Schööööönheeeeeit (!) (?) Von Geschlechterklischees im Grundschulalter

Heute möchte ich eine mir widerfahrene Geschichte erzählen. Sie handelt, wie so oft, von Kindern. Nun – es sind eigentlich schon prä-pubertäre Kinder oder noch genauer: seeeehr kurz vor dem Einbruch der Hormone stehende Kinder. Dennoch würde ich sie nicht mit dem Schreckgespenst von Wort der  jungen „Erwachsenen“ bezeichnen.  DAS sind sie sicher nicht und müssen es auch nicht sein. Was allerdings definitiv angebracht wäre – und damit komme ich zu meiner These dieses kleinen Belehrungstextes – ist eine umfassendere Beschäftigung mit unserem geliebten und gehassten Geschlechterdualismus. Auch wenn ich ABSOLUT kein Fan dessen bin, und auch die Binarität verschmähe, die uns Männern und Frauen anhaftet oder nachgeschmissen, hinterhergerufen oder werbe-plakativ vorgeworfen wird, muss die Aufarbeitung bei unseren Jüngsten beginnen. Sie sollte stattfinden. In Schulen und Kitas. Zu Hause und auf der Straße. Denn was ich heute erleben musste, brachte mich erst zum Schmunzeln und artete dann – zu großem Unverständnis und allseitigen Verwunderung – in beinahe hysterischem Gelächter aus, das ich krampfhaft zu unterbinden versuchte. Denn ich als Lehrende MUSS doch wenigstens in diesem Fall vorbildlich Contenance wahren, oder?
Gut, genug des Vorspiels. Hier kommt die Story:
Es geht um einen meiner Schüler, der wirklich und wahrhaftigst nur noch einen Tip-Top-Schritt (entweder Tip oder Top, nicht zwei davon) vor dem Verstandsverlust entfernt ist, der dann mit Mädchen (oder Jungen), mit Erwachsenenfilmchen, mit coolen und uncoolen Klamotten und mit der strikten Teilung in Nerds, Hipster und was nicht noch so auf dem Schulhof herumschwirrt zusammenhängt. Dieser etwas tollpatschige und liebenswerte Kandidat, der sich rührend um seine kleine Schwester in den kleinen Pausen kümmert, flashte mich heute mit seinem Aufsatz zum Thema „Schönheit“.
Mein 11-jähriger Experte, der (für die Psychologie-Bezug-NehmerInnen unter uns) eine ziemlich intakte Familie inkl. Mutter und Vater hat, schrieb nach langer Überlegung folgendes auf das damit entstellte Blatt: (und ich zitiere!!) „Schönheit ist für Männer und für Frauen etwas völlig anderes. Ohne sich um ihre Schönheit zu bemühen, hätten Mädchen und Frauen nichts zu tun. Meiner Mutter ist Schönheit auch sehr wichtig. Für mich bedeutet sie nicht so viel, was mich angeht…“

Ohhh…ich glaube der nächste Anflug von Hysterie nähert sich….!!!
(nach einem tiefen Ein-und-Aus-Atmen)

WAS SOLL DENN DAS?!

Ich gebe zu, Schönheit ist ein durchaus komplexes Thema und da gibt es für Kinder wie für Erwachsene viel zu philosophieren. Mancheine/r bezieht es auf innere Werte, auf die Natur, auf abstrakte Vorstellungen oder einem Konglomerat aus all dem. Aber WARUM zum Kuckuck kommt ein 11-Jähriger SOFORT bei dem Thema Schönheit auf FRAU und IHRE einzige LEBENSAUFGABE, sich um IHRE Schönheit zu kümmern? Hinzu kommt, dass dieses oberflächliche Konstrukt ein klares Bild hinter seinen Worten erahnen lässt. Und ich meine diesen kleinen „Romeo“ ein wenig zu kennen, um das beurteilen zu können. Schönsein ist für ihn keinesfalls vielseitig. Es ist ein subjektives und eng begrenztes Feld, das die „klassische“ Barbiefrau, eine frühe Miley Cyrus zur Hannah Montana Zeit u. Ä. (sorry, ich muss hier passen, weil mir die Namen für die weiblichen Idole der heute 10- und 11-jährigen Kids fehlen! Aber ich informiere mich, versprochen!).
Dabei – wieder psycho-logisch für Deutungen offen – gibt seine Familie den guten Durchschnitt ab: Mutter: klein, kurzhaarig, aktiv und eher kurvig; Vater: groß, sportlich, unauffällig und Schwester: dunkelhaarig meist mit zwei Zöpfen, ruhig; „Romeo“ selbst: eher unsportlich und keinem Prince Charming der Disney-Industrie ähnelnd. Das ist meine Beschreibung, welche ich nicht zum obersten Gebot erheben möchte. Aber sie sollte dienlich sein für das Nachvollziehen der verzerrten Schönheitsvorstellung dieses Jungen und seiner KameradInnen.
Der Punkt, den ich wohl anpeilte, ist demnach: seine Familie ist nicht die von Barbie und Ken inkl. Skipper, Stacy, Shelly … uff… na ihr wisst schon ;)!

Um dem doppel-köpfigen Sinn dieser Schilderung eine weibliche Perspektive beizufügen, kann ich vom Aufsatz einer Mitschülerin dieses kreativen Schönheits-Fanatikers berichten. Die ebenso 11-jährige Nicht-Prinzessin fing tatsächlich mit wohltuenden Sätzen an, die von Schönheit der Natur, der Wälder und Wiesen, ihrer unberührten Vollkommenheit… handelten. Bevor ich mich ausreichend an ihnen ergötzen konnte, driftete die Kleine in den puren Materialismus ab und endete schließlich mit der Gegenüberstellung von
a) schönen, aber unbequemen Kleidern
und
b) bequemen, aber nicht schönen.
Ihr – wie sie sicherlich dachte – wohlwollendes Fazit war: ich wähle oft die bequemen Sachen aus, weil die schönen mir zu weit oder zu eng sind! Bequem ist manchmal besser als schön!

Es sind „ganz normale“ Kinder, die weder einer besonderen Behandlung bedürfen, noch solche, die „zu viel“ davon erhalten. Hart aber fair gesagt: es sind main-gestreamte Kinder, die lediglich ihre unreflektierte Meinung kundtaten.

Mich als Lehrende beunruhigt das jedes Mal. Denn ich weiß ja, dass diese Kinder viel zu wenig mit dem In-Frage-Stellen der rücksichtslos auf sie projizierten Stereotype konfrontiert werden. Und zu Hause? Im trauten Heim kommt sogar noch die in Routinen festgefahrene Bestätigung der (Haus)Frau/Mann-Konstellation auf sie zu. So bewegen sich die Kleinen in diesem Vorurteilsteich und schwimmen schließlich damit beladen in die Sumpflandschaft der Pubertät hinein. Dort angekommen gibt es erst recht keine einfache „Rettung“ mehr, denn der Sog durch die darin greifenden „Normen“ und „Regeln“ zwingt die dann WIRKLICH jungen Erwachsenen in die Knie. Bis der Kopf dann eines Tages mal frei wird für die Reflexion des eigenen Selbst, der Fügung oder dem Widerstand gegenüber den Junge-Mädchen-Klischees, kann so mancher Drops bereits gelutscht sein.

Und die Moral von der Geschicht: WIR BRAUCHEN GENDER-UNTERRICHT!

❤ KF

Mann mit Blumenduft = Rebell?

Aus gegebenem Anlass muss ich diese Geschichte mit der Weite der Welt teilen:

Mein eigener Bruder – groß, „maskulin“, muskulös und eigentlich ein bis aufs Übelste und Schönste klischeehafter Prinzessinnenretter – bat mich ihm MEIN Deo zu überlassen. (!!)

Und nun etwas ausführlicher mit der impliziten Frage, wie das bei unterschiedlichen Menschen wohl ankommt?..
Als ich eines Tages nach meinem Roll-on-Deo greifen wollte, fand ich dieses nicht an seinem Platz. Völlig verwirrt und ein bisschen sauer auf mich selbst, es irgendwo verlegt/verstellt zu haben, rief ich lauthals aus dem Bad: WEEEER hat mein Deo???

Ich erwartete keine Antwort. Aber dann kam plötzlich mein Riese von Bruder mit schüchtern gesenktem Haupt und gestand, er hätte es. Er hätte sich verliebt. In den blumigen Duft. Seine doch sehr gespielte Schüchternheit verflog aber schnell, als er anfing sich ein bisschen zu rechtfertigen. Was er sagte, leuchtete mir aber VOLLKOMMEN EIN! UND ICH SAGE JAAAAA!!!! ZU DIESEM KLEINEN SCHRITT FÜR DEN FEMINISMUS UND EIN GROOOOSSER IN RICHTUNG GESCHLECHTERAUSGLEICH!!

Seite Worte waren in etwa folgende: Er würde es hassen, irgendwelche pseudo-männlichen Deo-Sticks zu benutzen. Sie würden herb riechen und ihm förmlich in der Nase brennen.  Und auch die „neutralen“ Düfte, wie er sie nannte, würden nach Seife riechen und er WOLLTE DOCH NICHT NACH SEIFE UNTER DEN ACHSELN RIECHEN! 😀
Und somit kam er zu seinem Fazit: liebe Schwester, kauf mir bitte genau dein Exemplar.

Zu seiner Verteidigung: er hatte danach gesucht, aber da hat er vielleicht doch dieses noch ungeschulte Auge, nicht auf Anhieb das zu finden, was er will im Regal des Supermarktes.

Er sagte auch: ICH MÖCHTE VERDAMMT NOCH MAL NACH BLUMEN DUFTEN! Und als ich ihm sagte, wie wunderbar ich das finde und mich fast schon auf den Weg machte, ihm seinen Blumenwunsch zu erfüllen, sagte er, er würde diesen Plan publik machen wollen… Denn er fände es ohnehin total bekloppt, dass diese Dufttrennung existiert. WOZU? Wer sagt, dass Männer nicht nach Blumen zu duften haben? Oder dass sie „besonders männliche“ Verpackungen für Cremes, Shampoos und Duschgels brauchen? Warum ist Schwarz-Metallic besser für Männer geeignet, als Flieder oder Rosé?

Ich weiß nicht.

Aber FAKT ist, dass die meisten meiner Exfreunde als erstes ihre „Hygiene-Utensilien“ mitbrachten, weil sie doch nicht das Vanille-Orchideen-Duschgel oder die Rosenwasserseife benutzen konnten… Feuchtigkeitscreme mit Herzchen drauf – NO WAY! Der Lippenpflegestift mit dem berühmten L mit Maracujageschmack – WIE KÖNNTE ICH! Ich habe dazu nicht viel gesagt, aber gedacht und es ist sicherlich nicht umsonst vorbei mit denen ;). Natürlich nicht nur wegen den herben Düften dieser Prachtkerle.

Ich bin ganz klar auch nicht dafür, dass Frauen zwangsweise rosa Herzchensalben lieber haben sollten, als andere. Und auch Frauen, die gern nach „maskulinen“ Düften greifen, weil sie sich in keiner Weise mit einem zarten Röschen oder einer Karamellpraline identifizieren können. Von Freundinnen habe ich oft gehört, dass sie einen herben Duft an sich bevorzugen, weil er sie an ihren Vater erinnert… Ohne hier die Büchse des Freuds aufmachen zu wollen, warum sollten sie das nicht? Oder anders: Warum sollte jemand sie dafür VOR-VERURTEILEN?

Weiß ich auch nicht!

Aber ich kenne das Ende der Geschicht: mein Brüderchen ist happy! Jetzt, wo der Sommer endlich da ist, läuft er blumig durch die Hauptstadt und freut sich, an sich selbst zu schnuppern. Ich freue mich mit ihm – denn ich HASSE übrigens auch diese unheimlichen ultra-aufdringlichen „Männer“-Düfte.  Vielleicht wird sich dieser „mutige“ Schritt etablieren, zumindest im Freundeskreis meines Bruders. Vielleicht kann er den Einen oder Anderen inspirieren, ermutigen, aufregen oder provozieren. JEDE Reaktion ist GUT! Wie war das: besser schlechte als keine Presse?!

Fazit: EIN HOCH AUF DIE MISCHUNG UND DEN MIX AUS ROSEN, LOLLIS und MAIGLÖCKCHEN und ZIMT…meinetwegen auch ein bisschen SANDELHOLZ, BERGAMOTTE und VEILCHEN – DUFTET DOCH WONACH IHR WOLLT!

STINKEN tut mir nur die vollkommen überholte Einstellung der absolutistischen Trennung in herben Mann und süße Frau, in Blau und Rosa und die Unmöglichkeit der Vielfalt und Kreativität…

❤ KF

Kirke’scher Feminismus oder Mythos bleibt Mythos?

War Kirke eine Feministin?

Als ich heute seit vielen Jahren mal wieder über die Abenteuer von Odysseus stolperte, kam mir Kirke als DIE antike Feministin vor!

Denn es ist ja bekanntlich so:

a) Kirke ordnet sich keinem Mann unter

b) widerstrebt allen früh-patriarchalen Regen für „gewöhnliche“ Frauen

c) sehnt sich nicht einfach blind nach Liebe oder danach, geliebt zu werden

d) verachtet Männer, die sich ihr unterordnen, sich in sie verlieben und schließlich hingeben

e) ist selbstständig und zweifelt nicht im Geringsten an sich

UND F) SIE VERWANDELT MÄNNER, DIE IHREM WESEN ERLIEGEN IN HAUSSCHWEINE, DIE SICH DANN FRIEDLICH IM DRECK SUHLEN 🙂

Mich hat diese Haltung meiner antiken Göttin sehr bewegt und aufgerüttelt. Ich habe zunächst gedacht: JA!

Dennoch: im antiken Griechenland waren Frauen Menschen zweiter Klasse, die sich stets über ihren Mann oder ihre männlichen Familienangehörige, wie Väter und Brüder, definierten. Mehr noch, sie hatten nicht nur häuslich zu „dienen“, sie sollten auch zum männlichen Selbstbewusstsein beitragen. Hinter jedem Mann steht eine starke Frau, und so etwas.
Das ist auch vorher klar gewesen.
Aber da wären meine nächsten Gedanken, die nach der feministischen Euphorie aufkamen.
Ist dieses – betont GÖTTLICHEN Frauen vorbehaltene – Verhalten und Verhältnis zu Männern feministisch zu deuten? Oder grenzt das bereits aus psychische Störung, Narzissmus und Rachegelüste? Denn von Feminismus oder selbstbestimmten Frauen war bei Homer natürlich noch nicht die Rede, auch wenn er in seiner Odyssee durchaus gesellschaftskritisch auszulegen ist.
Ergo: wenn schon interpretieren, dann aus der heutigen Zeit heraus. Das taten Horkheimer und Adorno auch. Nur lag deren Augenmerk eher auf dem patriarchalen Charakter, dem sich Mann und Frau in der Antike schon zu fügen hatten.

Weibliche Figuren waren meist nur in der Lage aus der Reihe zu tanzen, wenn sie göttlich oder zumindest halb-menschlich waren. Indem die Zauberei und Wahrsagungstechniken beherrschten, bewegten sie sich in gewisser Hinsicht zwischen zwei Welten und waren von der harschen Kritik an ihrer Weiblichkeit ausgenommen.
Das Orakel von Delphi ist  noch so ein Beispiel weiblicher Allmacht, weiblicher Kraft und überragender Fähigkeit, Männer zu „bezwingen“.

Zurück zu Kirke, die Liebhaber zu Schweinen machte, weil sie ihr zu ausgeliefert waren. Sie war davon überzeugt, dass diese Männer ihr nicht gewachsen waren. Und sie wollte unbedingt diejenigen für sich gewinnen, die ihr widerstehen konnten. Es war also ein Kreislauf, der kein (aus romantisch-kitschiger-hollywood-love-story-Sicht) gutes Ende nehmen konnte.
Entweder es gab ein Schwein mehr in ihrem Vorhof oder sie blieb unzufrieden und unbefriedigt…

Irgendwie ist sie mir noch immer sympathisch. Dieses wehleidige, harte und trotzige an Kirke lässt mein Herz ein bisschen aufflattern. Auch wenn ich nun einmal mehr schwarz auf weiß sehe, dass dieses selbstzerstörerische und abweisende Dasein als Selbstschutz zu deuten wäre. Als psychische Störung fast, die heute sicherlich auf irgendwelche Eltern-Traumata zurückgeführt werden würde. Oder schlechte Erfahrungen? Oder Geschwister-Neid-Probleme?

WHO CARES?

Ich fasse mir an mein –  immer noch flattriges – Herz und sage: KIRKE’SCHER FEMINISMUS RULES!
…und das mit dem in Schweine verwandeln muss heute noch nicht mal mehr sein, da viele diesem niedlichen Getier bereits in vielerlei Hinsicht ähneln ;).

❤ KF

„Du bist etwas ganz Besonderes“…

… oder „Jemanden wie Dich habe ich noch nie getroffen“  – solche und ähnliche Sätze haben wir doch alle irgendwie schon mal gehört, wenn nicht gar selbst gesagt.
Selbst ich könnte jetzt nicht mit Sicherheit sagen, ob ich nicht auch das eine oder andere Mal in diese Richtung gehende Dinge von mir gegeben habe.
Worum es hier aber geht sind ganz explizit DIESE Aussagen. Phrasen, die MICH und DICH als DIE EINE unverwechselbare, ultra-individuelle und mega-einzigartige Person identifizieren und damit auf ein Podest heben, welches im Grunde leider nicht existiert. Weil: sind wir nicht alle so unverwechselbar-individuell? Abgesehen von den uns vereinenden kleinen Gleichheiten, wie Frauen können nicht einparken… ARGHHH!!

Zu aller Erst meine kurze Positionierung für das Wohl aller: ich möchte über meine Erfahrungen mit „Du bist etwas ganz Besonderes!“ sprechen, die ich als hetero-cis-Mädchen gemacht habe. Mit hetero-cis-Jungs – zumindest meine ich diese als solche wahrgenommen zu haben und beziehe diese Informationen aus deren eigenen Angaben.
Den meisten hätten ein paar „außer-Reichweite-Erfahrungen“ sicherlich gut getan um ein bisschen mehr von deren Tunnel-Blick-Welt zu sehen. Das aber nur nebenbei… 🙂

„Du bist etwas ganz Besonderes“, „Du bist anders als alle anderen“, „Du bist die EINZIG WAHRE“ und so weiter und so fort. Sicher, ich gebe gerne zu in romantischen Momenten, an denen ich meine Kitsch-Kritik im Zaum halten konnte und wollte hörte sich das doch gar nicht so übel an. Wer hört nicht gerne diese bestätigenden Worte, die wiederum nichts bedeuten. Das Gute und wahrscheinlich Beste daran ist, dass ich nie wirklich nachhaken brauchte. Denn Komplimente seitens geliebter und geschätzter Personen sind Zucker. Und dann auch noch solche, die kein Aber beinhalten. Die nicht durch ihren dualistischen Aufbau bei näherem Hinsehen doch nicht so schmeichelhaft sind. Oder aber so relativ, dass sie statt Glücksgefühle eher Würgereiz herbeirufen. Etwas Besonderes sein und als solches ENDLICH erkannt zu werden… Das spricht KLAR für mich! Und nochmal spricht es für MICH, weil es mich in meiner Partnerwahl bestätigt. ER ist demnach auch DER BESTE :). Denn ER erkennt DAS BESTE in MIR. Klar, oder? Logisch, self-fulfilling und zuuuum daaaaahinschmeeelzen.

Okay, ich muss euch dennoch enttäuschen. Wenn jemand immer noch in diesen Worten aufgeht und drauf pfeift, was dahinter stecken könnte, sollte weglesen. Oder weiterhin dem Gedanken des „Bei uns ist alles anders!“ verhaftet bleiben. Treu bleiben. What ever.

Für mich hat sich das „Du bis etwas ganz Besonderes“-Szenario mehrfach wiederholt und ich unterstelle dem nun eine auto-ethnografische-Empirie.

Was steckt hinter dem „Du bist etwas ganz Besonderes!“:

1.            Ein perfektes Kompliment, ohne WENN und ABER. Frau kann meist nichts Kritisches daran
erkennen und lässt es in ihren Ohren noch lange süßlich nachklingen. Ja, ja, ja! Ich bin es!
Endlich!

2.            Mann weiß um 1.

3.            Nehmen wir an, es stimmt. Die Aussage ist genau so gemeint: Jemanden wie Dich habe ich
noch nieeeee nieeee nieeee gekannt und kennen gelernt. Doch was heißt das im
Umkehrschluss für die MISS EINZIGARTIG? Ich bedauere: nur WORTE.

4.            Oder wenn 3. Doch zu banal ist und es nicht bloß leere Worte sind, dann hier der Selbsttest:
– Hattet ihr das Gefühl, einem Standard-Programm ausgesetzt zu sein?
– Wurden die Cafes/Restaurants/Parks vielleicht wie selbstverständlich angepeilt worden? Als
wären es Orte seines Reviers? Er wollte sie auch euch zeigen?
– Werdet ihr wie auf Autopilot miterwähnt (meine Freundin, Mietze, Süße u.ä.)?
– Wird für euch mitbestellt? Oder wird euch regelmäßig etwas empfohlen, als wäre
es selbstverständlich? A la:
„Ich kenne da diese/s…! Du musst das probieren!“
„Das ist das BESTE/COOLSTE/AUßERGEWÖHNLICHSTE…!“
– Fragt euch: wenn dieses Ganze soooo speziell ist, warum bleibt es das immer und immer
wieder?

Diese Welt ist ohne Frage eine wunderbare. In höchsten philosophischen Tönen stimme ich dem zu. Und wenn ICH zu einem dieser WUNDER der WELT zähle, weil ich anders bin und einzigartig, warum ist es egal, was diese Einzigartigkeit ausmacht?

Hört er MIR zu? Gibt er MEINER individuellen Persönlichkeit Raum, mich mitzuteilen? Gibt er MEINEN Ansichten eine Chance, ihm etwas Neues zu zeigen?
Kurz: lässt er sich überhaupt auf mich ein?

Da wird die Frage nach dem „Besten, was ihm je passiert ist“ nebensächlich. Ob es nun noch irgendwo auf der Erde ein durch und durch mit mir identisches Mädchen gibt, hat keine Bedeutung. Auch wenn diese Einsicht wesentlich an Romantik einbüßt.
WAS soll ich mit dieser HOSENTASCHEN-ROMANTIK anfangen, wenn diese doch wieder im SUPER-EGO des Misters mündet?

Wenn euch das auch bekannt vorkommt, dann ist das sicher noch keine tödliche Diagnose. Es gibt viele Floskeln und Routinen, die heute unsere serielle Monogamie bietet und fordert. Da ist es schwierig zwischen meiner eigenen Idee und dem common sense zu trennen. Vielleicht ist es auch gar nicht möglich und nötig. Das Dilemma ist lösbar. Diesmal wirklich GANZ INDIVIDUELL!

Das ist kein 08/15-Rezept. Aber ich habe für mich beschlossen, dass ich mich nicht an das Bäumchen-wechsle-dich-Prinzip halte. Ich bin keine Missionarin. Ich bin nicht dafür da, um Erziehungsarbeit an meinen Partnern zu leisten. Wir hatten Spaß. Das reicht mir. Gern können sie der oder dem Nächsten wieder vom Besonderheits-Status erzählen und sich daraufhin mit ihnen im bekannten ULTRA-HIPPEN-DAS-MUSST-DU-PROBIEREN-IN-LOKAL wiederfinden…

Für mich gibt es da einen feinen kleinen Widerspruch, der für andere sicherlich gar nicht sichtbar ist oder eben dazu gehört – vielleicht sogar schön ist. Ich werde nicht gern an der Hand geführt und führe meine „Jungs“ auch nicht gern wie Kinder herum. Ich liebe die Selbstständigkeit, die so selbstständig ist, dass ein Partner oder die Partnerin ebenfalls über eine solche verfügen darf. Da kümmert es mich wenig, ob ich ach, so besonders bin! Ein bisschen anders sind wir doch alle :).

In diesem Sinne,

❤ KF