„Du bist etwas ganz Besonderes“…

… oder „Jemanden wie Dich habe ich noch nie getroffen“  – solche und ähnliche Sätze haben wir doch alle irgendwie schon mal gehört, wenn nicht gar selbst gesagt.
Selbst ich könnte jetzt nicht mit Sicherheit sagen, ob ich nicht auch das eine oder andere Mal in diese Richtung gehende Dinge von mir gegeben habe.
Worum es hier aber geht sind ganz explizit DIESE Aussagen. Phrasen, die MICH und DICH als DIE EINE unverwechselbare, ultra-individuelle und mega-einzigartige Person identifizieren und damit auf ein Podest heben, welches im Grunde leider nicht existiert. Weil: sind wir nicht alle so unverwechselbar-individuell? Abgesehen von den uns vereinenden kleinen Gleichheiten, wie Frauen können nicht einparken… ARGHHH!!

Zu aller Erst meine kurze Positionierung für das Wohl aller: ich möchte über meine Erfahrungen mit „Du bist etwas ganz Besonderes!“ sprechen, die ich als hetero-cis-Mädchen gemacht habe. Mit hetero-cis-Jungs – zumindest meine ich diese als solche wahrgenommen zu haben und beziehe diese Informationen aus deren eigenen Angaben.
Den meisten hätten ein paar „außer-Reichweite-Erfahrungen“ sicherlich gut getan um ein bisschen mehr von deren Tunnel-Blick-Welt zu sehen. Das aber nur nebenbei… 🙂

„Du bist etwas ganz Besonderes“, „Du bist anders als alle anderen“, „Du bist die EINZIG WAHRE“ und so weiter und so fort. Sicher, ich gebe gerne zu in romantischen Momenten, an denen ich meine Kitsch-Kritik im Zaum halten konnte und wollte hörte sich das doch gar nicht so übel an. Wer hört nicht gerne diese bestätigenden Worte, die wiederum nichts bedeuten. Das Gute und wahrscheinlich Beste daran ist, dass ich nie wirklich nachhaken brauchte. Denn Komplimente seitens geliebter und geschätzter Personen sind Zucker. Und dann auch noch solche, die kein Aber beinhalten. Die nicht durch ihren dualistischen Aufbau bei näherem Hinsehen doch nicht so schmeichelhaft sind. Oder aber so relativ, dass sie statt Glücksgefühle eher Würgereiz herbeirufen. Etwas Besonderes sein und als solches ENDLICH erkannt zu werden… Das spricht KLAR für mich! Und nochmal spricht es für MICH, weil es mich in meiner Partnerwahl bestätigt. ER ist demnach auch DER BESTE :). Denn ER erkennt DAS BESTE in MIR. Klar, oder? Logisch, self-fulfilling und zuuuum daaaaahinschmeeelzen.

Okay, ich muss euch dennoch enttäuschen. Wenn jemand immer noch in diesen Worten aufgeht und drauf pfeift, was dahinter stecken könnte, sollte weglesen. Oder weiterhin dem Gedanken des „Bei uns ist alles anders!“ verhaftet bleiben. Treu bleiben. What ever.

Für mich hat sich das „Du bis etwas ganz Besonderes“-Szenario mehrfach wiederholt und ich unterstelle dem nun eine auto-ethnografische-Empirie.

Was steckt hinter dem „Du bist etwas ganz Besonderes!“:

1.            Ein perfektes Kompliment, ohne WENN und ABER. Frau kann meist nichts Kritisches daran
erkennen und lässt es in ihren Ohren noch lange süßlich nachklingen. Ja, ja, ja! Ich bin es!
Endlich!

2.            Mann weiß um 1.

3.            Nehmen wir an, es stimmt. Die Aussage ist genau so gemeint: Jemanden wie Dich habe ich
noch nieeeee nieeee nieeee gekannt und kennen gelernt. Doch was heißt das im
Umkehrschluss für die MISS EINZIGARTIG? Ich bedauere: nur WORTE.

4.            Oder wenn 3. Doch zu banal ist und es nicht bloß leere Worte sind, dann hier der Selbsttest:
– Hattet ihr das Gefühl, einem Standard-Programm ausgesetzt zu sein?
– Wurden die Cafes/Restaurants/Parks vielleicht wie selbstverständlich angepeilt worden? Als
wären es Orte seines Reviers? Er wollte sie auch euch zeigen?
– Werdet ihr wie auf Autopilot miterwähnt (meine Freundin, Mietze, Süße u.ä.)?
– Wird für euch mitbestellt? Oder wird euch regelmäßig etwas empfohlen, als wäre
es selbstverständlich? A la:
„Ich kenne da diese/s…! Du musst das probieren!“
„Das ist das BESTE/COOLSTE/AUßERGEWÖHNLICHSTE…!“
– Fragt euch: wenn dieses Ganze soooo speziell ist, warum bleibt es das immer und immer
wieder?

Diese Welt ist ohne Frage eine wunderbare. In höchsten philosophischen Tönen stimme ich dem zu. Und wenn ICH zu einem dieser WUNDER der WELT zähle, weil ich anders bin und einzigartig, warum ist es egal, was diese Einzigartigkeit ausmacht?

Hört er MIR zu? Gibt er MEINER individuellen Persönlichkeit Raum, mich mitzuteilen? Gibt er MEINEN Ansichten eine Chance, ihm etwas Neues zu zeigen?
Kurz: lässt er sich überhaupt auf mich ein?

Da wird die Frage nach dem „Besten, was ihm je passiert ist“ nebensächlich. Ob es nun noch irgendwo auf der Erde ein durch und durch mit mir identisches Mädchen gibt, hat keine Bedeutung. Auch wenn diese Einsicht wesentlich an Romantik einbüßt.
WAS soll ich mit dieser HOSENTASCHEN-ROMANTIK anfangen, wenn diese doch wieder im SUPER-EGO des Misters mündet?

Wenn euch das auch bekannt vorkommt, dann ist das sicher noch keine tödliche Diagnose. Es gibt viele Floskeln und Routinen, die heute unsere serielle Monogamie bietet und fordert. Da ist es schwierig zwischen meiner eigenen Idee und dem common sense zu trennen. Vielleicht ist es auch gar nicht möglich und nötig. Das Dilemma ist lösbar. Diesmal wirklich GANZ INDIVIDUELL!

Das ist kein 08/15-Rezept. Aber ich habe für mich beschlossen, dass ich mich nicht an das Bäumchen-wechsle-dich-Prinzip halte. Ich bin keine Missionarin. Ich bin nicht dafür da, um Erziehungsarbeit an meinen Partnern zu leisten. Wir hatten Spaß. Das reicht mir. Gern können sie der oder dem Nächsten wieder vom Besonderheits-Status erzählen und sich daraufhin mit ihnen im bekannten ULTRA-HIPPEN-DAS-MUSST-DU-PROBIEREN-IN-LOKAL wiederfinden…

Für mich gibt es da einen feinen kleinen Widerspruch, der für andere sicherlich gar nicht sichtbar ist oder eben dazu gehört – vielleicht sogar schön ist. Ich werde nicht gern an der Hand geführt und führe meine „Jungs“ auch nicht gern wie Kinder herum. Ich liebe die Selbstständigkeit, die so selbstständig ist, dass ein Partner oder die Partnerin ebenfalls über eine solche verfügen darf. Da kümmert es mich wenig, ob ich ach, so besonders bin! Ein bisschen anders sind wir doch alle :).

In diesem Sinne,

❤ KF

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