass mich keinerlei sexuelles Interesse antreibt. Und wenn er es erfährt, enden die Treffen. Bis dahin habe ich viel geteilt, viel verbreitet und vielleicht angeregt – im platonischen Sinne!

Do it! Arrogante Abfuhr kann jede_r! Warum nicht unser Potenzial nutzen, sammeln, bündeln und kanalisieren? Der Hammer kann auch später noch zum Einsatz kommen, für destruktives  Wändeeinreißen.

❤ KF

Advertisements

Göttinnen der Meere

Sie treiben auf dem Wasser um abzutreiben. Plakativ, aber treffend. Als Göttinnen, als Engel nehme nicht nur ich die Frauen rund um die Holländerin Rebecca Gomperts.
Ihr Aktivismus ist provokativ, innovativ und demonstrativ. Auf einem Schiff fahren die Frauen raus aufs Meer, in rechtsfreie Zonen, wo sie Frauen die Abtreibungspille(n) verabreichen. Frauen, die verzweifelt sind. Frauen, die in Ländern leben, wo Abreibungen illegal sind.

1412792178

Vessel = Schiff, Kessel, Behälter, Gefäß.

Vessel wirkt lange nach. Das Bild des „Abtreibungsschiffes“ verschwimmt zum Bild des mütterlichen Bauches, dem Gefäß des Lebens und doch ein leerer Behälter.
Als Engel, ja fast Madonnen werden die Aktivistinnen von Frauen aus der ganzen Welt per Port und Mail angefleht.

Für Gegner_innen (und nein, nicht nur in ultrakonservativen Teilen dieser Erde) sind die Feministinnen Todesengel. Sirenen, die Unheil bringen. Mörderinnen. Verbrecherinnen.
Natürlich gibt es das eine oder andere Klischee. Saudi-Arabien, wo Frauen zum Teil nicht ohne männliche Begleitung und unverhüllt in die Öffentlichkeit dürfen, ist ein solches. Ausschließlich Männer, die die Vessel-Frauen in die Enge treiben, fast übergriffartig mit Schildern und Geschrei gegen die Abreibungen protestieren.
Aber Irland, Portugal, Polen…

Rebecca traut sich in Portugal sogar ins Fernsehen. Sie legt sich mit allen an. Mit ihren Kolleg_innen schult sie andere Frauen* und Aktivist_innen. Sie bringt ihnen bei, dass das Herbeiführen einer Abstoßung durch bestimmte Medikamente möglich ist, die frei im jeweiligen Land in Apotheken zu haben sind. Und das ohne jeglichen Verdacht. Sie erklären, wie ungewollt Schwangere die Pillen zu nehmen haben – bis zu 20 Stück in 3-Stunden-Intervallen. Sie beruhigen: Ärzte könnten im Nachhinein nicht nachvollziehen, ob es eine „reguläre“ unerwartete Fehlgeburt war oder nicht.

Als Feministin ist für mich immer schon klar: ich bin ABSOLUT und ohne FRAGE  für die Legalisierung von Abtreibungen! Ohne WENN und ohne ABER.
Aber nach Vessel kommen sie wieder, diese ewigen Fragen: geht Feminismus auch in Pro-Life-Version? Ist Pro-Choice die einzige Option? Geht beides? Und wo ist dann die Kirche, Religion und Emanzipation? Schweeeeeere Kost.
… [an dieser Stelle erspare ich mein Gedanken-Ping-Pong und komme zum Ergebnis]
Feminismus ist pro-Frau, davon gehe ich einfach mal aus. Auch pro-Mann und pro-EveryBODY. Und somit ist Feminismus auch für die Entscheidungsfreiheit über den eigenen Körper. Ob Trans*, Inter* oder „just for fun“-Beauty-OP: jede_r darf, soll, kann selbst über sich verfügen. Das Leben im Körper einer Frau* ist zunächst und an allererster Stelle ein Teil IHRES Körpers und SIE darf darüber verfügen.
Von den Kindern die durch Vergewaltigungen und andere gewaltvolle Übergriffe entstehen ganz zu schweigen. Bei vielen Themenbereichen ist die „Mein Feminismus, Dein Feminismus“ für mich nicht nachvollziehbar – je mehr, desto besser! Aber Abtreibungen: there’s just one right way! Für Ideologiekritik stehe ich gern zur Verfügung. Ich weiß, dass es sehr viel Gegenwind gibt – nicht erst seit Vessel!

Nun. Leider kamen die Vessel-Frauen nicht bis nach Russland. Und da ich das russische Blut in meinen Adern fließen höre, lief mir ein kalter Schauer über den Rücken bei dem Gedanken. Ich begann die Recherche.

Hier ein paar Fakten über das heutige „liberale“ MÜTTERCHEN Russland:

– seit den 50ern waren Abreibungen quasi legal. Die Frauen unserer Müttergeneration hatten fast alle (die ich kenne) mindestens eine Abtreibung – Sowjetsystem sei Dank! Scheinbar war die produktiv arbeitende Frau wichtiger als eine, die „andauernd“ be- und verhindert ist durch Schwangerschaft und Erziehung… ich nehme mir mal eben kurz das Recht auf Wertung.

– wie man und frau und noch viel stärker alle dazwischen merken, ist Russland nicht gerade weltoffener geworden seit 1991. Es heißt, nach Zusammenbruch der UdSSR war es vorbei mit der Erlaubnis. Und dann kam auch die ominöse Staat-Kirche-Liaison. Die Aktivist_innen der Pro-Choice-Fraktion sind zwar auch in Russland und auch heute laut, aber sie haben es schwer. Das strenge Mütterchen Russland mag es gar nicht dulden, wenn es emanzipatorischen Protest und unzufriedene Bürger_innen auf die Straßen ihrer Städte treibt. Und Väterchen Putins Ego wird auch angekratzt! Nein, nein, nein. Böser Feminismus (aus dem Westen). Es ist ja so: was irgendwie queer, emanzipiert, kreativ daherkommt, hat sich damit im Westen angesteckt. Diese Deutung hat nicht nur Russland für sich gepachtet, es gibt ein paar andere, die uns hier (ja, ich schließe mich ein) als traditions-gefährdende unsittliche Produzent_innen (des Wissens) sehen. Ein bisschen schäme ich mich ja, aber es ist noch nicht alles verloren…

Und sonst?
Schaut Euch Vessel an! Echt! www.womenonwaves.org

Was ich gelernt hab (Spoiler-artigkeit):

– Abtreibung geht echt länger als ich mir vorgestellt hab mit Pillen – 2!
– die Liste mit den Pillen, die den nötigen Wirkstoff haben ist LANG! Die Namen unterscheiden sich, aber es ist nur eine Frage der Kenntnis, einen Abbruch der Schwangerschaft herbeizuführen! Wow!!
– trotzdem: so eine Abstoßung ist kein ‚Kinderspiel‘ (verzeiht mir den makabren Vergleich), Krämpfe, Fieber, starke Blutungen, Übelkeit uns mehr davon
– u.a. durch das Engagement der Women on Waves wurde in Portugal das Abtreibungsgesetz gelockert
– in einigen afrikanischen, europäischen, südamerikanischen und asiatischen Ländern wurden viele Multiplikator_innen von den Women on Waves gecoacht; Beratungsstellen wurden eingerichtet, die ungewollt Schwangeren die nötigen Infos zu den Abtreibungspillen erteilen
à Informationen „verteilen“ ist in den meisten Ländern nicht verboten und der Akt an sich – solange er nicht öffentlich wird – bleibt nur der Schwangeren bekannt…

Für mich bleiben die Women on Waves, wie sich die Aktivist_innen nennen, Göttinnen, Engel und Madonnen. Für atheistische und säkulare Leser_innen: Retterinnen, Helfer_innen, Freund_innen.
Was diese (wenigen) Frauen weltweit in wenigen Jahren bewegt haben, ist unglaublich. Umso mehr verstehe ich, dass es so manche Medien und Gegner_innen nur zu gern verbergen würden. Abtreibung bleibt ein heikles Thema, auch in Deutschland (wo sie btw auch illegal ist, aber nicht bestraft wird, weshalb jede Frau*, die abtreibt, kriminell ist…ich liebe ja das Rechtssystem).

Feminist_innen verbündet Euch: Pro-Choice! Immerhin war das WAHLRECHT eine der ersten und bedeutendsten Errungenschaften von feministischem Engagement. Die WAHLmöglichkeit muss es auch bei Abtreibungen geben!


KF

Willenlos? Was will der bloß? PUA-Vorurteile, Misogynie und andere Verwirrungen

Julien Blanc. Wem der Name in diesen Tagen nichts sagt, hier ein kurzer Steckbrief: Pickup-Artist, in seinen Kreisen kein unbekannter, „Verführungskünstler“, Coach. Und seit Neustem auch Hass-Objekt der feministisch-aktivistischen Community. Julien tourt schon das ganze Jahr durch die Welt (war u.a. auch in Europa unterwegs; München, Amsterdam, Zürich…) und versammelt in jeder Großstadt, in der er Station macht, hunderte von Anhängern. Die zahlen 3000 Dollar/Euro um dem Mann zu lauschen, der vermeintlich jede Frau „rumkriegt“ und seine Methode jedem Willigen beibringen kann. Für das gewisse Kleingeld.
Nun, dabei bleibt es nicht. Julien lässt des Öfteren Parolen a la „… and you will rape them all“ verlauten. Seine Strategie scheint in der besonders misogynen Interaktion zu liegen – ignorier sie, überfordere sie, hintergeh sie. Ab und an zeigt Julien in seinen Youtube-Videos in eindeutigen Bewegungen wie sich dieses Überrumpeln von fremden Frauen auf der Straße gestaltet.

Julien ist ein End-Zwanziger (würde ich schätzen), eigentlich ganz sympathisch und kann überzeugend sein. Das können viele. Vor allem diejenigen, die irgendeiner Coaching-Tätigkeit nachgehen.

Die Pickup-Szene wird schnell vorverurteilt: Frauenhasser, die jedes weibliche Wesen bis in die Haarspitzen zu erschüttern versuchen. Je schöner sie ist, desto tiefer soll sie fallen.

Kennen wir alles. Kenne ICH alles. Ich habe mich lange genug mit dem Konzept bzw. der Subkultur (und ich finde schon, dass die PUAs so bezeichnet werden dürfen) befasst, um auch sagen zu können: Juliens Mainstream-Botschaften orientieren sich durch und durch an THE GAME von Neil Strauss. Er war es, der als nerdiger Journalist die PUA-Szene eroberte und mit seinem Bestseller ein Zeichen setzte.
Aber nicht für Frauenhass. Nein, für einen Blickwinkelwechsel auf die scheinbar harten und unnahbaren PUAs. All sie waren und sind es manchmal immer noch, verletzliche zarte Blümchen, die von der Einen oder Anderen oder ihnen Allen etwas hart fallen gelassen wurden. Herzen wurden gebrochen, Hoffnungen zerstört. Ventile, die wir für die Verarbeitung finden, können sich unterscheiden, nicht wahr? Das heißt nicht, dass wir anfangen sollten, einander gegenseitig in den Boden zu trampeln. Und: nicht jeder PUA ist von Frauen auseinander genommen worden.

Manche versuchen ihre Liebe zu finden. Ihre – also die eine lebenslange, seelenverwandte Liebe. Ich denke mir das nicht aus – alles Originalvokabular aus den teils psychologisch, evolutionistisch oder soziologisch angereicherten Theorieansätzen der Subkultur-Jungs (meistens Jungs zumindest).

Ich schweife mal wieder ab. Die PUAs bringen mich öfters ins gedankliche Abseits, sorry.

Julien Blanc war also in Australien auf Welttournee und wurde promt von Aktivist_innen von #TakeDownJulienBlanc und der Polizei des Landes verwiesen. So einfach kann‘s manchmal gehen. Da aber schlechte PR besser ist als keine, feiert die PUA-Community ihren Meister nur noch mehr. Das kennt man doch eigentlich von den meisten provokanten Aktionen: Barbie-Dream-House in Berlin, Pussy Riot in der Kirche oder zwiespältigen sexistischen Werbeaktionen a la Tequila als „Dosen-Öffner“ oder „Polylike“ und ihr „Du willst es doch auch“ und und und …

Dabei geht alles ziemlich schnell: soziale Netzwerke machen es uns und ihnen leicht, Gleichgesinnte zu akquirieren.

Ich will auf keinen der Züge aufspringen, obschon ich das Engagement von #TakeDownJulienBlanc bewundere und ehre und achte!

Meine Gründe sind teils untermauert durch meine leichte Pro-Neigung und nicht die totale Ablehnung der PUAs. Clarisse Thorne schrieb das Buch „Confessions of a Pickup-Artist Chaser“, in der SIE, die Feministin, die PUAs „jagt“. Sie trifft viele der Großen und führt sehr offensive und durchaus feministisch zu vereinbarende Gespräche. Sex-positiv ist wahrscheinlich der gemeinsame Nenner, den Clarisse mit den PUAs findet.
Auch THE GAME lese ich gern. Es gibt dort so viel zu entdecken: menschliche Ups und Downs, Liebe, Hass und Intrigen. Geschlechterstudien at their best. Ich bin durchaus in der Lage misogyne Passagen reflektiert zu lesen und sie zu deuten. Den Frauenhass per se habe ich nie allein stehen sehen.

Auch Julien ist – abgesehen von seinen ab und an entgleisenden Aussagen und Schemata – ist aktivistisch unterwegs. Er ermutigt schüchterne, enttäuschte und unwissende Männer, auf Frauen zuzugehen, sie anzusprechen und Selbstbewusstsein zu tanken. JA, es geschieht manchmal auf etwas aggressive Weise und JA, er sieht sich als DEN BESTEN überhaupt (anders würden nicht so viele zu seinen Vorstellungen kommen). Das PUA-Geschäft lebt nun einmal davon, dass „Erfolge“ offen präsentiert werden.

Aber zur „Vergewaltigung“ hat er nicht aufgerufen. Und: Liebe, Ehe, Tradition spielen auch eine Rolle.
Jeder kann jedes mögliche Ziel verfolgen. Kinder und Familie gründen wollen und nicht jede Erstbeste auf der Straße in seine „Höhle“ schleppen. Evolution ist halt DAS TOP-Thema der PUAs.
Mit sprachlich-manipulativen Spielchen, wie dem NLP, versucht es auch Julien auf seine Anhänger Einfluss zu nehmen. Z.B. wiederholt er Phrasen und Wortfolgen in Videos und Vorträgen, unterstreicht Worte mit gezielter Gestik und rundet das perfekt-überzeugende Bild von sich als Meister ab. Ich mag ihn irgendwie. Ich finde ihn spannend, als Mensch, als Untersuchungsobjekt. Ich objektifiziere jetzt einfach mal auch.

Und seien wir ehrlich: Frauen werden auf jedem zweiten Plakat zum Sex-Objekt. Ihre Körper dienen als Projektionsfläche für Schokolade, Bier oder Hustenbonbon. In Küchen und Bädern des Möbelkatalogs sind hübsche Frauen ein Muss – am besten halbnackt und jung.

Glaubt man und frau da tatsächlich, dass die paar PUAs noch mehr am Selbstwert der Heute-Frauen rütteln können? Viele Feminist*innen regen sich im Netz auf. Frauen schreiben verzweifelt, von einem PUA aufs Korn genommen worden zu sein. Nach der ersten Nacht war es vorbei. Die brutalen Aufrissmaschen würden traumatisieren…

Ich mache mich nicht lustig. Ich bin nur ironisch. Natürlich fühle ich auch mit, mit all den herzgebrochenen Verlassenen, Betrogenen und Hintergangenen.

Aber dafür braucht es nicht immer einen Pickup-Artist. Das können auch „Normalos“. Und: ihr könnt das auch. Es ist eine Einbahnstraße, Gefühle zu verletzen und Träume zu zerstören. Denkt einmal zurück: gab es nicht schon mal den Kerl, der euch sehr gern hatte. Für euch war er nur Freund oder schlimmer – nicht einmal das?

Am SCHLIMMSTEN ist für mich das allgemeine VICTIMIZING, das bei all dem vor sich geht.

1. Von Frauen, die sich über die PUAs und deren „Faxen“ beklagen und sich zu einem Opfer stilisieren.

2. Von Kritiker*innen, die die PUA-Maschen verteufeln und meinen, Frauen würden dadurch zu Objekten und persönlichkeitsleeren Gefäßen – sprich: zu passiven Opfern.

Und genau dieses zu Opfern-machen, die Tat- und Ratlosigkeit von Frauen, ihre passive Art werden hier doch nur als Stereotype noch mehr bestätigt!
Wer sagt, dass SIE sich dem PUA hingeben muss? Wer sagt, dass ER sie zu etwas ZWINGT? Ja, etwas arrogant können die Jungs schon mal daherkommen. Und ja, sie können SIE ignorieren, sie mit „Spielchen“ in Schach halten und sozusagen nicht ruhig schlafen zu lassen – genau wie jeder Mann, jede Freundin, jede Schwester oder Mutter. Der ganz normale Sozial-Wahnsinn, der Alltag und das Leben.

Ich plädiere selbst für gegenseitigen Respekt, für Ehrlichkeit und Solidarität – transdisziplinär und –geschlechtlich. Vielleicht würden das nicht alle PUAs unterschreiben, aber durchaus einige.

Und Mädels – wir sind doch nicht passiv?! Wir wissen doch, was wir wollen: ein Abenteuer ist auch mit einem PUA noch eins. Pickup-Artisterie ist eine „Pseudo-kunst“, die nichts gegen Euren Willen tut oder Euch willenlos. Ihr habt immer etwas zu sagen und wenn ihr schon mal was von solchen Männern gehört habt, dann reicht es auch, dass ihr es im Kopf behaltet. Nicht jeder potenzielle „Pickupper“ ist gut und letzten Endes hat jeder auch eine Persönlichkeit, einen Charakter. Selbst der beste PUA-Guru wird nicht immer seinen „Kern“ verbergen können. Wen’s interessiert, kann sich mal mit Mystery’s Geschichte beschäftigen (Spoiler: wie ich schon sagte: zarte Blümchen).

Also:

Aktivismus JA!
Feminist*innen vereint JA!
Pickup-Hass als Antwort auf deren „Frauenhass“ naajaaa… es war noch nie gut, das eine Übel mit einem größeren ausmerzen zu wollen.

Übrigens: Pickup-Artists können auch Feministen (-EN!) sein! Links, sex-positiv und frauen-hochachtungsvoll-liebend. Vielleicht schon mal zu sehr 😉 – Kategorien sind da, um infrage gestellt zu werden!

❤ KF

Women against Feminism? Cats are confused…

cat woman beauty

Weil sich nun die halbe Internet-Welt darüber auslässt, fühle ich das Kribbeln auch in meinen Fingern.
Der Blog, der in aller Munde ist, zeigt Frauen, wie stolz selbstgeschrieben Schilder hochhalten, auf denen sie ihre anti-feministische Gesinnung kundtun.
Da stehen dann Dinge wie „Ich brauche keinen Feminismus, weil ich an Gleichberechtigung glaube“ oder (einer meiner Lieblingssprüche) „Ich brauche keinen Feminismus, weil ich kein Opfer bin“…

Wenn sich jemand beim Nicken ertappt – das ist nachvollziehbar und DOCH herrscht Klärungsbedarf. Denn die meisten dieser Aussagen von den Frauen in diesem Blog ließen sich genauso gut auch feministisch-zugewandt formulieren.

Ich bin ebenfalls kein Opfer, und doch brauche ich Feminismus!

Ich glaube fester als an alles auf dieser Welt und jenseits, dass eine Gleichberechtigung möglich ist, und GERADE DARUM brauche ich Feminismus.

Und? Schon überzeugt?

In meiner feministisch-überzeugten Art kann ich diese Frauen durchaus verstehen. Neulich las ich einen Artikel einer Feministin. Sie sagte, früher in ihrer Jugend würde sie sich nie als Feministin bezeichnen, weil sie wollte, dass Jungs sie mögen. Trotzdem setzte sie sich zu Hause dafür ein, dass sie und ihre Schwester dieselben Rechte und Pflichten hatten wie ihr Bruder.
Erst mit dem Einblick und der Erkenntnis, dass es nicht um die Ablehnung von Männern o. Ä. geht, sondern um vieeeeel komplexere Strukturen, „labelte“ sie sich um!

Immer und immer wieder kann ich nur wiederholen: die patriarchal angeordnete Gesellschaft betrifft uns alle, die wir in ihr leben. Männer in deren Rollen haben mindestens genauso viele Probleme wie Frauen. Allerdings ist es ein „Anders“, ein ungleich verteiltes „Anders“.
Und in diesem „Anders“ werden Frauen auf andere Weise wahrgenommen als Männer. Was OK ist, und KEIN GRUND für Herabstufung bzw. Emporhebung.

Und für diese EINEBNUNG von Geschlechterhierarchien stehe ich als Feministin ein. Dabei hat es nichts mit Frust, Aggression oder Männerhass zu tun. Es gibt solche und solche Individuen, denen ich am liebsten ein heißes Feminismus-Bad verschreiben würde. Doch das Belehren, das Bekehren und Umkehren von Meinungen ist nicht meine Aufgabe und vielleicht wäre ich allein dafür nicht stark genug.
Meine Aufgabe sehe ich – wie viele von uns Feminismus-Freund_innen – im Darstellen, Erklären und Offenlegen. Auch das Umdeuten und Plausibel-machen könnten solche kleinen Ziele sein.

Ein Opfer bin ich darum nicht. Aber ich werde auf eine andere Weise zum Opfer gemacht, als z. B. meine männlichen Gegenüber. Und würde ich mich als Opfer beschreiben, wäre ich als Opfer ein anderes, als es ein Mann wäre.

Nun; wäre, hätte, könnte, sollte…

Einen Punkt möchte ich hinzufügen: Feminismus ist ein dynamischer Prozess. Er bleibt nicht derselbe und verändert sich mit uns allen.
Eine Revolutionierung des Begriffs, wie es in einer kürzlich stattgefundenen Diskussion anklang, ist bereits in vollem Gange!
Wir, die heutige Generation von Frauen, haben zum Feminismus gefunden, obwohl uns von allen Seiten zugerufen wird „Ihr habt doch schon alles, was ihr wolltet!“

Das ist doch Indiz genug, dass Feminismus nicht wegzudenken ist! Er muss gehegt, gepflegt und vor allem richtig gedeutet werden, damit auch die, die sich vom Opfer-Frauchen-Dasein distanzieren, etwas damit anfangen können.

Mit den vielen Benachteiligungen von Frauen im intersektionalen Kontext (a la „black“ „female“, „poor“ etc.) fange ich gar nicht erst an…

By the way: viel witziger ist da die Seite der Confused Cats against Feminism 😉

❤ KF