Und der Herr sprach zu den Knechtinnen… ACHTUNG! AKUTER FALL VON MANSPLAINING!

Mans-what?
“Mansplaining is a portmanteau of the words „man“ and „explaining“ that describes the act of a man speaking to a woman with the assumption that she knows less than he does about the topic being discussed on the basis of her gender.” (Wikipedia)

Wenn unsere männlichen Artgenossen damit anfangen für Frauen und andere, von ihnen abweichende Gruppen das Wort zu ergreifen und dabei auch noch glauben, „deren Position“ einnehmen zu können, da wird mir ganz anders. ANDERS ist auch das Stichwort: denn wir sind nun mal (leider) sehr kategorial zu- und eingeteilt und es ist nicht einfach (wenn nicht gar unmöglich) für jemand anders zu sprechen. Ohne es zu bemerken. Ohne es zu hinterfragen. Und vor allem ohne den eigenen privilegierten Status zu beachten!!

Klar, ich bin große Befürworterin einer sozialen, ergo respektvollen und wechselwirkenden Interaktion. Der Versuch sich in das Gegenüber hineinzuversetzen um besser kommunizieren zu können, der in zahlreichen Interaktionstheorien vorgestellt wird, ist genau das ein VERSUCH. Es ist eine Hilfskonstruktion, die viel mit Sozialisation und den gesellschaftlichen Normen und Konventionen zu tun hat.
Ich kann nicht einfach von mir behaupten, ich wüsste wie sich ein POC-Mädchen in der Interaktion mit ihren weißen Klassenkameradinnen fühlt. Und genau so wenig kann ich – als cis-Frau – nachempfinden wie das Leben von Trans-Gendern so ausschaut! Und es geht auch gar nicht so sehr um das Nachvollziehen oder Nachfühlen. Das Zauberwort könnte Empathie sein. Toleranz. Verständnis und Akzeptanz…naja, es gibt eben nicht DAS eine Zauberwort. Und es gibt somit auch nicht DEN einen Ultra-Menschen, der ALLE repräsentiert.
Was uns HILFT ist SPRACHE. Sprache ist unser Medium Nummer eins. Und sollte auch als Versuch wahrgenommen werden, alle Menschen inklusiv zu behandeln.

Ich bin nun einmal kein „Leser“, kein „Mieter“ und auch kein „Student“. Außerdem möchte ich auch, dass ich als Mitarbeiterin bezeichnet werde. Ist das schon zu viel?

Versteht mich bitte richtig (trotz der Irrungen und Wirrungen unserer deutschen Sprache, die uns doch so viele Chancen bietet, alle miteinzubeziehen!). Das Argument, es sei doch nur Sprache und sie sollte möglichst einfach belassen werden hat seine positiven Seiten. Wenn ich mir Notizen in meinen Block hineinkritzele können sie auch mal politisch nicht ganz korrekt sein.
Aber wenn ich eine Einladung an ALLE MENSCHEN ausspreche, ohne deren Selbst-Positionierung zu kennen, dann sollten sie ALLE verdammt nochmal auch ALLE mitbenannt werden!

RASEND macht mich hier das ständige MANSPLAINING. Männer erklären uns die Welt. Männer wissen, was Frauen brauchen. An dieser Stelle möchte ich erinnern an die beispielhafte Medizingeschichte, in der es vor allem MÄNNER waren, die Frauen wissenschaftlich in den Haushalt verwiesen. MÄNNER meinten, Frauen seien durch ihre Menstruation nicht fähig klar zu denken. MÄNNER sagten, dass Schwule als effeminierte Männer den Frauen gleichkämen und somit – marxistisch gesprochen – Knechte der eigentlichen Herren seien. MÄNNER verorteten sich selbst an die Spitze der Gesellschaft und sprachen für ALLE anderen, als wüssten sie wie sich das GEBÄREN, die HOMOSEXUALITÄT, die WEIBLICHKEIT etc. anfühlt…

MANSPLAINING – fasst das aktuell ganz gut zusammen. Ironisch – was mir besonders zuspricht – greift MANSPLAINING in den alltäglichen Diskurs ein und offenbart die Brisanz einer MÄNNLICH-UNREFLEKTIERTEN Perspektive.

Liebe Männer, wir alle haben das Recht auch eine eigene Meinung. Es ist nur Vorsicht geboten wenn davon die Rede ist, dass „alle Frauen“ es auch okay finden mit „Leser“ oder „Schüler“ angesprochen zu werden.

Wenn es euch zu „sperrig“ ist, das höfliche und korrekte „-innen“ bzw. „_innen“ anzufügen, der ist (und es tut mir nicht leid) schlichtweg ignorant.

Sehr gut und sehr nachvollziehbar für ALLE stellt das der neue Leitfaden zum Sprachhandeln der HU Berlin zusammen. Hier haben sich TATSÄCHLICH Expert_innen mit unserer Sprache auseinandergesetzt und ihre diskriminierenden Fallen enttarnt. Online gibt es den Leitfaden hier:

http://feministisch-sprachhandeln.org/leitfaden/kapitel1/
In meinem Fall verwiesen einige der Mansplainer mich an diese (etwas sehr unqualifizierte) Seite hier: http://www.rhetorik.ch/Feministisch/Feministisch.html
Hier handelt es sich – abgesehen von der Genderinkompetenz – wieder um einen AKUTEN Mainsplain-Fall, wo der Autor für UNS spricht… Wer sich das antun will, ich übernehme keine Haftung bei zerstörter Inneneinrichtung, sollte euch die Aggression überkommen ;).

Meiner Aggression hab ich fürs Erste durch diesen Beitrag Ausdruck verliehen. Ich freue mich über Eure Meinungen dazu.

Liebe Frauen – ich richte das Wort direkt an euch. Ihr, die ihr euch als weiblich, Frau, feminin etc. identifiziert, stimmt bitte ab und/oder hinterlasst einen Kommentar, der eure Position widerspiegelt. Schließlich darf auch ich – als Feministin – mich nicht vor den Meinungen dieser Welt verstecken :).

Liebe Männer – verzeiht mir für den Moment. Ihr seid nicht alle Mansplainer und das sei hier nochmal betont. Dass es eine Menge Feministen gibt, sehe ich täglich an meinem eigenen Bruder. Ich liebe also auch Euch.

Danke, danke, danke.

❤ KF

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