Kirke’scher Feminismus oder Mythos bleibt Mythos?

War Kirke eine Feministin?

Als ich heute seit vielen Jahren mal wieder über die Abenteuer von Odysseus stolperte, kam mir Kirke als DIE antike Feministin vor!

Denn es ist ja bekanntlich so:

a) Kirke ordnet sich keinem Mann unter

b) widerstrebt allen früh-patriarchalen Regen für „gewöhnliche“ Frauen

c) sehnt sich nicht einfach blind nach Liebe oder danach, geliebt zu werden

d) verachtet Männer, die sich ihr unterordnen, sich in sie verlieben und schließlich hingeben

e) ist selbstständig und zweifelt nicht im Geringsten an sich

UND F) SIE VERWANDELT MÄNNER, DIE IHREM WESEN ERLIEGEN IN HAUSSCHWEINE, DIE SICH DANN FRIEDLICH IM DRECK SUHLEN 🙂

Mich hat diese Haltung meiner antiken Göttin sehr bewegt und aufgerüttelt. Ich habe zunächst gedacht: JA!

Dennoch: im antiken Griechenland waren Frauen Menschen zweiter Klasse, die sich stets über ihren Mann oder ihre männlichen Familienangehörige, wie Väter und Brüder, definierten. Mehr noch, sie hatten nicht nur häuslich zu „dienen“, sie sollten auch zum männlichen Selbstbewusstsein beitragen. Hinter jedem Mann steht eine starke Frau, und so etwas.
Das ist auch vorher klar gewesen.
Aber da wären meine nächsten Gedanken, die nach der feministischen Euphorie aufkamen.
Ist dieses – betont GÖTTLICHEN Frauen vorbehaltene – Verhalten und Verhältnis zu Männern feministisch zu deuten? Oder grenzt das bereits aus psychische Störung, Narzissmus und Rachegelüste? Denn von Feminismus oder selbstbestimmten Frauen war bei Homer natürlich noch nicht die Rede, auch wenn er in seiner Odyssee durchaus gesellschaftskritisch auszulegen ist.
Ergo: wenn schon interpretieren, dann aus der heutigen Zeit heraus. Das taten Horkheimer und Adorno auch. Nur lag deren Augenmerk eher auf dem patriarchalen Charakter, dem sich Mann und Frau in der Antike schon zu fügen hatten.

Weibliche Figuren waren meist nur in der Lage aus der Reihe zu tanzen, wenn sie göttlich oder zumindest halb-menschlich waren. Indem die Zauberei und Wahrsagungstechniken beherrschten, bewegten sie sich in gewisser Hinsicht zwischen zwei Welten und waren von der harschen Kritik an ihrer Weiblichkeit ausgenommen.
Das Orakel von Delphi ist  noch so ein Beispiel weiblicher Allmacht, weiblicher Kraft und überragender Fähigkeit, Männer zu „bezwingen“.

Zurück zu Kirke, die Liebhaber zu Schweinen machte, weil sie ihr zu ausgeliefert waren. Sie war davon überzeugt, dass diese Männer ihr nicht gewachsen waren. Und sie wollte unbedingt diejenigen für sich gewinnen, die ihr widerstehen konnten. Es war also ein Kreislauf, der kein (aus romantisch-kitschiger-hollywood-love-story-Sicht) gutes Ende nehmen konnte.
Entweder es gab ein Schwein mehr in ihrem Vorhof oder sie blieb unzufrieden und unbefriedigt…

Irgendwie ist sie mir noch immer sympathisch. Dieses wehleidige, harte und trotzige an Kirke lässt mein Herz ein bisschen aufflattern. Auch wenn ich nun einmal mehr schwarz auf weiß sehe, dass dieses selbstzerstörerische und abweisende Dasein als Selbstschutz zu deuten wäre. Als psychische Störung fast, die heute sicherlich auf irgendwelche Eltern-Traumata zurückgeführt werden würde. Oder schlechte Erfahrungen? Oder Geschwister-Neid-Probleme?

WHO CARES?

Ich fasse mir an mein –  immer noch flattriges – Herz und sage: KIRKE’SCHER FEMINISMUS RULES!
…und das mit dem in Schweine verwandeln muss heute noch nicht mal mehr sein, da viele diesem niedlichen Getier bereits in vielerlei Hinsicht ähneln ;).

❤ KF

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