Eine kleine, interdependente Liebesrefexion zum Muttertag

Es ist Liebe! Liebe, so hilflos, hoffnungsvoll, so zart, so fragil und dünnhäutig. Sie ist es. Die alte Bekannte, die, die einst so schnell und unbemerkt verschwand, so dass ich sie nachträglich zum Teufel jagte. Verflucht sei sie, die erst jene wunderbare Süße auf hitze-entflammten Lippen hinterließ, und später jeden Geschmackssinn betäubte, floh, verriet; mich verriet, uns verriet. 

Sie hatte mich gehört, so dachte ich. Und jetzt verkroch sie sich oder infizierte andere. 

Um mich sollte sie einen Bogen machen, das war mein Mantra. Ganz – weiten – Bogen. Aber am Ende war ich es, die Bögen und Kreise um Gelegenheiten, Chancen, Offerten machte. 

Immer kühler werdend, immer überzeugter, dass ich es nicht mehr erlebe. Dass ich mich nicht mit ihr versöhne, ver-töchtere? 

Und plötzlich ist alles ganz anders, verworfen die Pessimismen der letzten Jahre. Sie hatte immer etwas Mütterliches: sie verzieh mir einst, und nun tut sie es wieder. Ohne Fragen, ohne meine Reue abzuwarten, ohne den geringsten Zweifel, dass ich es wert bin, dass das Wir es wert ist.

So, wie es nur Mütter können. 

Alles gebend, tröstend, wärmend.. 

Mutter. Liebe. Mutterliebe. 

Ich bin dankbar. Dass Du es immer wieder versuchst mit mir. 

Ich bin dankbar für dieses erfüllende, feuerrote, verrückte Gefühl einem Menschen gegenüber, der, so scheint es, auch ein alter Bekannter von Dir ist.

Alles wird leicht in all seiner Komplexität. 

Danke 
KF

❤ ❤

Maske, Liebe, Schafspelz.

Kann man einen Menschen lieben als ein Individuum, das von allem abgekoppelt ist, nicht aber im Verhältnis zu einer selbst?Solche Fragen beantworte ich immer mit einem Ja. Theoretisch. Oder als Rat für eine Freundin. You go girl, sag ich dann immer. Alles, was du halbwegs vertreten kannst und (!) was sich gut anfühlt, all das ist erlaubt. Warum auch nicht. Ich würde mir nie herausnehmen Liebe im Allgemeinen zu definieren. Oder noch schlimmer: abzugrenzen. 

Jetzt stehe ich vor dieser Frage an mich selbst. Ich brauche kein ja oder nein. Ich brauche Gewissheit, dass das nicht etwas als Liebe Getarntes ist. Pseudoliebe im Schafspelz. Etwas Autoaggressives, Selbstverletzendes, das sich geschickt maskiert..

Ich neige ab und zu, und manchmal öfter, dazu, mich selbst zu kasteien. Indem ich Situationen aushalte, bestrafe ich mich einerseits selbst und andererseits rufe ich einen ziemlich seltsame Selbststolz hervor: du hast es überstanden und hast nicht die Beherrschung verloren. 

So, wie ich es hier oft beschreibe: da ist immer noch das kleine Mädchen in mir, das die strafenden Worte der Familie hört, es solle sich gefälligst zusammenreißen, leise, höflich, unauffällig sein. Wer sollte es sonst gern haben, ertragen, begehren?

Heute sind mir alle Zusammenhänge klar. Das Bild der hörigen Frau mag antiquiert wirken, wenn man es so einfach voraussetzt. Ich bekenne mich nicht dazu, ich wehre mich sogar. Wann immer ich kann spreche ich es aus: bitte erwartet von mir nicht das brave Weibchen. Traditionen, Institutionen wie Ehe, ja selbst klassisch-gestaltete Beziehungen sind nichts für mich. Ich verstehe auch den Hochzeitshype nicht – zumindest als Option für mich. 

Ich verstehe wohl, warum es zu diesem kommt und welche Strukturen (Spoileralarm: Kapitalismus z.B.) heute die Hochzeitsindustrie ankurbeln… 

Aber zurück zu meiner eigentlichen Verwirrung. 

Da ist also diese Person. An und für sich interessant, nicht schnell durchschaubar, sprunghaft und doch sehr konstant, stabil und labil im ständigen Wechsel. So viele Widersprüche treffen da aufeinander. Das macht es spannend, aber auch schwierig. Meine Neugier, diese Person durch und durch kennenzulernen, wird immer wieder ausgestochen von der Verzweiflung, es niemals zu schaffen. 

Es sind keine zwei Gesichter, es ist ein ein ganzes Duzend. 

So ganz anders als ich. Ich bin fasziniert und erzürnt. Gespräche verlaufen ins Nirvana. Wir scheinen absolut unterschiedliche Ebenen der Weltsicht zu bedienen. 

Im Grunde der Beginn einer holprigen und aufregenden Reise. Gemeinsam different. 

Aber! Und hier kommt wieder die Frage vom Anfang ins Spiel. 

Während das Individuelle dieser Person für sich wirkt, scheint das Verhältnis zu mir ein wesentlich enttäuschenderes zu sein. Ich liebe es nicht. Ich finde mich damit ab. Und das klingt nicht nur ein wenig erbärmlich, es fühlt sich dann auch so an. 

Ich versuche immer einen Zugang zu Nahestehenden zu finden, ihr Denken zu verstehen, es anzunehmen und – oh ja – sogar von ihnen zu lernen. Auch wenn sich meine Methoden, Denkmuster und Überzeugungen sich nur minimal ändern. Alles hat seine Berechtigung. Behandle andere so, wie du behandelt werden willst. Credo und Qual zugleich.

Dieser Devise würde die besagte Person sicher zustimmen. Vielleicht sogar behaupten, dass genau so gehandelt wird. Was bei mir ankommt, ist die ständige Ablehnung, Kritik und Abwertung von mir. Nicht im offensichtlichen Psychoterrorsinn. Nicht zwingend mit einem negativen Nachhall verbunden. Ich fühle mich gut. Ich versuche zu verstehen, einzuordnen, seiner Art Raum zu geben. Ich merke es an. Ich erkläre mich. Ich schaffe Klarheit. Und doch bleibt es, dieses Gefühl der Zuneigung zu der Person ohne mich. Als unverknüpft und ungebunden. 

Ich nehme an, dass es ‚geht‘, einen Menschen einfach so aufgrund von ihm selbst zu lieben, ihn zu schätzen und das Beste für ihn zu wollen. 

Wo aber bleibe ich? 

Und noch viel wesentlicher: macht es Sinn, nur die Person zu glorifizieren, anstatt die doch so einzigartige Verbindung zwischen zwei Fremden, sich Gefundenen? 

Ich lasse bewusst die Geschlechterdynamiken aus dem Spiel. Sie sind sowieso allgegenwärtig in meinen Überlegungen. 

Ich unterlasse auch den Beantwortungsversuch und schaue, wohin dieses Gefühls- und Beziehungsexperiment mich führt. Uns. 

Ja, uns, das passt besser. 

KF