Politisch (UN)KORREKT und RECHT(S) bedenklich

Ach ja, das neue Jahr fängt gut an: die FDP setzt auf pinke Ergüsse (Verzeihung, es ist Magenta) und die Junge Alternative versucht sich im „Gender Marketing“ (auch hier, biggest sorry, es ist Sexismus on it’s best)…

Als zwar auch junge, aber eher links stehende und laufende und denkende Frau, mit einem Migrationshintergrund, mit zwei Pässen und hey!, sogar mit auch mal zwei Persönlichkeiten*, gibt’s schon in der ersten vollen Januarwoche viel zu bemängeln.

(*Kürzlich las ich eine pop-psycho-Studie, die behauptet, dass Menschen, die von Kindesbeinen an zwei Sprachen sprechen und bilingual aufwachsen, auch zwischen Persönlichkeiten switchen. Nun, ich bestätige das einfach mal halb, mit der deutschen Hälfte meiner Person ;D.)

Worum es mir hier geht sind zwei Plakate aus den aktuellen Werbekampagnen der Parteien, die gern den „Volk“ dienen möchten. Bitte korrigiert mich, wenn ich das in den falschen feministischen Hals bekommen habe, aber Parteien wollen Wähler_innen (naja, bei den beiden Süßen würde ich doch eher von Wählern (Punkt, ohne IN, ohne GAP, ohne STERNCHEN, un-un-un-inklusiv sozusagen). Je mehr, desto besser. Während bei der Europawahl die Aufregung nicht sooo riesig war und CDU mit Angela Merkel warb, obwohl die gar nicht zur Wahl stand oder die NPD-Plakate von sämtlichen Satire-Shows lächerlich gemacht wurden, gibt es hier mehr zu sagen.

1. Die FDP will raus aus ihrem Tief. Erst gestern versuchte sie sich selbst zu feiern nach dem Motto „die FDP sei nun statt FDH (friss die Hälfte) FDPur (whatever)“.  Und neben der „frischen Farbe“ (die von der Telekom entliehen wurde), gab es ein paar neue Frauen an der Spitze. Zwei.
Das Provokante : ein Werbeplakat von Katja Suding mit wehendem Haar und straight forward Blick schreit: „UNSER MANN FÜR HAMBURG“.
Unser Mann? Das ist schon zu blöd um eine konstruktive Gleichberechtigungsdebatte loszutreten. Dass von der FDP keine fortschrittlichen emanzipatorischen Marketing-Kicks zu erwarten sind, war mir auch vorher schon klar. Vielleicht ist schlechte PR besser als keine. Wobei gerade diese Partei nicht nur einen Vogel abgeschossen hat, wenn’s um das eigene Image geht (zum Dirndl-Debakel sag ich jetzt aber nichts mehr). Was Frau Suding selbst von ihrer nicht mehr als ironisch einzustufenden Plakatierung hält, weiß ich nicht. Ich könnte mir sogar denken, dass sie dazu steht. Oder sie versucht das auf die neo-liberale Art (???) auszulegen? Vielleicht sogar positiv – a la – „ich kann das mindestens so gut wie einer unserer Männer!“
Fakt ist: es ist FDPurer Rückschritt. Männliche Attribute eine Frau in Führungsposition zuzuschreiben, ist ein längst ausgelutschter Drops. Als harte, berechnende, entweiblichte Maneaterin wurden die meisten Damen schon bezeichnet. Die gläserne Decke zu durchbrechen und nicht zurückzufallen geht nur durch den Verlust der Feminität oder aber durch deren Überspitzung: dem „Einsatz der weiblichen Reize“ (ohne das Hochschlafen-Klischee komme ich leider nicht aus).
Wie wär’s denn zur Abwechslung mal mit der tatsächlichen Akquise von neuen Wähler_innen-Gruppen? Wie wär’s mit einer Kampagne, die mit Aktualität glänzt, statt mit verstaubten und durch und durch unkreativen Stereotypen?

Aber was sag ich, es geht auch schlimmer:

2. Der faulende Stern am Politikhimmel ist ja die AfD, die nun mit ihrer Jugend Minus-Presse-Punkte sammelt. „Junge Alternative“ nennen sich die Menschen, die anscheinend noch nicht wirklich begriffen haben, wie die Welt funktioniert. Frauen lassen sich da gern mit „Ich bin keine Feministin, weil…“-Schildern ablichten. Jede Frau könne doch selbst entscheiden, ob sie Hausfrau wird. Wow! Dass das so ist sehen diese Mädels wohl als Naturgabe oder Alleinverdienst ihrer Herren.
Jetzt haben diese jungen Wild-Alternativen den Höhlenmenschen schlechthin in sich entdeckt und veröffentlichten noch vieeeeel „bessere“ Plakate als die „Puren“ der FDP:
Fünf Frauen, von hinten, im String, alle mit langer Wallemähne (immerhin, die Vielfalt liegt in den vielen Haarfarben und -formen) vor einer Strand-und-Meer-Kulisse. Drüber der Slogan:
„Gleichberechtigung statt Gleichmacherei“
Hoooooolyyyyy sh*t?!?! Was bitte meinen diese Alternativisten damit? Für mich stehen die Anhänger der AfD ohnehin in der rechten Ecke, vielleicht auch an deren linkem Rand – und dennoch. In Zeiten von Bergida und „dem Gefühl einer Überfremdung Deutschlands“, passt die AfD gut ins Bild und scheint Menschen anzusprechen. Auch wenn es eine Minderheit ist – es gibt sie, die Luckes der Nation. Und dann SO ein Werbeplakat?
Was soll das bedeuten? Gleichberechtigung – wissen die was das ist? Wer spricht von Gleichmacherei? Und: was ist in deren Augen der Unterschied? Aus Frauen Männer machen? Wieder dieses alte, dumme Halbwissen? Es scheint, als hätten die sich gegen den Feminismus gewandt, ohne zu wissen, was dieser ist. Und wenn einer (betont ein-ER) doch schon vom Feminismus gehört hat, schweigt er sich lieber aus, statt die Plakat-Designer_innen aufzuklären. Gähn…
Ein männliches Äquivalent gibt es auch: 4 Muskelprotze oben ohne, getarnt als Bauarbeiter sagen „Schluss mit Kuscheljustiz. Kriminalität härter angehen. Harte Arbeit wartet.“ Was uns das sagen soll? Wer arbeitet da wann hart? Und wer soll härter bestraft werden?… Gähn hoch zwei.

Ich unterlasse es ganz bewusst diese netten Bildchen auf meiner so gar nicht rechts-positiven Seite  zu platzieren. Fragt die Suchmaschine Eures Vertrauens und versucht Euch an der Interpretation. Vielleicht kommt die „Massege“ bei Euch an ;)?!

Aufgeregt, wie ich bin, frage ich mich mit rotem Kopf, ob so eine billige Verkaufsmasche für Parteien okay ist? Klar, die NDP macht gern Statements, die mit Bärten, ausländisch klingenden Namen und persönlichen Empfehlungen, Menschen „nach Hause“ zu schicken spielen. Weil hier die politische Gesinnung für die Meisten klar ersichtlich ist, weiß frau und man, woran sie und er ist.

Bei den anderen, oben erwähnten ist es anders: zum einen grenzen die sich regelmäßig und vehement  von Rechts ab und zum anderen, ist Politik eine Verkaufsveranstaltung geworden? Wenn ein Automobilkonzern, eine Uhrmarke oder ein Modelabel mit sexistischen Inhalten und frauenverachtenden Bildgut wirbt, ist es nicht schön anzusehen, kritikwürdig aber letzten Endes DEREN Marketingstrategie. Sie verkaufen ihr Produkt. Sie machen Profit. Sie können gewinnen oder verlieren. Dabei ist niemand der Entscheider_innen dort von MIR gewählt oder nicht gewählt. Das ist Kapitalismus.
Eine Partei hat den Status eines Vereins, von Bürger_innen organisiert. Demokratie ist auch mal dreckig. Aber hier finde ich persönlich geht PR zu weit. Klar, Meinungsfreiheit zählt für alle. Aber wen will diese freie Meinungsäußerung anlocken? Machos? Sexisten? Patriarchen? Und am schlimmsten: Rechte Machos, Sexisten, Patriarchen?

Die feministische Hoffnung stirbt nie! Wie Susie Orbach kürzlich sagte: Feminismus ist wie jede politische Bewegung wellenartig, mal flacht er ab und jetzt folgt wieder ein Hoch!

In dem Sinne: ein HOCH auch den frischen, 2015-Feminismus


KF

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