Sprach_e oder Sprache* – Die Tücken respektvollen Umgangs und diskriminierende Stolpersteine

Jetzt mit dem Beginn des neuen Semesters gibt’s täglich Neues zu berichten! Um gleich zu Anfang: hiermit seien ALLE Personen eingeschlossen, auch Nicht-Studierende, Nicht-Studentinnen, Nicht-Studenten und alle Nicht-Akademiker*! 😉
Wem dieser kleine Absatz schon Tränen der Grammatik in die Augen treibt, sei gesagt: es kommt noch schlimmer – oder noch vieeeel intensiver!
Denn hier die gewagte These: SCHLIMM ist das nicht! Es ist nützlich. Es ist förderlich und es ist HÖCHSTE ZEIT!
Es gibt nur ein Problem, vor dem nicht nur ich allein stand und heute noch stehe. Wie drücke ich mich nun inklusiv aus, ohne Menschen auf irgendeine Weise zu benachteiligen?
Dazu komme ich gleich. Es gibt nämlich noch eine Schwierigkeit, die aus dem Weg der falschen An- und Aussprachen geräumt werden sollte: die ENDGÜLTIG durchgesetzte Einführung des Miteinschlusses von WEIBLICHEN PERSONEN!
Auch ich muss zugeben, dass der Unterstrich z.B. bei Fraue_n etwas seltsam aussieht. Es ist ungewohnt für uns alle, die auf ein möglichst korrektes Deutsch getrimmt wurden und vor allem mit dem Vormarsch des www immer wieder in die Kritik geraten, wir würden die Grammatik völlig über Bord werfen. Auch das niedliche Sternchen am Wortende lässt bei Nichtwissenden dicke Fragezeichen über den Köpfen aufleuchten. Dabei kann ein/e jede/r einmal kräftig googlen und wird schnell fündig, wie Menschen eingeschlossen werden können – sei es im direkten Gespräch oder in offiziellen Schriftstücken.
Ja, ja, das ist die schöne heile Weilt der Genderwissenschaften…
So einfach ist es dann doch nicht. Und dass selbst ich nicht alles blind annehme und anfange an dieser Stelle alles weitere in kleinen buchstaben zu schreiben, angelehnt an die englische sprache, wo es diese nomen-/adjektiv-/verbtrennung nicht gibt. Das werde ich nicht tun, denn dann muss auch ich ein bisschen weinen über die STUNDEN, die ich mit Deutschlernen verbracht habe.

Ich bin absolut für Antidiskriminierung, für Einschluss, für Inklusion und für eine durchdringende Betrachtung. Dass sich alle Menschen auf dieser Welt, seien es sexuelle Minderheiten, ethnische oder klassenspezifische (und alle anderen!!) zu Hause fühlen MÜSSEN und DÜRFEN! Aber wenn es heute kaum jemand – IMMER NOCH – schafft, konsequent Frauen mit einzuschließen und direkt anzusprechen, ist der Weg zur Erleuchtung noch sehr sehr lang.
Frauen würden sich selbst im Weg stehen. Meistens wird mir übel, wenn ich diesen Satz höre.
Hier hat er definitiv einen Platz verdient. Denn Frauen tun das tatsächlich oft:

Sie nennen sich selbst MITARBEITER, CHEF, KUNDE, PATIENT, KÄUFER, ZUSCHAUER, FAHRER und so vieles mehr.
Sie sehen das Problem dieser Aussagen nicht.
Sie behaupten, es wäre OK, da sie ja SICH damit bezeichnen und selbst dazu greifen DÜRFEN.
Sie würden es nicht diskriminierend meinen.
Sie finden es normal und einfach.
Sie finden es dagegen umständlich die beiden soooo schwerwiegenden und schwer erträglichen Buchstaben –IN anzufügen oder manchmal ein paar Millisekunden mehr mit der Formulierung ihrer Gedanken zu verbringen.
Sie merken es auch nicht ihren männlichen Kollegen, Freunden, Vorgesetzten etc. an.
Sie sagen Dinge wie „Ihr wisst doch wie ich es meine!“ Oder „Das ist doch nicht so wichtig!“

ABER JAAAAA! ES IST WICHTIG!

Ok, es ist schwer gute überzeugende Argumente für diejenigen zu finden, die davon nicht überzeugt sind. Aber wenn ich eine_n meine_r Dozenten* zitieren darf: „Sprache ist Handeln!“ Und das heißt jedes gesprochene Wort, jeder Satz und genau so auch das Nicht-Ausgesprochene sind Taten. Es sind Handlungen, die bewusst oder unbewusst etwas bewirken. Sie erzeugen Bilder, Ideen und haben somit Wirkmacht.
Wenn ich also ganz deutlich sage Zuschauerinnen und Zuschauer, Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Kundinnen und Kunden… dann MEINE ich die weiblichen und männlichen unter ihnen.
Klar, dass hier sämtliche inter-, transsexuelle und solche, die sich auf andere Weise irgendwo zwischen den beiden Extremen einzuordnen pflegen, nicht mitbedacht sind. Vielleicht erscheint es auch diesen Menschen als ein kleiner Schritt auf sie zu, der die Gender-Sprach-Revolution am Horizont aufblitzen lässt. Vielleicht kränkt sie das auch noch mehr.
Ich möchte und kann auch nicht für ALLE sprechen. Das ist unmöglich.
Aber die Position einer cis-Frau habe ich nun mal inne. Und verlange SPRECHT UNS AN!

DIREKT!

KURZ!

ALS MITARBEITERIN und KOLLEGIN

ALS KUNDIN,

PATIENTIN

Und seit dabei ernst und ironisch zugleich. Ich kann auch drüber lachen, wenn mir Feminismen in Witzen verpackt um die Ohren fliegen. Wenn Freunde* mich ein bisschen belächeln. Solange das eine liebevoll Geste ist, bleibt ihnen dennoch der Kern meiner Forderungen erhalten und der Gedanke der einschließenden Sprache verfolgt sie im Alltag.

Also, liebe MENSCHINNEN UND MENSCHEN, vor allem solche, die es sowieso nicht anders kennen, als IMMER angesprochen zu werden, TUT WAS und SPRECHT GENDERGERECHT.

Dafür müsst ihr nicht plötzlich eine neue Lebensphilosophie oder Ideologie verfolgen. Denkt dabei einfach als die euch alle umgebenden Frauen und Mädchen, die ihr gern habt und die euren Respekt und eure Anerkennung verdienen. Sprecht FÜR sie.  Hebt sie hervor! Macht sie SICHTBAR!!

Sprache ist Macht! Sprache ist Alltag! Und SPRACHE IST HANDELN!!

KF ❤

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