Women against Feminism? Cats are confused…

cat woman beauty

Weil sich nun die halbe Internet-Welt darüber auslässt, fühle ich das Kribbeln auch in meinen Fingern.
Der Blog, der in aller Munde ist, zeigt Frauen, wie stolz selbstgeschrieben Schilder hochhalten, auf denen sie ihre anti-feministische Gesinnung kundtun.
Da stehen dann Dinge wie „Ich brauche keinen Feminismus, weil ich an Gleichberechtigung glaube“ oder (einer meiner Lieblingssprüche) „Ich brauche keinen Feminismus, weil ich kein Opfer bin“…

Wenn sich jemand beim Nicken ertappt – das ist nachvollziehbar und DOCH herrscht Klärungsbedarf. Denn die meisten dieser Aussagen von den Frauen in diesem Blog ließen sich genauso gut auch feministisch-zugewandt formulieren.

Ich bin ebenfalls kein Opfer, und doch brauche ich Feminismus!

Ich glaube fester als an alles auf dieser Welt und jenseits, dass eine Gleichberechtigung möglich ist, und GERADE DARUM brauche ich Feminismus.

Und? Schon überzeugt?

In meiner feministisch-überzeugten Art kann ich diese Frauen durchaus verstehen. Neulich las ich einen Artikel einer Feministin. Sie sagte, früher in ihrer Jugend würde sie sich nie als Feministin bezeichnen, weil sie wollte, dass Jungs sie mögen. Trotzdem setzte sie sich zu Hause dafür ein, dass sie und ihre Schwester dieselben Rechte und Pflichten hatten wie ihr Bruder.
Erst mit dem Einblick und der Erkenntnis, dass es nicht um die Ablehnung von Männern o. Ä. geht, sondern um vieeeeel komplexere Strukturen, „labelte“ sie sich um!

Immer und immer wieder kann ich nur wiederholen: die patriarchal angeordnete Gesellschaft betrifft uns alle, die wir in ihr leben. Männer in deren Rollen haben mindestens genauso viele Probleme wie Frauen. Allerdings ist es ein „Anders“, ein ungleich verteiltes „Anders“.
Und in diesem „Anders“ werden Frauen auf andere Weise wahrgenommen als Männer. Was OK ist, und KEIN GRUND für Herabstufung bzw. Emporhebung.

Und für diese EINEBNUNG von Geschlechterhierarchien stehe ich als Feministin ein. Dabei hat es nichts mit Frust, Aggression oder Männerhass zu tun. Es gibt solche und solche Individuen, denen ich am liebsten ein heißes Feminismus-Bad verschreiben würde. Doch das Belehren, das Bekehren und Umkehren von Meinungen ist nicht meine Aufgabe und vielleicht wäre ich allein dafür nicht stark genug.
Meine Aufgabe sehe ich – wie viele von uns Feminismus-Freund_innen – im Darstellen, Erklären und Offenlegen. Auch das Umdeuten und Plausibel-machen könnten solche kleinen Ziele sein.

Ein Opfer bin ich darum nicht. Aber ich werde auf eine andere Weise zum Opfer gemacht, als z. B. meine männlichen Gegenüber. Und würde ich mich als Opfer beschreiben, wäre ich als Opfer ein anderes, als es ein Mann wäre.

Nun; wäre, hätte, könnte, sollte…

Einen Punkt möchte ich hinzufügen: Feminismus ist ein dynamischer Prozess. Er bleibt nicht derselbe und verändert sich mit uns allen.
Eine Revolutionierung des Begriffs, wie es in einer kürzlich stattgefundenen Diskussion anklang, ist bereits in vollem Gange!
Wir, die heutige Generation von Frauen, haben zum Feminismus gefunden, obwohl uns von allen Seiten zugerufen wird „Ihr habt doch schon alles, was ihr wolltet!“

Das ist doch Indiz genug, dass Feminismus nicht wegzudenken ist! Er muss gehegt, gepflegt und vor allem richtig gedeutet werden, damit auch die, die sich vom Opfer-Frauchen-Dasein distanzieren, etwas damit anfangen können.

Mit den vielen Benachteiligungen von Frauen im intersektionalen Kontext (a la „black“ „female“, „poor“ etc.) fange ich gar nicht erst an…

By the way: viel witziger ist da die Seite der Confused Cats against Feminism 😉

❤ KF

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Das Drunter und Drüber

Das Sommerwetter will es so: helle Kleider, weiße Röcke, auch mal Leinenhosen… Alles, was möglichst kurz, leicht und erträglich ist, ist willkommen. Bei fast allen. Die informelle, außerberufliche Ferienzeit ist erfüllt von Frauen*, die ihr Bestmöglichstes versuchen, um über die Hitze hinwegzukommen.

Die Trendfrage möchte ich nicht verhandeln und zur Modebloggerin werden ebenso wenig. Denn die Devise ist: tragen kann frau das, was gefällt. Was zu ihr passt, in dem SIE sich wohlfühlt. Gestern erst hieß es mal wieder im Mainstream-Fernsehen: „Wenn ich einen Bikini anhabe, dann fühle ich mich einfach nicht wohl. Weil es immer Frauen gibt, die eine besser dafür geeignete Figur haben.“ Uff, nicht wahr? Ich denke jeden Tag AKTIV an diesen netten Leitspruch, der es ziemlich gut zusammenfasst:

PUT A BIKINI ON YOUR BODY AND YOU HAVE A BIKINI-BODY!

So lassen es zahlreiche feministisch Involvierte verlauten und regen zum Widerstand gegen den Bikini-Wahnsinn auf. Eine Bikini-Figur zu haben oder nicht zu haben ist demnach lange überholt. Denn, seien wir ehrlich: alles ist relativ, wenn es darum geht, wer sich wie in welchem Strandoutfit fühlt.
Ich möchte nicht die Hartarbeitenden, Sportlich-Exzessiven und Straight-Forwardistinnen abwerten oder verurteilen. Das macht ihr gut! Alle Maßnahmen für ein ehrliches Ich-fühle-mich-gut-in-meinem-Körper sind begrüßens- und lobenswert.
Aber niemand wird abstreiten, dass die Ziele und Ausgangspunkte sehr variabel sind. In Kleidergrößen ausgedrückt ist von einer 40 auf eine 38 kommen nicht dasselbe wie von einer 42 auf eine 40. Und ich bin mir sicher, dass in beiden Fällen das „Bikini-Selbstbewusstsein“ am Ende größer ist. Oder?
Nun ja, von der Relativitätstheorie des Bikini-Bodys zum eigentlichen Thema: Transparenz und das Drunter.

Ich kam auf diese Gedanken gestern – bei 34 Grad im Schatten – während einer langen Ubahn-Fahrt. Eine Frau hatte ein anliegendes Kleidchen an, welches an sich weder durch Form noch durch Farbe alle Blicke auf sich zog. Ein eher unscheinbares Modell. Als die Trägerin sich ans Aussteigen machte und sich zum Ausgang drehte wurden sie sichtbar: die Abrücke ihrer Unterwäsche. Tiefe, einschneidende Linien am Po, die wir doch alle tausende Male gesehen haben.
Nichts Besonderes also. Und doch starrte der halbe Wagon auf die Rückseite dieser Dame, die recht zierlich und wie ich schon sagte unaufgeregt aussah.
Warum löst nun diese Ansicht – und es ist eigentlich egal, WELCHE Art der Unterwäsche wir durch die Klamotten hindurch erkennen können – meist ein Kopfschütteln oder ein Geläster aus?
Ich ertappte mich dabei, dass ich hinsah. Im nächsten Augenblick aber der erleuchtende Gedanke: es ist okay!
Denn:
A) ist Unterwäsche tragen genauso okay wie keine! Wohlfühlen ist wichtiger als etwas tun, was ein Zwicken und Zwacken, ein ständiges Zerren und Ziehen zur Folge hat.
Ein Unterhemd (ACHTUNG DOPPELTSTANDARD!) bei Männern ist auch Unterwäsche. Die darf und soll sogar manchmal sichtbar sein. So what?! Warum ist ein Slip, ein Panty oder all das Andere schlimmer? Oder grotesker?
 
B) es ist jeder/jedem selbst überlassen, welche Präferenz welchem kleinen Kleidungsstück jeweils gilt. Jeder Körper ist da eigen.
Für mich z.B. war es immer eine HORRORvorstellung, mehrere Teile übereinander anzuziehen. Eine Strumpfhose unter die Jeans im Winter war und ist ein klares NEIN! Ich bewundere Frauen*, die das können. Auch solche, die T-Shirt, Pulli und dann noch einen Cardigan übereinander tragen können. Sobald mehr als zwei Teile anzuziehen sind, entscheide ich mich immer dagegen. So bin ich nun mal. Das können viele nicht verstehen, aber wie gesagt: SO WHAT?

C) Frauen* sind KEINE KLEIDERBÜGEL. Sie müssen sich nicht in „Figurschmeichler“ schmeißen. Sie müssen nicht auf Hotpants und Shorts verzichten, weil es irgendwie nach Orangenhaut aussieht. Ich kenne viele junge Mädchen, die schon mit 15 ein schlafferes Gewebe haben als ihre peers. Na und? Sport ist sicher eine vorbeugende Lösung, denn auf der guten Genetik sollten wir uns nicht passiv ausruhen. Aber es ist auch OKAY nichts zu machen und trotzdem die knappen Röckchen zu kaufen.

Dieses ewige „Das steht dir – das steht dir nicht“ nervt. Ich weiß, was mir steht. Ich weiß auch, dass blonde, blasse Mädchen nicht unbedingt in denselben blonden, blassen Farben am besten zur Geltung kommen. Im Fall der Fälle siehts nach Erkältung oder Schlafmangel aus. Aber auch hier: und? Wenn ich „Staubiges Rosé“ gut finde, dann ist das ok. Für mich. Und es sollte auch nicht zu Krampfanfällen in der Bahn führen, wenn der Rock in der Farbe erkennen lässt, was ich drunter trage. Unterwäsche ist Kleidung. Hemden sind Kleidung. Es ist alles eine Form der Hülle und ob Badeanzug, Bikini, Slip oder BH…was macht den Unterschied aus?

Diese hochstilisierte Sexualisierung betrifft Frauen* im Allgemeinen eher. Ich weiß das und es gibt Momente, da überlege ich selbst: ist das wirklich in Ordnung? Und meist nach einer solchen Frage ziehe ich das an, wo sich diese Frage mir nicht stellt. Das ist trotzdem kein Sack, kein Ganzkörperschleier oder auch kein 10-Grad-Outfit bei 35!

Also bitte, liebe Mitschwitzenden, gönnt eurem Körper das, was sich gut anfühlt.

Liebe Damen, lasst es zu! Zieht die weiße Leinenhose an ohne ständig die Wahl eurer Unterwäsche zu hinterfragen und euch zig-mal vor dem Spiegel in Hinteransicht zu betrachten – ob ja nichts durchscheint. Soll es doch. Vulgär ist es NIEMALS!

Und liebe Herren, liebe Achtgebenden, liebe BetrachterInnen: entspannt euch! Es ist ohnehin viel zu heiß zum Aufregen. Also hört auf zu flüstern, hört mit dem unzensierten Kopfkino auf. Viele haben‘s eh schon leichter, einfach Shirt aus und weiter geht’s!

Bewundert doch lieber einmal mehr die Frauen*, die selbstbewusst im roten Pünktchenslip unter dem hellen Röckchen dahinspazieren und das souverän meistern, ohne zu zupfen, wenn ein kleiner Windhauch diesen kurz entblößt.

Nack ist frau erst dann, wenn sie nackt ist.

Und selbst hier ist Contenance bewahren angesagt! Wenn nicht ein paar im Weg stehende Gesetze wären…

❤ KF

„Das musst du teilen!“

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern wie meine Mutter mir immer und immer wieder mantra-artig einredete: „Du musst das mit deinem Bruder teilen!“ Oder „Das ist für euch, teilt es untereinander auf!“
Heute zucke ich immer noch zusammen, bei diesen Bildern in meinem Kopf. Da bekommt man mal DIE Lieblingsfruchtgummis, DAS Lieblingseis oder ausnahmsweise eine Cola – und BÄÄM! darf sie nicht allein genießen. So richtig egoistisch, richtig und ausgiebig, ohne Rücksicht auf Verluste. In meinem Fall war das eher die hortende Freude: ich ließ gern mal das „gute Zeug“ liegen um länger etwas davon zu haben. Wie wunderbar war es auch am nächsten Tag zu wissen, da oben im Regal warten das süße und seltene Glück auf mich.
Nun ja, es kam tatsächlich nicht oft zu diesem Traum von Glücksgefühl. Denn ich musste ja teilen. Und um ganz sicher zu sein, dass mein Anteil auch wirklich mir zukommt, musste der sofort vertilgt werden.
Was lernte ich daraus: teilen ist nicht so richtig meins!
Ein weiteres Teilungs-Trauma machte es dann komplett. An meinem 5. Geburtstag kam ich mit der niegelnagelneuen Barbiefälschung „sold in Russia“ in den Kindergarten. Nicht um anzugeben, sondern um mit den anderen zu spielen, die ihre auch dabei hatten. Das war eben so: es gab nicht den Barbieüberfluss wie bei meinen deutschen Freundinnen später, die ihre unausgepackten geschenkten Puppen in ihren Schränken stapelten. Meine geschenkte Barbie war gerade aus ihrem Karton geschlüpft, hatte noch ungewaschene glänzende Haare und war – wie ich schon sagte – reinstes Kinderglück! Eine meiner Gespielinnen fragte mich damals, ob wir nicht für einen Tag tauschen sollten? Am nächsten Tag würden wir uns sowieso wieder am selben Ort treffen und zurücktauschen. Da ich damals noch ziemlich sozial unterwegs war und an das Teil-doch-mit-den-anderen-Muss dachte, stimmte ich zu. Was konnte über Nacht schon geschehen?
Sehr viel. Leider. Abgesehen davon, dass meine Mutter mir zu Hause kräftig die Leviten las, kam meine Puppe zurück wie nach zwei-drei 100-Grad-Koch-Waschgängen inklusive Chlorspülung. Glänzende Haare gab es keine mehr. Stattdessen zierten den Kopf viele große Knoten, die nicht nur unkämmbar waren, sondern aussahen, als hätte die Hitze sie zusammengeschweißt.
Das war genug!
Teilen wurde zum Hasswort. Ich wusste, ich bewege mich da auf gefährlichem Terrain. Das Verwerfen oder Verachten gesellschaftlicher Erwartungen fiel mir lange schwer. Es war klar, dass mich seeehr viele Familienkonflikte erwarteten und dass mein heulender kleiner Bruder sein Übriges dazu tun würde. Doch ich blieb dabei: sobald ich selbstständig etwas kaufen könnte, würde ich NICHT MEHR TEILEN!
Es begann mit den Tütchen voller Süßigkeiten nur für mich und hörte auf bei wunderbar-teuren Stiften (das Heiligste für mich im Alter von 6-12).
Während der Pubertät und danach hatte ich noch ein paar Mal das „Vergnügen“ mich von meinem Rechthaben zu überzeugen. Ab und an gab ich mir einen Ruck, wenn Freundinnen sich etwas zum Anziehen borgen wollten. Ich dachte: ach komm, die tun das doch auch für dich, wenn du fragst! Ich fragte aber nie… nur für die Akte! Wie meine wahrsagerischen Kräfte es prophezeiten waren die Klamotten hin, wenn ich sie zurückbekam. Wenn!
Vielleicht liegt es an mir, vielleicht bekomme ich einfach nur das, wovor es mir am meisten graust. Fakt ist aber, ich kann es nur dann kontrollieren, wenn ich es verhindere. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Ich löste „kritische“ Situationen damit, dass ich etwas doppelt kaufte: Bücher, Getränke oder das immer noch gern gegessene Süße. Um nicht zu teilen und doch nicht ganz so asozial zu sein.

Das ist eine lange Heranführung biographischer Art an das eigentliche Problem: die share economy!
Heute in aller Munde ist es doch wieder das alte neue Prinzip des kollektiven Organisierens und Verteilens.
Ich kenne das Kollektive nur zu gut. In Russland klang diese Art zu arbeiten nur langsam ab, nachdem es mit der Sowjetunion vorbei war. Dieses „Alles gehört allen“ verbunden mit meinen Erfahrungen war also nicht wirklich attraktiv für mich. Ich träume ja vom „Alles meins!“
Es ging nie um Luxus, oder das Mehr-als-die-anderen. Mir ging es um wenig, aber bitte individuell.

Heute ist es ein wiederaufblühender Trend. Car Sharing, Apartment Sharing, Bike Sharing, Dog Sharing, Bag Sharing, Designer Dresses Sharing, Werkzeug Sharing ;)… Sprich: alles kann geteilt warden, denn (und ich zitiere so ein Startup-Unternehmen, das dem Gemeinwohl zu dienen vermag) WHY OWN IT?

Tja, warum eigentlich? Wozu brauch ich z.B. täglich eine Bohrmaschine? So viele Löcher sind nicht zu bohren in meiner Einzimmerwohnung. Warum tue ich also nicht etwas Gutes und teile sie mit Bedürftigen? Eine durchaus sinnvolle Idee. Clever ist dabei, dass auch ich mir von anderen das Eine oder Andere leihen kann.

Uff, wenn da nicht meine Voreingenommenheiten wären. Was ist mit Hygiene? Was ist, wenn ich diese Bohrmaschine kaputt zurückbekomme? Kriege ich dann nur eine kleine Entschädigung? Oder bin ich kulant und sage „Macht nichts“? Wenn ich mir nur vorstelle, da schläft jemand eine Woche in meinem Bett. Kein Spiritus der Welt kriegt diese Gedanken aus meinem Kopf und der Matratze.
Wahh…und wenn ich mein Fahrrad teile und es doch genau jetzt in 5 Minuten plötzlich brauche? Dann ärgere ich mich und der Moment ist versaut.

Sicher, viele können das. Viele sind durch und durch Gutmenschen, soziale WohltäterInnen. Sie nehmen das mit dem Hygienischen nicht so eng. Manche verdienen Geld damit und andere freuen sich, dass es diese manchen gibt. Gut für sie.

Ich werde – solange ich noch irgendwie über die Runden komme – nicht zur aktiven Sharerin. So viel zum Teilen hätte ich nicht – materiell gesehen.

Meine Gedanken teile ich gerne (mit) – wer also ein paar neue braucht, kann sich gern bedienen. Und das mit dem Wiedergeben ist ohnehin nicht so termingebunden.

Aber Scherz beiseite. Teilen ist super, wenn es um mehr als nur das Bohren von Löchern  oder den Glamourauftritt im Gucci-Mini geht, den frau sich niemals leiten würde.

Was ist mit Kinderbetreuung? Was ist mit Pflege von alten und kranken Familienmitgliedern? Oder was ist mit den Repair Cafés – Treffen, bei denen HobbybastlerInnen und ProfielektrikerInnen kaputte Elektrogeräte reparieren, und das entgeltlos. Sie teilen ihr Wissen.

Ich wünsche mir eine kollektiv organisierte Kinderbetreuung, bei der sich Mütter und Väter abwechseln. Einen Gegenentwurf zu den fehlenden Kitaplätzen, den teilweise unzumutbaren Verhältnissen dort, fehlenden ErzieherInnen und und und.
Dasselbe gilt für die organisierte Pflege von Angehörigen. Ich weiß nicht, ob ich es über mich bringen würde oder könnte meine eigene Mutter irgendwo „auszuliefern“. Wenn ich aber nicht allein bin, mir verständnisvolle Menschen beistehen, die in derselben Situation sind? Könnten wir uns nicht diese „Arbeit“ teilen? Sozusagen als Protest und Empowerment in einem? Gegen die schlechten Einrichtungen oder deren unbezahlbare Alternativen und für einen Zusammenhalt, für Beistand und Unterstützung.

Diesem Teilen bin ich durchaus zugewandt. Dem Teilen von Wissen, von Kraft, von Energie, die unbedingt zu einer/einem zurückkommen wird – vielleicht sogar vervielfacht!

Und manchmal – aus feministischer Sicht – ist auch das (Mit)Teilen von Erfahrungen sehr viel wert! Das zeigt sich an den zahlreichen Frauengruppen zu Beginn der zweiten Welle der Frauenbewegung. Das Treffen, das Austauschen, das Miteinander und die Ähnlichkeit des Erlebten und Erfahrenen – trugen nicht unwesentlich zur Stärkung dieser Frauen bei und somit zum Vorstoß der Frauenrechte…

❤ KF

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Feminist Father?

Und der Herr sprach zu den Knechtinnen… ACHTUNG! AKUTER FALL VON MANSPLAINING!

Mans-what?
“Mansplaining is a portmanteau of the words „man“ and „explaining“ that describes the act of a man speaking to a woman with the assumption that she knows less than he does about the topic being discussed on the basis of her gender.” (Wikipedia)

Wenn unsere männlichen Artgenossen damit anfangen für Frauen und andere, von ihnen abweichende Gruppen das Wort zu ergreifen und dabei auch noch glauben, „deren Position“ einnehmen zu können, da wird mir ganz anders. ANDERS ist auch das Stichwort: denn wir sind nun mal (leider) sehr kategorial zu- und eingeteilt und es ist nicht einfach (wenn nicht gar unmöglich) für jemand anders zu sprechen. Ohne es zu bemerken. Ohne es zu hinterfragen. Und vor allem ohne den eigenen privilegierten Status zu beachten!!

Klar, ich bin große Befürworterin einer sozialen, ergo respektvollen und wechselwirkenden Interaktion. Der Versuch sich in das Gegenüber hineinzuversetzen um besser kommunizieren zu können, der in zahlreichen Interaktionstheorien vorgestellt wird, ist genau das ein VERSUCH. Es ist eine Hilfskonstruktion, die viel mit Sozialisation und den gesellschaftlichen Normen und Konventionen zu tun hat.
Ich kann nicht einfach von mir behaupten, ich wüsste wie sich ein POC-Mädchen in der Interaktion mit ihren weißen Klassenkameradinnen fühlt. Und genau so wenig kann ich – als cis-Frau – nachempfinden wie das Leben von Trans-Gendern so ausschaut! Und es geht auch gar nicht so sehr um das Nachvollziehen oder Nachfühlen. Das Zauberwort könnte Empathie sein. Toleranz. Verständnis und Akzeptanz…naja, es gibt eben nicht DAS eine Zauberwort. Und es gibt somit auch nicht DEN einen Ultra-Menschen, der ALLE repräsentiert.
Was uns HILFT ist SPRACHE. Sprache ist unser Medium Nummer eins. Und sollte auch als Versuch wahrgenommen werden, alle Menschen inklusiv zu behandeln.

Ich bin nun einmal kein „Leser“, kein „Mieter“ und auch kein „Student“. Außerdem möchte ich auch, dass ich als Mitarbeiterin bezeichnet werde. Ist das schon zu viel?

Versteht mich bitte richtig (trotz der Irrungen und Wirrungen unserer deutschen Sprache, die uns doch so viele Chancen bietet, alle miteinzubeziehen!). Das Argument, es sei doch nur Sprache und sie sollte möglichst einfach belassen werden hat seine positiven Seiten. Wenn ich mir Notizen in meinen Block hineinkritzele können sie auch mal politisch nicht ganz korrekt sein.
Aber wenn ich eine Einladung an ALLE MENSCHEN ausspreche, ohne deren Selbst-Positionierung zu kennen, dann sollten sie ALLE verdammt nochmal auch ALLE mitbenannt werden!

RASEND macht mich hier das ständige MANSPLAINING. Männer erklären uns die Welt. Männer wissen, was Frauen brauchen. An dieser Stelle möchte ich erinnern an die beispielhafte Medizingeschichte, in der es vor allem MÄNNER waren, die Frauen wissenschaftlich in den Haushalt verwiesen. MÄNNER meinten, Frauen seien durch ihre Menstruation nicht fähig klar zu denken. MÄNNER sagten, dass Schwule als effeminierte Männer den Frauen gleichkämen und somit – marxistisch gesprochen – Knechte der eigentlichen Herren seien. MÄNNER verorteten sich selbst an die Spitze der Gesellschaft und sprachen für ALLE anderen, als wüssten sie wie sich das GEBÄREN, die HOMOSEXUALITÄT, die WEIBLICHKEIT etc. anfühlt…

MANSPLAINING – fasst das aktuell ganz gut zusammen. Ironisch – was mir besonders zuspricht – greift MANSPLAINING in den alltäglichen Diskurs ein und offenbart die Brisanz einer MÄNNLICH-UNREFLEKTIERTEN Perspektive.

Liebe Männer, wir alle haben das Recht auch eine eigene Meinung. Es ist nur Vorsicht geboten wenn davon die Rede ist, dass „alle Frauen“ es auch okay finden mit „Leser“ oder „Schüler“ angesprochen zu werden.

Wenn es euch zu „sperrig“ ist, das höfliche und korrekte „-innen“ bzw. „_innen“ anzufügen, der ist (und es tut mir nicht leid) schlichtweg ignorant.

Sehr gut und sehr nachvollziehbar für ALLE stellt das der neue Leitfaden zum Sprachhandeln der HU Berlin zusammen. Hier haben sich TATSÄCHLICH Expert_innen mit unserer Sprache auseinandergesetzt und ihre diskriminierenden Fallen enttarnt. Online gibt es den Leitfaden hier:

http://feministisch-sprachhandeln.org/leitfaden/kapitel1/
In meinem Fall verwiesen einige der Mansplainer mich an diese (etwas sehr unqualifizierte) Seite hier: http://www.rhetorik.ch/Feministisch/Feministisch.html
Hier handelt es sich – abgesehen von der Genderinkompetenz – wieder um einen AKUTEN Mainsplain-Fall, wo der Autor für UNS spricht… Wer sich das antun will, ich übernehme keine Haftung bei zerstörter Inneneinrichtung, sollte euch die Aggression überkommen ;).

Meiner Aggression hab ich fürs Erste durch diesen Beitrag Ausdruck verliehen. Ich freue mich über Eure Meinungen dazu.

Liebe Frauen – ich richte das Wort direkt an euch. Ihr, die ihr euch als weiblich, Frau, feminin etc. identifiziert, stimmt bitte ab und/oder hinterlasst einen Kommentar, der eure Position widerspiegelt. Schließlich darf auch ich – als Feministin – mich nicht vor den Meinungen dieser Welt verstecken :).

Liebe Männer – verzeiht mir für den Moment. Ihr seid nicht alle Mansplainer und das sei hier nochmal betont. Dass es eine Menge Feministen gibt, sehe ich täglich an meinem eigenen Bruder. Ich liebe also auch Euch.

Danke, danke, danke.

❤ KF

Auto-ethno-grafisch?

Heute mal eine wirklich kurze Intervention in die über-und-über-volle Welt des Blogs:

Was heißt es, autoethnografisch zu arbeiten? Reicht es nicht schon, wenn es abertausende Autobiografien auf dem Buchmarkt gibt? Und wie zum Henker lässt sich das dann noch mit Ethnografie und womöglich sogar Ethnologie vereinbaren?

Nur keine Sorge, ich habe nicht vor zu jeder dieser Fragen einen gewöhnlich langen (für mich hier) Monolog abzuhalten.

Es ist nämlich so: seit langem beschäftigt mich die Methode der Autoethnografie – einer (für mich zumindest) neuen Herangehensweise, Feldforschung zu betreiben. Simpler ausgedrückt: ich schreibe über mich, meine Erfahrungen und meine Interessen. Ich benenne dabei genau, wie ich Zugang zu bestimmten Personen, Gruppen oder Orten erlangt habe, warum mich das ganze überhaupt angeht? Und am wichtigsten: ich „oute“ mich sozusagen als „persönlich betroffene“ Forschende! Das ist kein negativ konnotiertes Outing, welches ich unter Druck vornehme und auch die Betroffenheit ist keineswegs die eines Opfers – zumindest nicht zwangsläufig.
Meist fallen bei streng soziologischen Feldeinsichten in Beobachtungen und so etwas diese persönlichen Bindungen und Zugänge, Beweggründe und Absichten einfach flach. Sie werden verschwiegen, zu ihnen bekennt man sich einfach nicht. Das nennen wir dann brav OBJEKTIVITÄT und METHODENTREUE. Kann man machen…

Sollten wir aber nicht ehrlich sein – ehrlich mit uns und auf jeden Fall auch ehrlich mit denen, die wir belehren und die wir informieren?
Ich meine JA! Denn mit der Hand auf dem Herzen gebe ich gerne zu, dass mich meine Forschungsfelder zu etwa 99,5% selbst betreffen. Diese Betroffenheit ist mal biografisch, mal liegt sie etwas weiter außen, mal ist sie eine häufige Beobachtung und mal eine Erinnerung an jemand oder etwas. Die restlichen 0,5 % sind dann dem akademischen Regime geschuldet, welches sogar geisteswissenschaftliche Studis ab und an in die Schranken des thematisch wünschenswerten weist.
Ich nehme die dann gern in Kauf, da auch das zu einer Horizonterweiterung führt und schließlich wieder in meine Biografie mit einfließt… der Kreis ist geschlossen und die 100 Prozent machen schließlich mich als Person, als Forscherin, als Erzählerin, als Informantin, als Infragestellerin, als Interessierte und natürlich als FEMINISTIN aus!

Was mich heute zu dieser Gedankenwolke bringt ist eine wunderbare Frau, die ebenso ethnografisch forscht und zahlreiche Feldstudien hinter sich hat. Sie stellte nach ihrem Vortrag die Frage, wie sehr die eigenen Gefühle und Träume mit in die ethno-Arbeit einfließen sollten und dürften?
Ich rief genau das aus, was ich hier bereits dargestellt habe – AUTO-ETHNOGRAFIE YEAH!!
Was folgte war eine Überraschung, ein Schock: die Wissenschaftlerin offenbarte ihre eigene Lebens- und Leidensgeschichte, ihren Kampf mit dem Krebs, die Chemotherapie(n) und den unerklärlichen Sieg, kurz vor der Kapitulation. Durch genau diese Erfahrung, welche ihr weder jemand ersparen konnte noch jetzt nehmen kann, fand sie in ihr heutiges Forschungsfeld. Ihre Leidenschaft für Kulturen, Traditionen, Glaubensrichtungen und Lebenskünste gab ihr einerseits Kraft und Motivation weiterzumachen, und andererseits wurde diese Arbeit zu einem Teil von ihr. Sie inkorporierte ihre Forschungsinteressen und wurde von der Außenseiterin im Feld zu einer dankbaren Insiderin. Sie hat die Methoden ihrer Forschung nicht vergessen oder verworfen. Sie gab lediglich einen Teil der ach-so-hyper-objektiven Distanz auf und gewann dadurch Einsichten, die sie niemals hätte haben können als „teilnehmende Beobachterin“ wie sie im Buche steht. Mehr noch: sie hätte sie nicht verstanden. Sie hätte sie nicht an sich heran gelassen. Sie wäre nicht mit „Leib und Seele“* dabei und darin (*Dichotomie ist metaphorisch und eigentlich von mir zutiefst verschmäht).

Heute ist sie gesund. Sie lebt und ist glücklich mit sich, mit ihren Erfahrungen, die sie so viel reicher machen. Sie bereichern auch ihre Arbeit, die sie jetzt noch viel intensiver durchdringen kann und mit der sie sich identifizieren kann und darf.

Bei der Autoethnografie geht es nicht um die eigene Wiedergabe des Lebens. Das Leben ist Teil dieser Methode. Wir sind immer mitten drin – das sagte schon Donna Haraway! Unser Körper, unser Sein, unsere Gedanken und Gefühle sind stets mit uns. Sie wirken sowohl bei dem Kartoffelbauern, wie bei der Polizistin, dem Flugbegleiter, der Physikerin, der Ingenieurin… Sie können nicht per „Objektivität-on/off“ Knopf reguliert werden. Wer das immer noch von sich behauptet ist ein/e Heuchlerin. So möchte ich nicht arbeiten. Ich forsche gern, immer, überall – hätte ich meinen Körper, mein Gehirn, meine Beine, meine Augen nicht, wie könnte ich dann diese weltlichen Phänomene erfassen? Sie interpretieren? Sie kritisieren oder dekonstruieren?

Korrekt! Ich könnte es nicht…

❤ KF