Eine kleine, interdependente Liebesrefexion zum Muttertag

Es ist Liebe! Liebe, so hilflos, hoffnungsvoll, so zart, so fragil und dünnhäutig. Sie ist es. Die alte Bekannte, die, die einst so schnell und unbemerkt verschwand, so dass ich sie nachträglich zum Teufel jagte. Verflucht sei sie, die erst jene wunderbare Süße auf hitze-entflammten Lippen hinterließ, und später jeden Geschmackssinn betäubte, floh, verriet; mich verriet, uns verriet. 

Sie hatte mich gehört, so dachte ich. Und jetzt verkroch sie sich oder infizierte andere. 

Um mich sollte sie einen Bogen machen, das war mein Mantra. Ganz – weiten – Bogen. Aber am Ende war ich es, die Bögen und Kreise um Gelegenheiten, Chancen, Offerten machte. 

Immer kühler werdend, immer überzeugter, dass ich es nicht mehr erlebe. Dass ich mich nicht mit ihr versöhne, ver-töchtere? 

Und plötzlich ist alles ganz anders, verworfen die Pessimismen der letzten Jahre. Sie hatte immer etwas Mütterliches: sie verzieh mir einst, und nun tut sie es wieder. Ohne Fragen, ohne meine Reue abzuwarten, ohne den geringsten Zweifel, dass ich es wert bin, dass das Wir es wert ist.

So, wie es nur Mütter können. 

Alles gebend, tröstend, wärmend.. 

Mutter. Liebe. Mutterliebe. 

Ich bin dankbar. Dass Du es immer wieder versuchst mit mir. 

Ich bin dankbar für dieses erfüllende, feuerrote, verrückte Gefühl einem Menschen gegenüber, der, so scheint es, auch ein alter Bekannter von Dir ist.

Alles wird leicht in all seiner Komplexität. 

Danke 
KF

❤ ❤

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Maske, Liebe, Schafspelz.

Kann man einen Menschen lieben als ein Individuum, das von allem abgekoppelt ist, nicht aber im Verhältnis zu einer selbst?Solche Fragen beantworte ich immer mit einem Ja. Theoretisch. Oder als Rat für eine Freundin. You go girl, sag ich dann immer. Alles, was du halbwegs vertreten kannst und (!) was sich gut anfühlt, all das ist erlaubt. Warum auch nicht. Ich würde mir nie herausnehmen Liebe im Allgemeinen zu definieren. Oder noch schlimmer: abzugrenzen. 

Jetzt stehe ich vor dieser Frage an mich selbst. Ich brauche kein ja oder nein. Ich brauche Gewissheit, dass das nicht etwas als Liebe Getarntes ist. Pseudoliebe im Schafspelz. Etwas Autoaggressives, Selbstverletzendes, das sich geschickt maskiert..

Ich neige ab und zu, und manchmal öfter, dazu, mich selbst zu kasteien. Indem ich Situationen aushalte, bestrafe ich mich einerseits selbst und andererseits rufe ich einen ziemlich seltsame Selbststolz hervor: du hast es überstanden und hast nicht die Beherrschung verloren. 

So, wie ich es hier oft beschreibe: da ist immer noch das kleine Mädchen in mir, das die strafenden Worte der Familie hört, es solle sich gefälligst zusammenreißen, leise, höflich, unauffällig sein. Wer sollte es sonst gern haben, ertragen, begehren?

Heute sind mir alle Zusammenhänge klar. Das Bild der hörigen Frau mag antiquiert wirken, wenn man es so einfach voraussetzt. Ich bekenne mich nicht dazu, ich wehre mich sogar. Wann immer ich kann spreche ich es aus: bitte erwartet von mir nicht das brave Weibchen. Traditionen, Institutionen wie Ehe, ja selbst klassisch-gestaltete Beziehungen sind nichts für mich. Ich verstehe auch den Hochzeitshype nicht – zumindest als Option für mich. 

Ich verstehe wohl, warum es zu diesem kommt und welche Strukturen (Spoileralarm: Kapitalismus z.B.) heute die Hochzeitsindustrie ankurbeln… 

Aber zurück zu meiner eigentlichen Verwirrung. 

Da ist also diese Person. An und für sich interessant, nicht schnell durchschaubar, sprunghaft und doch sehr konstant, stabil und labil im ständigen Wechsel. So viele Widersprüche treffen da aufeinander. Das macht es spannend, aber auch schwierig. Meine Neugier, diese Person durch und durch kennenzulernen, wird immer wieder ausgestochen von der Verzweiflung, es niemals zu schaffen. 

Es sind keine zwei Gesichter, es ist ein ein ganzes Duzend. 

So ganz anders als ich. Ich bin fasziniert und erzürnt. Gespräche verlaufen ins Nirvana. Wir scheinen absolut unterschiedliche Ebenen der Weltsicht zu bedienen. 

Im Grunde der Beginn einer holprigen und aufregenden Reise. Gemeinsam different. 

Aber! Und hier kommt wieder die Frage vom Anfang ins Spiel. 

Während das Individuelle dieser Person für sich wirkt, scheint das Verhältnis zu mir ein wesentlich enttäuschenderes zu sein. Ich liebe es nicht. Ich finde mich damit ab. Und das klingt nicht nur ein wenig erbärmlich, es fühlt sich dann auch so an. 

Ich versuche immer einen Zugang zu Nahestehenden zu finden, ihr Denken zu verstehen, es anzunehmen und – oh ja – sogar von ihnen zu lernen. Auch wenn sich meine Methoden, Denkmuster und Überzeugungen sich nur minimal ändern. Alles hat seine Berechtigung. Behandle andere so, wie du behandelt werden willst. Credo und Qual zugleich.

Dieser Devise würde die besagte Person sicher zustimmen. Vielleicht sogar behaupten, dass genau so gehandelt wird. Was bei mir ankommt, ist die ständige Ablehnung, Kritik und Abwertung von mir. Nicht im offensichtlichen Psychoterrorsinn. Nicht zwingend mit einem negativen Nachhall verbunden. Ich fühle mich gut. Ich versuche zu verstehen, einzuordnen, seiner Art Raum zu geben. Ich merke es an. Ich erkläre mich. Ich schaffe Klarheit. Und doch bleibt es, dieses Gefühl der Zuneigung zu der Person ohne mich. Als unverknüpft und ungebunden. 

Ich nehme an, dass es ‚geht‘, einen Menschen einfach so aufgrund von ihm selbst zu lieben, ihn zu schätzen und das Beste für ihn zu wollen. 

Wo aber bleibe ich? 

Und noch viel wesentlicher: macht es Sinn, nur die Person zu glorifizieren, anstatt die doch so einzigartige Verbindung zwischen zwei Fremden, sich Gefundenen? 

Ich lasse bewusst die Geschlechterdynamiken aus dem Spiel. Sie sind sowieso allgegenwärtig in meinen Überlegungen. 

Ich unterlasse auch den Beantwortungsversuch und schaue, wohin dieses Gefühls- und Beziehungsexperiment mich führt. Uns. 

Ja, uns, das passt besser. 

KF

Blümchen. Rüschchen. Widerstand!

Wenn ich irgendwo eine Schleife, eine Rüschenborte, Volants oben, unten, an Ärmeln, Kragen oder Taille sehe, könnte ich quieken. Vor Freude und Entzücken. Ich liebe das. Ich liebe diese hypermädchenhaften Kleider, die auch einer Porzellanpuppe im Schaufenster meiner puppenvernarrten Nachbarin stehen würden. Kleider, die kleinen Mädchen angezogen werden, um ein klares Zeichen zu setzen: dieses Kind ist weiblichen Geschlechts. Auch wenn die Flaumhaare das noch nicht so recht vermuten lassen.

Die perfekte Kombination, die mich dann komplett in den Kitsch-Wahnsinn treibt sind Muster: kleine Blümchen, große Blümchen, Spitzenapplikationen oder Vichy-Karos. Bubikragen und Trompetenärmel, ausgestellte Säume…

Wie sehr ich auch versucht habe, mir diese Hyper-Hyper-reaktion abzugewöhnen, ich bin kläglich gescheitert. Es scheint schon seit vielen Jahren in mir zu stecken. Nicht das Prinzessinnen-Dasein hatte es mir angetan, sondern die teils romantischen, teils hippie-esken Klamotten. Die Psychoanalyse möchte ich mir an dieser Stelle sparen. Das war schon Thema. Kindheit, bla bla, verpasste Chancen. Die Gründe sind jetzt Nebensache.

Warum also wieder dieses ewige Gerede um Blaming, Shaming etc.? Nun es war so: beim spontanen Online-(Nicht)-Shopping ertappte ich mich, wie ich innerlich dieses besagte Schweinchen-Rosa-Geräusch in mich hineinpresste. Ich musste wieder quieken. Da war er: dieser viktorianische Flower-Power-Traum von Kleid. Es hatte alles: Blümchen, Rüschen, Flatterrock. Ich nehme es vorweg, ich habe es nicht gekauft. Stattdessen schreibe ich. Denn als mein feministisches Engelsteufelchen mir zuflüsterte, es sei nicht so gut das zu tragen und Frauenkampf und Co auszurufen, flüsterte ich zurück: warum eigentlich nicht? Es wurde doch schon viel geschrieben und gesprochen von Zooey Deschanel und ihrer eindeutig feministischen Figur in New Girl, die wie keine andere diese nerdige Niedlichkeit verkörpert und dennoch oder gerade dadurch eine besondere Energie an den Tag legt. Zwischen Alltagsbewältigung und Beziehungskiste und Frauenpower. Ich habe all dem immer zugestimmt, ohne mich selbst in die Reihe dieser „neuen Mädchen“ zu stellen. Jetzt, erst jetzt, kommt in mir die Frage auf, warum eigentlich nicht? Die voreilige Antwort wäre, dass ich so gar nicht dem Typ Zooey entspreche. Null. Wie gesagt: das ist voreilig.

Vielleicht lag das Vereinbarkeitsproblem der beiden Bilder in jenen stereotypischen Ideen aus gar nicht so alten Zeiten. Ich erinnere mich nicht an den Ursprung, aber in diesen Quellen heißt es, Frauen würden enge Kleider oder hohe Schuhe nur deshalb tragen, weil diese Kleidung sie körperlich einschränkt, einschnürt und behindert. Nicht umsonst war es eine Revolution, als Frauen sich die Hosen aneigneten und damit ein ganz großes Stück Freiheit – geistig aber vor allem körperlich. Wahrscheinlich gelten Röcke deshalb als eine Art Rolle rückwärts. Auch wenn sie noch so süß sein mögen.

Damit soll mein innerer Dialog aber nicht enden. Ich bin bereit zuzugeben, dass diese Kleid=Lebenshindernis-Relation irgendwann so Anklang fand. Aber heute? Heute versuchen wir doch davon zu sprechen, dass eine Frau egal was tragen oder nicht tragen kann, ohne dann z.B. auf der Straße abgegriffen zu werden und gegen ihren Willen belästigt oder gar Schlimmeres. Weil Rock zu kurz, Lippen zu rot, Haare zu lang. Klar, nicht in allen Hirnen dieser Welt ist diese „neue Freiheit der Frauen“ angekommen. Doch festhalten an der Idee lohnt sich, wie ich finde. Zurück also zum Blümchen-Kleid-Dilemma. Ob diese Kleider, von denen ich anfing, für Jedermann (-frau wirklich nur in Klammern) als sexy gelten, trau ich mich nicht zu beurteilen. In meinen Augen sind sie es nicht explizit. Wobei ich die Pädo-Debatte ungeöffnet lasse. Ich sehe nicht aus wie ein Kleinkind, sodass die Verwirrung sich da hoffentlich in Grenzen halten müsste. Schränkt mich das Tragen eines solchen Kleides im Alltagsgeschehen ein? Ein wenig, wenn Wind weht, beide Hände voll sind und keine frei zum Rockfesthalten. Unangenehm, aber ansonsten Harmlos. Mir sind im Kleid auch keine Zäume im Weg. Rüberklettern – kein Problem. Seit Jahren habe ich die Sommertage in Jeansshorts bestritten und meine Kleider hängen lassen. Die Empirie zeigte, dass selbst bei kurzen (Hot) Pants Menschen weniger Aufmerksamkeit als bei längeren Kleidern aufbrachten. Ein Kleid ist ein Blickmagnet. Ob Frauen oder Männer, wenn ein Rock die Beine umspielt, scheint es etwas anderes zu geben, worauf die Leute achten. Zwischen Sichtbarkeit und Verstecken. Ein bisschen Geheimnis und ein bisschen Freizügigkeit. Die Erotik dieser Kleider will ich hier nicht ausbreiten, denn an die denke ich persönlich erst an zweiter oder dritter Stelle…

Vielleicht hatte ich einfach keine Lust mehr, diese Art der Aufmerksamkeit zu bekommen. Sehr wohl bekam ich zu hören, warum ich keine Kleider mehr trage? Kleider würden mir viel besser stehen. So what? Das sagte ich.

Und jetzt? Jetzt ist da dieses Aufflammen, diese Lust an den Rüschen, der Wunsch, mich in dieses niedliche kleine Ding zu schmeißen und süß zu sein. Für mich. Denn meine Freundinnen schlagen oft die Hände über ihren Köpfen zusammen und rollen ihre Augen: „Himmel! Wo hast du das denn her?“

Und Männer? Wenn mir jemand blöd kommt, herablassend oder respektlos, dann rufe ich ihm etwas von Frauenkampf und Co hinterher. Im Blümchenkleid. Mit Rüschen.

❤ KF

E ! G ! O !

Weibliches Ego. Männliches Ego.

Ich gebe zu, ich bin nicht frei von leicht klischeeangehauchtem Denken, wenn es um das zarte Ego von Ex-Partnern geht. Dabei teilen sich meine bisherigen Errungenschaften in zwei Kategorien: die, die immer noch nicht über das bittere Ende unserer Verbindung (oder über meine unmögliche Art) hinwegkommen. Und das meine ich nicht herablassend. Meist ist die Zeit, die ich meinen semi-monogamen Partnerschaften widme, eine bis aufs Äußerste intensive und auf die intimste Weise gespannte. Ich gebe alles von mir und ich erwarte dasselbe auch von dem, der auf der anderen Seite steht/liegt/sitzt/denkt/fühlt. Kurz: ich will alles im Tausch gegen mich.

Darum kann es bei dieser ersten Kategorie sein – und ist bislang immer so gewesen – dass das männliche Ego Schaden nimmt, wenn alles wieder vorbei ist und die Gefühle verblassen. Weil ich nicht ans Immer-und-Ewig glaube, weiß ich, dass alles vergänglich ist und genieße den Moment des Beginns genau wie den des Abschlusses. So wie ich, sehen das aber nicht alle. Und es gibt Männer aus meinem Leben, die noch heute, viele Jahre nach „uns“, keine Lust auf ein „Danach“ haben. Zum Beispiel in Form von platonisch-reflexiven und aufarbeitenden Gesprächen, die ich als sehr produktiv erachten würde. Frau lernt schließlich nicht nur aus dem Erlebten. Wie gern würde ich mit meinem ersten langjährigen Freund über unsere gemeinsame Zeit sprechen. Ihm danken, aber auch schelten. Ein bisschen von allem auf eine post-amouröse Weise.

Stattdessen melden sich „Nachrückerinnen“ bei mir mit der Frage, welches traumatische Erlebnis zwischen uns IHN dazu gebracht hat, noch nicht einmal meinen Namen aussprechen zu können. Not sure…

Diese erste Kategorie können bestimmt die meisten nachvollziehen. Sei es von der einen oder von der gegenüberliegenden Seite aus. Beides geht. Und beides liegt nicht zwingend daran, wer „Schluss gemacht“ hat. Das habe ich gelernt. Selbst bei einvernehmlichen Trennungen scheint das Ego es sich am Ende anders zu überlegen.

Schwieriger wird es bei der zweiten Kategorie. Eine mysteriöse Schublade mit Egos, die einen Sprung haben, der aber nicht sichtbar ist. Trotzdem ist er da. Das scheinbar heile Ganze fällt bei geringster Erschütterung auseinander. Manchmal geschieht das langsam und unbemerkt. Und eines Tages findet man statt eines intakten Tellers nur noch Scherben, obwohl niemand ihn zerschlagen hat…

Mit dieser zweiten Kategorie habe ich es oft zu tun. Nach Jahren musste ich heute zwei Geschichten hören, die mich dazu veranlasst haben, eine Flasche Wein zu öffnen und davon zu erzählen:

Meine erste Geschichte handelt von einem ehrgeizigen und über-und-über ambitionierten, zutiefst melancholischen Menschen. Manchmal fröhlich in Moll, ich wie zu sagen pflegte. Meistens jedoch trunken vor Arbeit, vor Selbstzweifel und der Liebe zu mir. Oh ja, wir liebten uns. So richtig echt. So echt, dass es eben nicht lange dauern kann, weil da so viel Energie drin steckt. Ich hielt das nur zwei Jahre aus. Nach unzähligen Briefen, nach den wunderbarsten und alles-vergessen-lassenden Gesprächen, linken Theorien und dieser bittersüßen Pseudogewissheit, dass alles bald vorbei sein würde. Es kam der Tag. Ich wollte meinen Körper, meinen Kopf nur noch für mich. Es war hart, aber nach kurzer Zeit fühlte es sich richtig an. Ich war frei, er war frei. Wir liebten uns immer noch, aber irgendwie ganz anders. Post-amorös, post-physisch. Wir sahen uns oft. Auch später. Ich schnitt mir die Haare ab. Er sagte, er würde mich auch lieben, wenn ich ein Junge wär. So war das. Dann vergingen ein paar Jahre. Sporadisch in Kontakt, dankte ich ihm trotzdem jeden Tag für jede Erfahrung, die ich durch und mit ihm machen konnte. Heute noch lese ich die gebundenen Briefe, die Mails, die wir uns schrieben. Sehe mir kleine Notizen an und hege den heimlichen Wunsch, mich eines Tages mit ihm über unsere Beziehung unterhalten zu können. So richtig. Ohne Tabus. An die wir beide sowieso nie geglaubt haben. Oh, wie tabulos wir waren.

Nun, so dachte ich. Im letzten Jahr sprachen wir vielleicht zweimal miteinander und das nur, weil er von unserer Familientragödie mitbekam. Ich dachte, wir wären im Reinen. Ich dachte, es wäre nur eine zeitarme Phase und bald, ja ganz bald, würden wir wieder unsere einander beflügelnden Ideen austauschen. Falsch. Heute habe ich von einer gemeinsamen Bekannten erfahren, dass er nichts von mir wissen möchte. Dass er ein neues Leben führt und dass ich es gefälligst unterlassen sollte, Kontakt zu ihm zu suchen (bei dem es sich um JÄHRLICHE Geburtstagsgrüße handelt…). Ich war baff. War das derselbe Mensch, der mir sagte, es gibt keine Grenzen, keinen Tellerrand, nichts Unmögliches. Er nannte mich seine kleine Philosophin. Jetzt hatte er diesen Freigeist wohl an der biedermeier‘schen  Garderobe abgegeben. Oder war es sein Ego, was an ihm so lange nagte, bis er nachgab und meine mangelnde Präsenz ihr Übriges tat (das ist jetzt mein Ego, was aus mir spricht)…

Mein Ego ist definitiv angekratzt: wo ist der Fehler? Habe ich etwas falsch gemacht? Warum gehen unsere sonst synchronen Gedankengänge plötzlich so weit auseinander. Mein Wunsch nach Diskurs, nach Kaffee oder Wein und in die Abgründe blickenden Gespräche.

Das ist die erste Geschichte.

Die zweite ist wesentlich kürzer, noch stereotypischer und doch ist sie so charakteristisch für viele, mit denen ich sonst darüber sprach und die mir jetzt selbst wiederfährt.

Er war ein Mensch, der sich irgendwann als konservativ definiert hat. Im Grunde uninteressant für mich. Nach zwei oder drei Treffen hatten wir schon den Rahmen unseres Verhältnisses abgesteckt: von mir war es die Physis. Alles war gut, solange wir nicht reden mussten. Er stand auf klare Linien, die in seinem Fall hießen, Tunnelblick. Arbeit, Geld, Haus bauen, Frau heiraten, Kinder haben. Für alles ein Dokument, ein Zeugnis. Keine Zwischenstationen oder Abwege im Leben. Und genau so lebte er. Mit Feminismus konnte er nichts anfangen. Mich reizte das, weil ich unsere Verbindung als DEN emanzipativsten Akt überhaupt ansah: er mochte weder kurze Haare, noch selbstbewusste Frauen, noch weniger mochte er aber die Kombination und war dennoch mit mir „zusammen“. Diese Definition musste er dem Ganzen geben. Ich sprach von meinem Unglauben an die Monogamie, während er sich zurückhalten musste, um nicht in wenigen Wochen „Ich liebe dich“ zu sagen. Körperlich lief es echt gut, weshalb ich es darauf begrenzte. Ein paar kleine Kleinigkeiten waren seltsam, aber hey, nobody is perfect -.-…
Er erzählte mir von seiner ersten großen Liebe, die ihn sehr unschön verließ und seiner Angewohnheit seitdem, Frauen eher früh als spät zu verlassen, um nicht wieder als Opfer der Umstände dastehen zu müssen. Absolut verständlich, weshalb ich nach ein paar Monaten ganze Mädels- und Familienabende damit füllte, eine ego-sensible Strategie zu konzipieren, ihn von einem Ende zu überzeugen. Dabei wäre es mir nur recht, wenn er von sich aus sagen würde „Schluss!“. Tat er aber nicht. Wir feierten sogar vor dem entscheidenden Treffen meinen Geburtstag, von dem er wahrscheinlich noch heute schwärmt und meine Party als die beste, die er je erlebt hat betitelte. Ich kann das :). Dann trafen wir uns. Es ging besser als gedacht. Wir einigten uns auf weitere Treffen in Zukunft, die gerne körperlicher Natur sein durften. Wozu es aber nie kam. Treffen gab es aber. Initiiert wurden sie von ihm. Ich beließ es aber immer bei Kaffee-Dates und dem belanglosen Austausch von „Was geht bei dir grad so ab“-Floskeln. Ich wusste, dass er sich immer dann mit mir trifft, wenn mal wieder eine seiner seltsamen Wochen-Beziehungen zu Ende gegangen war und er seinem Ego versichern musste, da gibt es doch welche, die kann ich einfach anrufen.

Ich wäre auch gern diese Person. Ich bin selbst ein bisschen so. Aber nicht als Ego-Push, sondern als Lebenseinstellung. Liebe lässt sich teilen.

Der Kern von all dem ist, dass ich heute fast vom Stuhl gekippt bin, als ich hörte, dass ein ganzer FreundInnenkreis (mit dem ich Göttin sei Dank nicht oft interagiere) eine sehr individuell-ausgeschmückte Version unseres Auseinandergangs hört und kennt: nämlich die, dass er ganz allein mich sitzen gelassen hat, aus den so oder so oben genannten Gründen. Oh man…
Wie sollte es auch sonst kommen? Sie: Feministin. Er: Möchtegern-Patriarch mit der einzigartigen Gelegenheit seine Sicht der Dinge zu erzählen, die ich nie falsifizieren können würde. Dass er sich aber auch die Blöße gab, sich mit mir danach zu treffen und sicher mit vollster Genugtuung festzustellen, dass ich immer noch glücklich, offen, ihm absolut zugewandt und free-spirited war. Ohne zu ahnen, dass er sich als der Obermacho aufspielte, der MICH verließ…

Mein Ego musste sich heute echt mal wieder bei mir melden. Kurz fühlte es sich so an, als würde es irgendwo zwischen Magen und Luftröhre einen Knoten binden und abwarten. Wie würde ich reagieren? Würde ich mich aufregen? Wäre ich traurig? Frustriert? Enttäuscht?

Nichts von all dem, um ehrlich zu sein. Ich bin immer noch so zuversichtlich, wie vorher. Den Knoten habe ich gelöst. Mein Ego zittert immer noch ein bisschen. Ob sich das Bild dieser Ex-Menschen nachhaltig wandeln wird, kann ich noch nicht sicher sagen. Dafür vernebelt der Wein noch meine Lang-Zeit-Plan-Fähigkeit. Was ich aber auch in diesem Zustand sicher weiß ist, dass meine feministische Position mir eine so unbezwingbare Stärke verleiht, dass ich nicht in Selbstmitleid versinken brauche. Ich sehe die Schwächen der Menschen, ich schätze deren Egos, auch wenn sie ihrer eigenen Zartheit und Fragilität nicht bewusst sind […]

Wieder da: ganz oder halb, halb oder ganz

Wie weitermachen, wenn das Schlimmst-Vorstellbare eingetreten ist? Es ist geschehen. Es kam schleichend, und doch sehr plötzlich: der Tod meiner innigst, tiefst-herzlichst und überschwänglichst geliebten Mutter.

Ein Jahr und Ende.

Ich dachte, sie würde ewig leben. Ja, ganz verträumt und töchterlich naiv.

Sie – mein Vorbild, meine Retterin in der Not. Sie – die immer zu mir stand. Sie ist nicht mehr da. Mit dieser Vorstellung einher gingen immer Gedanken wie jene, dass ich nichts mehr tun könnte, wäre sie einmal weg. Dass ich erstarre und zu keiner Gefühls-Regung mehr im Stande bin. Ich dachte, ich könnte nichts mehr. Nichts. Ich wäre einfach zusammen mit ihr nicht mehr da. Verpufft. Aufgelöst. Erlöst?

Aber jetzt ist sie weg und ich lebe. Ich schreibe, ich lache sogar. Herzlich. Sehr, sehr herzlich.

Es ist un-er-klär-lich.

Das Leben geht weiter – und das tut es gar nicht mal so schlecht. Ich ermahne mich trotzdem an solchen Gedankenwindungen. Wie kann das sein? Das Leben fühlt sich gut an. Obwohl ein Teil von mir abgestorben ist.

Aus meiner Botanik-Praxis weiß ich, dass wenn man Pflanzen richtig beschneidet, ihren den oberen Teil, ihre Krone, gekonnt kürzt, können daraus gleich zwei neue Triebe erwachsen. Eine Vermehrung. Eine Verdopplung.

Könnte dasselbe auch mit mir passiert sein? Ich fühle, wie sich Gedanken, Gefühle, Wünsche täglich vermehren, sich gegenseitig verdrängen oder befruchten. Und nichts sagt: du bist nur noch die Hälfte.

Ich bin fest entschlossen, diesem Mysterium auf den Grund zu gehen. Bis dahin – und auch währenddessen – schreibe ich. Denn das lässt mich gerade jetzt – und eigentlich immer – lebendig fühlen. In jedem Wort, in jeder Zelle, in jedem meinem Zustand ist auch ein Teil von ihr. Auch jetzt. Wäre sie nicht, wäre ich nicht. Wäre nichts von all dem.

Das ist wohl der erste Schritt…

*8.12.60 +27.9.16
Мама, ты всегда со мной.


KF

Taten statt Worte: Eine Tochter tut, was sie tun … muss 

Liebe Leser*innen,liebe Interessierte und Begeisterte, 

liebe Kritiker*innen und Skeptiker*innen, 

kurzum: liebe Alle, die meinen Blog in den Weiten des Internets ausfindig machten, lasen und wiederkehrten, 

Euch allen möchte ich Danke sagen – nicht abschließend, sondern zwischenstationär…

Und a propos stationär: es gibt einen, nicht unfeministischen Grund, warum ich verstummt bin, warum meine Finger nicht zu ihren geliebten Tasten fanden. Naja, Kontakt gab es schon, der war aber meist viel weniger euphorisch und erst recht nicht ganz so optimistisch.

Meine geliebte Mama hat Krebs.

Das ist auch schon die Message. Aber der Rattenschwanz an Konsequenzen, an Abstürzen und Aufschwüngen ist kaum in gewohnt ironische Worte zu fassen. 

Seit etwa 6 Monaten lebe ich den von mir selbst oft bemängelten Klischee-Horror: 

Sie: die starke, unabhängige, alleinerziehende, migrantische Frau, Aktivistin, Helferin, Freundin und natürlich MUTTER.

Ich: ihre älteste Tochter, auch stark und unabhängig, auch aktivistisch und progressiv — 

Überfordert? Ängstlich? Verzweifelt? Verloren? Hilflos? AHNUNGSLOS? 

Das alles fiel von Beginn ihres Leidenswegs flach. Ich hatte zu wirken, zu funktionieren und ich tue es immer noch. 

Als mein Bruder „zerbrach“, wurde ich zu einem 150%-Mensch; nein; zur 200%-Tochter. 

Ich weinte einmal. Als die Diagnose verkündet wurde: ich saß am Rande ihres Krankenhausbetts und hielt mich an ihrem Knie fest. Und ich weinte, zusammen mit ihr. 

10 Minuten ging das. Ab der 11. ratterte bereits mein Kopf: wohin schreiben, wen anrufen, an wen wenden, was übernehmen. Und ganz zentral: wie sie beschützen? Vor dieser Welt, die ihr DAS angetan hatte? Vor all diesen Menschen, die sie nicht schätzten, die ihre Empathie und Mühe missbrauchten. 

Seit dieser 11. Minute erlebte ich Horrortage. Und ich hasse es fast, das so zu beschreiben. Denn den eigentlichen Horror erlebte ja SIE. 

7 Stunden OP, 

30 Tage Intensivstation, 

3 kollabierte Rückfälle 

6 Monate Chemo

… 

24 Stunden Angst

Diese Bilanz kann noch nicht ganz ad acta gelegt werden. Denn auch heute bin ich hier, neben ihr, währen ihr die Chemie literweise in die Halsvene gespritzt wird. 

Ich war jeden Tag da,

Ich habe alles übernommen: die Arbeit, den Außenkontakt, das halbe Leben. 

Ich wusch, ich fütterte, ich pflegte, ich beruhigte sie. Ich putzte ihr die Zähne, ich gebe ihr Spritzen, ich las ihr vor.

Meine Mama liegt da, und ich fühle mich so zerbrechlich. Aber zerbrechen ist keine Option. Zerbrechen ist wohl was für Söhne… 

Ein bisschen Ironie ist hoffentlich erlaubt.

Es ist, wie es hunderte und tausende Feminist*innen so oft beschrieben haben: die Töchter, die ihre Eltern pflegen; die Frauen, die Sorgearbeit leisten. Eine Arbeit, die viel mehr erfordert, als es die, vor dem PC zu sitzen tut. Eine Arbeit, die für selbstverständlich gehalten und als natürlich weibliche abgetan wird. 

Sie ist es nicht. Weder natürlich, noch weiblich, noch umsichtbar. 

Ich fühle mich bestärkter denn je für Feminismus loszuziehen, für eine gerechtere Welt zu kämpfen, zu sprechen und eine solche zu entwerfen! 

Der Kampf meiner Mutter um ihr Leben ist Ansporn der stärksten Sorte: der emotionalen. 

Alternativlos sozusagen. 

Ich liebe sie und ich habe diese Pflicht. Das sagt mir mein Gefühl. Sie ist hier allein. Sie wanderte aus. Sie tat ALLES für uns. 

Die Ärzt*innen sagen, die Ursprünge liegen noch in den Schwangerschaften und Geburten. Ereignisse, ohne die wir nicht auf der Welt wären. Und ohne die sie womöglich in bester Gesundheit verbliebe. Ich sage ja, das Leben ist auch sehr ironisch. 

Wie könnte ich mich nicht um sie kümmern? 

Ich tue es aber nicht nur aufgrund meiner „Natur“. Ich tue es, weil ich weiß, dass es ihr hilft. Dass sie sich geborgen fühlt, dass sie sich entspannt und ganz auf sich konzentriert. 

Lange – wenn nicht schon immer – ein Problem für sie: sie gab immer alles für andere. Tat unmögliche Dinge, damit es Menschen besser haben. Mit ihrer Krankheit sind sie verschwunden. Es ist ja nichts mehr zu holen. 

Auch das, feministisch brisant. Sie fand, sie habe als Frau nicht das Recht, egoistisch zu sein. Sie akzeptierte diese an sie gelegte, und doch nicht zu passen scheinende „Natur“. Sorgende Mutter, liebe Ehefrau, passives Weibchen unterwegs, um es Männern recht zu machen (und so ab und zu gelobt und bewundert zu werden). 

Jetzt lernt sie es neu: sich selbst zu zentrieren, egozentrisch zu sein. Den eigenen Willen ohne einen höheren moralischen Zweck durchzusetzen, bei dem Menschenmassen dahinter stehen. Diesmal ist sie allein – und gerade auf diesem Lernweg begleite ich sie (ich habe schon früh den Egoismus verherrlicht, spätestens seit es meinen spielzeug-kaputtmachenden Bruder gibt). 

Ich bin heute zum ersten Mal in der Position etwas zu geben. Manchmal ist es mein Rat und manchmal ist es nur meine Präsenz, manchmal ist es meine Hand und manchmal mein Organisations- und Kommunikationsgeschick. Es sind die kleinen Dinge, deren Summe den Sinn ausmacht. So leicht hatte sich mir Mathematik noch nie präsentiert… 

Es gäbe noch viel zu erzählen. Aber die klare, aber hochkonzentrierte Infusionsflüssigkeit neigt sich dem Ende zu. Gleich noch anziehen, ins Taxi und ab auf die Couch. Nicht für mich – aber das ist okay. 

Sie soll nur „gesund“ werden, mein Feminismus in Wort und Schrift gönnt sich die Pause, während seine praktische Schwester jeden Tag handelt, forscht, und wirkt und wirkt und wirkt… 

KF

Heiße Höschen, hohe Taillen und jede Menge Sommerschäden

Besser etwas zu spät, als gar nicht. Ich melde mich mit DEEEEM feministischen Aufreger-Thema des Sommers. Ein Dauerbrenner. Und doch: die Netzfeminist*innen toben. Seit Wochen. Gerade als das Thermometer die 40-Grad-Marke brach, brannten auch ein paar Sicherungen durch. Bei Schulleiter*innen im ganzen Land. Der Blitz hatte mal wieder die Mädchen getroffen.

HOTPANTS-VERBOT!

Wer in zu kurzen Höschen zum Unterricht kommt, bekommt zur Strafe ein übergroßes T-Shirt(Kleid) übergestülpt. Jetzt, wo seit ein paar Tagen Schmuddelwetter und eher herbstliche Temperaturen herrschen, ist auch die Debatte ein bisschen ruhiger geworden. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass Ferien sind und die Lehrenden sich diese „Kurz-Geschichten“ nicht länger ansehen müssen. Puh…
Ich will dieses hitzige Ping-Pong-Spiel nicht noch mehr befeuern. Es wurde so viel gesagt und mit so viel – sorry – Mist um sich geschmissen, dass ihn hier (auch ironisch) zu reproduzieren, daneben greifen würde.
Mädchen schon in d er Grundschule zum Sex-Objekt zu stilisieren, sie wissen zu lassen: hey, ihr verführt (mit 7,8,9 oder 10 Jahren) schon eure Umgebung. Nehmt Rücksicht! Sonst…ja was sonst?
Ein T-Shirt zu tragen, was hässlich und groß ist. Who cares? Manche machten sich das sogar zum Wettbewerb. Hätte ich auch so gemacht. In der Schule hatte ich manchmal gar nichts an. Hotpants und bauchfrei. Mancher Lehrer ließ ab und an mal einen Kommentar raus. Guckte auch mal in den Ausschnitt. Diese schwarzen Schafe…ich weiß. Selbst das war damals nicht okay!! Oder eher: das ist es heute. Damals probierten wir viel aus, reizten Grenzen und übertraten sie. Aber meine Klamotten sind doch nicht ich?!

Aber zurück zu meinem eigentlichen Plan: Euch etwas themennahes und –verwandtes zu erzählen.
Zum einen muss ich es kurz loswerden:
DEUTSCHE BEZEICHNUNGEN FÜR KLEIDUNGSSTÜCKE SIND MANCHMAL ECHT DA-NE-BEN!

Warum? Na weil HOTPANTS doch schon sehr viel intendieren. Im Russischen haben wir nur Shorts. Shorts sind kurze Hosen. Oder nicht? Also: Jeansshorts, Boxershorts oder Badeshorts. Also wenn kurze Hosen schon mit dem Adjektiv „hot“ sprich „heiß“ versehen werden, weißt das nicht unbedingt auf das heiße Sommerwetter hin, bei dem frau oder man sich dieses Kleidungsstücks bedient.
Vielleicht sind Kylie Minogues Gold-Pantys so ein Zwischenfall, sexy und aufreizend. Aber auch dabei gilt: jeder ihre eigene Wahl! Ob Gold oder Glitzer, Pailletten oder Leder. Kurze Hosen sind super!
Seit es die kurzen Hosenschwestern regulär zu kaufen gibt – und frau sie sich nicht selber basteln muss, stieß ich genauso regulär Freudenschreie aus. Endlich nicht den Tücken der Miniröcke ausgesetzt sein! Ich lieb(t)e kurze Röckchen und Kleidchen, seeehr kurze waren mir am liebsten. Aber ich merkte auch schnell diesen Druck. Immer musst du aufpassen. Immer richtig sitzen um bloß nicht die Gemüter erregen. Ich habe hier schon von meinen traumatischen Erfahrungen berichtet, wie ich in U- und S-Bahn unangenehmst „überrascht“ wurde, indem mir unbekannte Mitfahrer ihre Hände unter meine kurzen Röcke steckten…
Nun, und damit sind Shorts natürlich ein Segen! Es ist luftig und frisch und verhindert doch das Hand-unter-Rock-Intermezzo. Ich LIEBE kurze Hosen.
Und mal ehrlich: als es in der letzten Woche weder tags- noch nachtsüber unter 25 Grad kalt wurde, war es mir SCHNURZ, ob meine „HOT PANTS“ jemand ins Auge hüpfen. Hauptsache ich konnte mir die Hitze ein wenig erträglicher machen.
Unangenehme Situationen hatte ich lange nicht mehr. Vielleicht liegt das am Thema Nummer zwei, das ich heute niederschreiben möchte: eine Russisch-Amerikanische-Seximus-Freundschaft.
Wer von euch meinte, Russ*innen und US-Amerikaner*innen hätten nur Beef und keinerlei Gemeinsamkeiten, täuscht sich SEHR!
Auch für mich war das ein bisschen seltsam und verstörend. Denn wie auch die Mädchen, waren Frauen hier die Leidtragenden. Naja, manche Frau* hat auch da mitgemischt, wobei die sicherlich den Schrägstrich-Troll verdient hat.
Freundes-Freunde posteten diese Woche über Facebook einen Link einer russichen Pop-Kultur-Forum-Seite, wo ein Autor sich über die ach so grässlichen, Augenkrebs-auslösenden High Waist Shorts an den Pranger stellt. Eigentlich ist es weniger die kurze Klamotte selbst, es sind ihre Trägerinnen.
Während die Seite auf Russisch ist, verweist der Autor dauernd auf ein US-Äquivalent, postet Instagram-Bilder von jungen Frauen oder Katalogfotos von asos und Co. Auf ihnen sind immer wieder hübsche, cis-Fashion-Girls zu sehen, Models, Taylor Swift. Allen gemein sind die High Waist Shorts, die sie draußen und auf der Bühne tragen. Dazu gibt’s ein paar Zitate von US-Hatern, die sich mit dem Diss des russischen „Mode-Kritikers“ verflechten.
Die Frauen, die die kurzen Hosen mit hoher Taille tragen werden beleidigt. Schlicht und direkt. „Wie könnt ihr euch nur so verunstalten, Mädels?“, heißt es da.
Da werden Gespräche zitiert, wo „schöne Frauen“ vorbeilaufen, mit langen Beinen und und und…und dann diese SHORTS! Wie könnt ihr euch das nur antun? Warum? Schlimm anzusehen.
Das Highlight, wodurch es dieses Armutszeugnis von Fashion-Blogs in meine kleine ironische Feminismus-Ecke geschafft hat ist aber folgende Aussage: die High Waist Shorts würden der perfekt Schutz sein gegen Vergewaltiger! Wenn frau die tragen würde, bräuchte sie auch keine Angst mehr zu haben, auf der Straße belästigt zu werden. Niemand würde eine solche Modesünde erregend finden…
WHAT THE FUCKING FUCK?!
Das heißt, wenn ich auf der Straße mit diesen Händen unter dem Rock zu kämpfen habe, sollte ich es schätzen und dankbar sein? Danke, dass ihr meine Weiblichkeit gebührend anerkennt. Danke, dass ihr meinen Körper feiert. Gütige Göttin…
Tja, und so schließen sich zahlreiche Anhänger*innen diesem US-Russ-Textchen an, posten JA’s und AMEN’s. Fügen hinzu: und die langen Hosen mit hoher Taille sind auch Sch****! Dann kommen Frauen, die Röcke mit hohem Bund posten und liebäugelnd fragen: und was ist mit denen? Worauf die nettgemeinten Triebtäter zustimmend nicken: die sind okay (was wohl heißt: in dem könntest du nachts im Park zum Opfer werden! Freu dich!). . .
Bitte verzeiht mir meinen Zynismus. Ich finde sexuelle Gewalt NICHT und UNTER KEINEN UMSTÄNDEN hinnehmbar. Es gibt keine ENTSCHULDIGUNG. Kein JA-ABER und erst recht nicht das VICTIM BLAMING! Wenn aber selbst das nicht mehr reicht, sondern Frauen (und natürlich, verzeiht, liebe alle-Sternchen-wirklich-alle*) auch noch die belästigungs-fördernden Klamotten raussuchen sollen, um sich das „okay“ der Perversen und zutiefst Gestörten einzuholen…das sprengt meinen Ironieradar in 1000 Stücke.

Weniger dramatisch aber auch ein bisschen traurig ist das nächste Sommerthema: der BH.
Ich habe den Dingern abgeschworen. Mit 12 und 13 konnte ich es kaum erwarten, meinen ersten, schönen, spitzenbesetzen BH anzulegen. Ich habe lange gewartet: in der sechsten Klasse waren meine Brüste so sichtbar, dass selbst die 11-jährigen Jungs danach langten. Über ein B-Körbchen kam ich niemals hinaus, aber die Neugier und das — was sonst — gängige Schönheitsideal, die sich räkelnden Schönheiten in reizenden Dessous. Ja, ich wollte auch mal so sein. Weil ich dachte, ich muss.
Meine Mutter war nie die Sorte Frau, die viel Wert auf exklusive Unterwäsche legte. Und darum dauerte es ECHT lange, bis ich mich traute, welche für mich einzufordern.
Ab der 7. bis zum Abi war mein Schrank voll von ihnen: in pink, in gepunktet, mit und ohne Träger. Es schien, nicht mehr möglich, ohne einen BH rauszugehen. Ich habe mich nie gefragt: kommst du nicht auch ohne zurecht? Denn, meine lieben C, D, E-Körbchen und vor allem alle darüber hinaus: mit A oder B war es zumindest für mich jederzeit möglich, BH-los rauf und runter zu springen, ohne dass meine Brust schneller oben oder unten wäre.
Klar, BHs können schön formen und dem manchen so unangenehmen Nippelalarm vorbeugen. Jede darf das selbst entscheiden. Ein besseres Tragegefühl, Sicherheit und was es noch so für Gründe geben kann.
Die meisten nehmen dabei den Trägersalat besonders im Sommer wohlwollend hin. Oder stellen sich die oft hoffnungslose Frage: welchen BH krieg ich unter dieses Kleid? Sieht man in diesem Ausschnitt meinen Balconette? Hab ich auch mal. Dabei lag die Antwort doch barbusig auf der Hand: geh einfach ohne!
Jetzt bin ich seit etwa 3 Jahren ohne BH unterwegs. Mal im Top, mal im Bandeau. Ich möchte keiner Frau*, selbst mit AA oder AAA Körbchen, nicht das Tragen eines BHs absprechen. Ich bin für Chancengleichheit. Aber ich spreche mich ausdrücklich für die Befreiung des Geistes aus. Denn neulich traf ich mich mit meiner guten Freundin. Sie liegt irgendwo zwischen den ersten Buchstaben des Brust-Alphabets. Ohne einen BH sah ich sie noch nie. Sie erzählte mir ihre Geschichte der 40-Grad-Tage: zu Hause war’s unerträglich, draußen – noch schlimmer. Drinnen quengelte das Kind, und der Mann drängte zum Einkauf. Weil auch 5-minütiges Duschen nichts half, hoffte die Familie auf ein laues Lüftchen und verließ ihre Wohnung im Berliner Norden. Weil die Hitze sie träge gemacht hatte, oder weil die Erinnerung a la Festplatte angeschmolzen war, vergaß meine Freundin ihren BH. Naja, so halb: sie merkte es, hätte die Chance eines Nachtrags, und ließ es bleiben.
So, wie die junge Mutter mir das erzählte, klang die Geschichte nach einer Heldinnen-Story: die Überwindung der BeHerrschung. Ihr Mann bemerkte den Fehler – pardon – das Fehlen erst auf der Straße. Er war überrascht. Und er fragte nach: oha! Und: Gott sei Dank. Er lobte! Guter Mann!
Beim Zuhören freute ich mich irgendwie mit, obwohl ich mir auch bescheuert vorkam. Ich hätte sie schütteln sollen und sagen: Liebchen! Du bist super in Form! Es sind 40 Grad! Lass die beiden frei! Atme durch! Entkomme dem Zwang! Warum denn auch nicht?
Aber sie war wohl auch seit Halb-Kinder-Tagen so fixiert auf das weibliche Muss, die BH-Pflicht. Und schließen möchte ich mit einem Zitat, das am schwarzen Brett der Erziehungswissenschaften das Zettelmeer ziert:
SOLLTE ES NICHT WAHLFREIHEIT UND NICHT WALHPFLICHT HEIßEN?

❤ KF