Das Drunter und Drüber

Das Sommerwetter will es so: helle Kleider, weiße Röcke, auch mal Leinenhosen… Alles, was möglichst kurz, leicht und erträglich ist, ist willkommen. Bei fast allen. Die informelle, außerberufliche Ferienzeit ist erfüllt von Frauen*, die ihr Bestmöglichstes versuchen, um über die Hitze hinwegzukommen.

Die Trendfrage möchte ich nicht verhandeln und zur Modebloggerin werden ebenso wenig. Denn die Devise ist: tragen kann frau das, was gefällt. Was zu ihr passt, in dem SIE sich wohlfühlt. Gestern erst hieß es mal wieder im Mainstream-Fernsehen: „Wenn ich einen Bikini anhabe, dann fühle ich mich einfach nicht wohl. Weil es immer Frauen gibt, die eine besser dafür geeignete Figur haben.“ Uff, nicht wahr? Ich denke jeden Tag AKTIV an diesen netten Leitspruch, der es ziemlich gut zusammenfasst:

PUT A BIKINI ON YOUR BODY AND YOU HAVE A BIKINI-BODY!

So lassen es zahlreiche feministisch Involvierte verlauten und regen zum Widerstand gegen den Bikini-Wahnsinn auf. Eine Bikini-Figur zu haben oder nicht zu haben ist demnach lange überholt. Denn, seien wir ehrlich: alles ist relativ, wenn es darum geht, wer sich wie in welchem Strandoutfit fühlt.
Ich möchte nicht die Hartarbeitenden, Sportlich-Exzessiven und Straight-Forwardistinnen abwerten oder verurteilen. Das macht ihr gut! Alle Maßnahmen für ein ehrliches Ich-fühle-mich-gut-in-meinem-Körper sind begrüßens- und lobenswert.
Aber niemand wird abstreiten, dass die Ziele und Ausgangspunkte sehr variabel sind. In Kleidergrößen ausgedrückt ist von einer 40 auf eine 38 kommen nicht dasselbe wie von einer 42 auf eine 40. Und ich bin mir sicher, dass in beiden Fällen das „Bikini-Selbstbewusstsein“ am Ende größer ist. Oder?
Nun ja, von der Relativitätstheorie des Bikini-Bodys zum eigentlichen Thema: Transparenz und das Drunter.

Ich kam auf diese Gedanken gestern – bei 34 Grad im Schatten – während einer langen Ubahn-Fahrt. Eine Frau hatte ein anliegendes Kleidchen an, welches an sich weder durch Form noch durch Farbe alle Blicke auf sich zog. Ein eher unscheinbares Modell. Als die Trägerin sich ans Aussteigen machte und sich zum Ausgang drehte wurden sie sichtbar: die Abrücke ihrer Unterwäsche. Tiefe, einschneidende Linien am Po, die wir doch alle tausende Male gesehen haben.
Nichts Besonderes also. Und doch starrte der halbe Wagon auf die Rückseite dieser Dame, die recht zierlich und wie ich schon sagte unaufgeregt aussah.
Warum löst nun diese Ansicht – und es ist eigentlich egal, WELCHE Art der Unterwäsche wir durch die Klamotten hindurch erkennen können – meist ein Kopfschütteln oder ein Geläster aus?
Ich ertappte mich dabei, dass ich hinsah. Im nächsten Augenblick aber der erleuchtende Gedanke: es ist okay!
Denn:
A) ist Unterwäsche tragen genauso okay wie keine! Wohlfühlen ist wichtiger als etwas tun, was ein Zwicken und Zwacken, ein ständiges Zerren und Ziehen zur Folge hat.
Ein Unterhemd (ACHTUNG DOPPELTSTANDARD!) bei Männern ist auch Unterwäsche. Die darf und soll sogar manchmal sichtbar sein. So what?! Warum ist ein Slip, ein Panty oder all das Andere schlimmer? Oder grotesker?
 
B) es ist jeder/jedem selbst überlassen, welche Präferenz welchem kleinen Kleidungsstück jeweils gilt. Jeder Körper ist da eigen.
Für mich z.B. war es immer eine HORRORvorstellung, mehrere Teile übereinander anzuziehen. Eine Strumpfhose unter die Jeans im Winter war und ist ein klares NEIN! Ich bewundere Frauen*, die das können. Auch solche, die T-Shirt, Pulli und dann noch einen Cardigan übereinander tragen können. Sobald mehr als zwei Teile anzuziehen sind, entscheide ich mich immer dagegen. So bin ich nun mal. Das können viele nicht verstehen, aber wie gesagt: SO WHAT?

C) Frauen* sind KEINE KLEIDERBÜGEL. Sie müssen sich nicht in „Figurschmeichler“ schmeißen. Sie müssen nicht auf Hotpants und Shorts verzichten, weil es irgendwie nach Orangenhaut aussieht. Ich kenne viele junge Mädchen, die schon mit 15 ein schlafferes Gewebe haben als ihre peers. Na und? Sport ist sicher eine vorbeugende Lösung, denn auf der guten Genetik sollten wir uns nicht passiv ausruhen. Aber es ist auch OKAY nichts zu machen und trotzdem die knappen Röckchen zu kaufen.

Dieses ewige „Das steht dir – das steht dir nicht“ nervt. Ich weiß, was mir steht. Ich weiß auch, dass blonde, blasse Mädchen nicht unbedingt in denselben blonden, blassen Farben am besten zur Geltung kommen. Im Fall der Fälle siehts nach Erkältung oder Schlafmangel aus. Aber auch hier: und? Wenn ich „Staubiges Rosé“ gut finde, dann ist das ok. Für mich. Und es sollte auch nicht zu Krampfanfällen in der Bahn führen, wenn der Rock in der Farbe erkennen lässt, was ich drunter trage. Unterwäsche ist Kleidung. Hemden sind Kleidung. Es ist alles eine Form der Hülle und ob Badeanzug, Bikini, Slip oder BH…was macht den Unterschied aus?

Diese hochstilisierte Sexualisierung betrifft Frauen* im Allgemeinen eher. Ich weiß das und es gibt Momente, da überlege ich selbst: ist das wirklich in Ordnung? Und meist nach einer solchen Frage ziehe ich das an, wo sich diese Frage mir nicht stellt. Das ist trotzdem kein Sack, kein Ganzkörperschleier oder auch kein 10-Grad-Outfit bei 35!

Also bitte, liebe Mitschwitzenden, gönnt eurem Körper das, was sich gut anfühlt.

Liebe Damen, lasst es zu! Zieht die weiße Leinenhose an ohne ständig die Wahl eurer Unterwäsche zu hinterfragen und euch zig-mal vor dem Spiegel in Hinteransicht zu betrachten – ob ja nichts durchscheint. Soll es doch. Vulgär ist es NIEMALS!

Und liebe Herren, liebe Achtgebenden, liebe BetrachterInnen: entspannt euch! Es ist ohnehin viel zu heiß zum Aufregen. Also hört auf zu flüstern, hört mit dem unzensierten Kopfkino auf. Viele haben‘s eh schon leichter, einfach Shirt aus und weiter geht’s!

Bewundert doch lieber einmal mehr die Frauen*, die selbstbewusst im roten Pünktchenslip unter dem hellen Röckchen dahinspazieren und das souverän meistern, ohne zu zupfen, wenn ein kleiner Windhauch diesen kurz entblößt.

Nack ist frau erst dann, wenn sie nackt ist.

Und selbst hier ist Contenance bewahren angesagt! Wenn nicht ein paar im Weg stehende Gesetze wären…

❤ KF

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